Erster Welt-Nierenkrebs-Tag: Breites Behandlungsspektrum für deutsche Urologen

Das Prä­ven­ti­ons­po­ten­zi­al liegt im indi­vi­du­el­len Lebens­stil 

Ber­lin, 21.06.2017. Nie­ren­krebs ist die dritt­häu­figs­te Tumor­er­kran­kung, mit der Deutsch­lands Uro­lo­gen in Pra­xen und Kli­ni­ken kon­fron­tiert sind. Betrof­fe­ne Pati­en­ten sind zumeist älte­re Men­schen und nach alters­stan­dar­di­sier­ten Daten des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) dop­pelt so vie­le Män­ner wie Frau­en. Rund 16.500 Neu­erkran­kun­gen an Nie­ren­krebs erwar­te­te das RKI für 2016. Früh erkannt, las­sen sich Nie­ren­tu­mo­ren heu­te gut behan­deln und die Pro­gno­se für die meis­ten Pati­en­ten ist güns­tig, tei­len die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) anläss­lich des Welt-Nie­ren­krebs-Tages mit, der am mor­gi­gen 22. Juni 2017 erst­mals statt­fin­det. Sie beto­nen jedoch zugleich die Bedeu­tung der Prä­ven­ti­on von Nie­ren­tu­mo­ren — und damit beson­ders Fra­gen des indi­vi­du­el­len Lebens­stils.

Die Ursa­chen für die Ent­ste­hung von Nie­ren­krebs, zu 90 Pro­zent han­delt es sich dabei um Nie­ren­zell­kar­zi­no­me, sind noch nicht geklärt. Aber es gibt Risi­ko­fak­to­ren wie etwa Rau­chen, Über­ge­wicht, Blut­hoch­druck und Man­gel an kör­per­li­cher Akti­vi­tät, die laut S3-Leit­li­nie zum Nie­ren­krebs als begüns­ti­gend erkannt sind. Die­se Fak­to­ren sind beein­fluss­bar, und hier soll­te Prä­ven­ti­on anset­zen“, sagt BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schro­eder. Nicht modi­fi­zier­ba­re Risi­ko­fak­to­ren sei­en ter­mi­na­le Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz und eine erb­li­che Vor­be­las­tung, die jedoch sel­ten vor­kom­me. „Umso mehr Bedeu­tung erhält eine gesun­de Lebens­füh­rung bei der Prä­ven­ti­on von Nie­ren­krebs.“

Im frü­hen und im lokal fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um machen Nie­ren­tu­mo­ren kei­ne Sym­pto­me. Sie wer­den bei Ultra­schall­un­ter­su­chun­gen des Bauch­rau­mes oft eher bei­läu­fig ent­deckt, wor­an ste­tig ver­bes­ser­te bild­ge­ben­de Ver­fah­ren ihren Anteil haben. Tre­ten bereits Beschwer­den wie etwa Schmer­zen im seit­li­chen Rücken­be­reich oder blu­ti­ger Urin auf, ist der Krebs häu­fig schon weit fort­ge­schrit­ten und hat oft bereits Meta­sta­sen gestreut. Obwohl das sta­tis­ti­sche Durch­schnitts­al­ter bei der Erst­dia­gno­se von Nie­ren­tu­mo­ren rela­tiv hoch ist — bei Män­nern sind es 68, bei Frau­en 72 Jah­re — befin­det sich das Kar­zi­nom bei sei­ner Ent­de­ckung in 75 Pro­zent aller Fäl­le noch in einem frü­hen Sta­di­um mit ent­spre­chend güns­ti­ger Pro­gno­se für den Krank­heits­ver­lauf.

Sowohl Nie­ren­tu­mo­ren im frü­hen und lokal fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um als auch Nie­ren­krebs im meta­sta­sier­te Sta­di­um wer­den nach der ärzt­li­chen S3-Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Nach­sor­ge des Nie­ren­zell­kar­zi­noms behan­delt, die 2015 feder­füh­rend von der DGU und von der Deut­schen Gesell­schaft für Häma­to­lo­gie und Onko­lo­gie (DGHO) erstellt und gera­de aktua­li­siert wor­den ist. Das Spek­trum der Behand­lungs­mög­lich­kei­ten ist breit und spannt sich von akti­ver Über­wa­chung über ver­schie­de­ne Ope­ra­ti­ons­ver­fah­ren bis zu kom­ple­xen sys­te­mi­schen The­ra­pi­en. „Im frü­hen oder lokal fort­ge­schrit­te­nen Sta­di­um sind Ope­ra­tio­nen, mini­mal-inva­siv und nach Mög­lich­keit organer­hal­tend, immer noch alter­na­tiv­los. Regel­mä­ßi­ge, risi­ko­ad­ap­tier­te Nach­sor­ge­sche­ma­ta gemäß der S3-Leit­li­nie, gilt es bei der Nach­sor­ge ope­rier­ter Pati­en­ten zu berück­sich­ti­gen, um Rezi­di­ve ggf. früh zu erken­nen. Abla­ti­ve The­ra­pi­en wie etwa die Radio­fre­quenz­a­b­la­ti­on, bei der durch Hit­ze­ent­wick­lung eines hoch­fre­quen­ten Stroms gezielt Gewe­be zer­stört wird, müs­sen sich wei­ter bewei­sen“, so DGU-Pres­se­spre­cher Prof. Dr. Chris­ti­an Wül­fing. Der uro­lo­gi­sche Chef­arzt wei­ter: „Für die meta­sta­sier­ten Tumo­ren sind inzwi­schen zehn Medi­ka­men­te zuge­las­sen. Durch geziel­te Krebs­the­ra­pie, soge­nann­te ‚̣tar­ge­ted the­ra­py’, und klu­ge Kom­bi­na­ti­on neu­er Prä­pa­ra­te wer­den die Über­le­bens­zei­ten der Pati­en­ten län­ger.“

Quel­le: DGU

Aus­führ­li­che Infor­ma­tio­nen über Vor­sor­ge, Risi­ko­fak­to­ren, Sym­pto­me, Dia­gnos­tik und die Behand­lung von Nie­ren­krebs bie­ten wir Ihnen in unse­rer Pra­xis. Erkun­di­gen Sie sich bei uns nach unse­rer Krebs­vor­sor­ge­bro­schü­re.

Harninkontinenz: Urologen stellen neue Entwicklungen der Inkontinenz-Therapie vor

Ber­lin, 11.05.2017. Funk­ti­ons­stö­run­gen im Bla­sen- und Becken­bo­den­be­reich sind weit ver­brei­tet. Sie rei­chen von Bla­sen­ent­lee­rungs­stö­run­gen über unge­woll­ten Urin­ver­lust bis hin zu Schmer­zen in Becken und Rücken. Von den Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen als beson­ders unan­ge­nehm emp­fun­den wird eine Harn­in­kon­ti­nenz. Das Gefühl, die eige­ne Bla­se nicht mehr kon­trol­lie­ren zu kön­nen, geht mit einem hohen Lei­dens­druck ein­her. Eine von drei Frau­en hat in ihrem Leben das Risi­ko an einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz zu erkran­ken. Eine von neun Frau­en erkrankt an einer soge­nann­ten Sen­kung ihres inne­ren Geni­ta­les (Pro­laps). Zu den häu­figs­ten Aus­lö­sern einer Belas­tungs- oder Dran­gin­kon­ti­nenz sowie einer Pro­lap­ser­kran­kung bei Frau­en zäh­len dege­ne­ra­ti­ve Ver­än­de­run­gen, Ent­zün­dun­gen, Geburts­schä­di­gun­gen, Über­ge­wicht sowie eine zuneh­men­de Lebens­er­war­tung. Bei Män­nern spielt neben dem Alter meist eine Ope­ra­ti­on der Pro­sta­ta die bedeu­ten­de Rol­le bei der Ent­ste­hung einer Harn­in­kon­ti­nenz.

Hil­fe fin­den betrof­fe­ne Män­ner und Frau­en in Form moder­ner Behand­lungs­maß­nah­men, die zugleich scho­nend und effek­tiv sind. Wur­de noch vor weni­gen Jah­ren auf­wän­dig ope­riert, bei Frau­en etwa der Bla­sen­hals im Zuge einer belas­ten­den Schnitt­ope­ra­ti­on ver­la­gert, eine soge­nann­te Nadel­sus­pen­si­on vor­ge­nom­men oder eine Pubo­va­gi­nal­sch­lin­ge aus kör­per­ei­ge­nem Gewe­be gesetzt, reicht heu­te meist ein mini­mal­in­va­si­ver Ein­griff aus. Die theo­re­ti­schen Grund­la­gen die­ser The­ra­pie wur­den bereits vor 25 Jah­ren in der soge­nann­ten Inte­gral­theo­rie nach Petros beschrie­ben – der Wie­der­her­stel­lung der Bla­sen­funk­ti­on durch die Rekon­struk­ti­on des locke­ren Hal­teap­pa­ra­tes. Bewährt hat sich unter ande­rem der Ein­satz sub­u­re­thra­ler Bän­der, etwa aus Poly­pro­py­len. Der Becken­bo­den ist dabei mit einem Tram­po­lin ver­gleich­bar: Nur wenn eine aus­rei­chen­de Span­nung vor­han­den ist, kann er rich­tig funk­tio­nie­ren.

Die syn­the­ti­schen Bän­der, die mit Hil­fe eines klei­nen Schnit­tes bezie­hungs­wei­se Ein­stichs in den Becken­bo­den ein­ge­setzt wer­den, erset­zen die erschlaff­ten Hal­te- und Stütz­bän­der des Becken­bo­dens und stel­len so die ver­lo­ren gegan­ge­ne Elas­ti­zi­tät und Spann­kraft wie­der her“, erklärt Dr. Alfons Gun­ne­mann, der auf dem 69. Kon­gress der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) in Dres­den zu die­sem The­ma refe­rie­ren und das Inkon­ti­nenz-Forum beglei­ten wird. „Nicht nur, dass der Ein­griff für Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten deut­lich scho­nen­der ist. Ein Vor­teil ist auch die gute Halt­bar­keit der Bän­der. Rich­tig ein­ge­setzt, kön­nen sie vie­le Jah­re im Kör­per ihre stüt­zen­de und straf­fen­de Funk­ti­on behal­ten. Außer­dem sind sie gut ver­träg­lich.“ Aller­dings ist zu beach­ten, dass mög­li­che post­ope­ra­ti­ve Mate­ri­al­ver­än­de­run­gen, Gewe­be­re­ak­tio­nen, die ein­ge­setz­te Implan­ta­ti­ons­tech­nik sowie pati­en­ten­ei­ge­ne Risi­ko­fak­to­ren die Ergeb­nis­se beein­flus­sen kön­nen.

Neben dem Ein­brin­gen sub­u­re­thra­ler Bän­der kann den Betrof­fe­nen auch ein künst­li­cher Bla­sen­schließ­mus­kel hel­fen. Die­ser kommt haupt­säch­lich bei Män­nern zum Ein­satz. Hier­bei kann der Mann mit Hil­fe einer in den Hoden­sack ein­ge­brach­ten Pum­pe eine um die Harn­röh­re geleg­te Man­schet­te öff­nen und schlie­ßen und so den Harn­ab­fluss kon­trol­lie­ren. „Der künst­li­che Schließ­mus­kel ist eine sehr effek­ti­ve Maß­nah­me und macht jeden Inkon­ti­nen­ten wie­der tro­cken. Er ist vor allem für Män­ner inter­es­sant, die am Tag mehr als 500 Mil­li­li­ter Urin ver­lie­ren“, erklärt Dr. Alfons Gun­ne­mann. „Aller­dings muss auf­grund der Kom­ple­xi­tät die­ser Maß­nah­me auch mit Kom­pli­ka­tio­nen gerech­net wer­den. Kommt der Pati­ent mit der Hand­ha­bung aber gut zurecht, funk­tio­niert das Zusam­men­spiel von Man­schet­te und Pum­pe, und akzep­tiert der Kör­per den künst­li­chen Schließ­mus­kel, kann die­ser durch­aus lebens­lang im Ein­satz blei­ben. Regel­mä­ßi­ge Kon­trol­len sind aller­dings Pflicht. Das gilt auch für die sub­u­re­thra­len Bän­der.“

Und die For­schun­gen gehen wei­ter: Fei­ne­re, elek­tro­nisch kon­trol­lier­te Behand­lungs­me­tho­den wer­den eben­so erprobt wie die Ver­träg­lich­keit und Belast­bar­keit neu­er Mate­ria­li­en. „Harn­in­kon­ti­nenz betrifft vie­le Pati­en­ten und Pati­en­tin­nen und ist ein wich­ti­ges The­ma, dem Auf­merk­sam­keit geschenkt wer­den muss“, sagt DGU- und Kon­gress­prä­si­dent Prof. Dr. Til­man Kälb­le, „Denn die Betrof­fe­nen haben nur einen Wunsch: wie­der ein unbe­schwer­tes Leben zu füh­ren. Dabei kön­nen wir Uro­lo­gen ihnen hel­fen. Eines der Zie­le des 69. Kon­gres­ses der DGU ist daher, den Blick für die­sen bedeu­ten­den The­men­be­reich zu schär­fen. Raum für Dis­kus­sio­nen bie­ten unter ande­rem die Forums­sit­zun­gen, die von Don­ners­tag, den 21.09.2017 bis Sams­tag, den 23.09.2017 statt­fin­den.“

Doch nicht nur die Behand­lung der Inkon­ti­nenz steht im Fokus. The­ma­ti­siert wer­den auch die Mög­lich­kei­ten, dem unge­woll­ten Harn­ab­gang vor­zu­beu­gen. Neben geziel­tem Becken­bo­den­trai­ning und der Ver­mei­dung von Über­ge­wicht spie­len dabei Maß­nah­men wie die Elek­tro­sti­mu­la­ti­on und die Betrach­tung des Hor­mon­sta­tus eine tra­gen­de Rol­le. „Der Becken­bo­den gehört zu den ver­nach­läs­sig­ten Orga­nen. Ihm soll­te deut­lich mehr Auf­merk­sam­keit geschenkt wer­den“, appel­liert Dr. Alfons Gun­ne­mann. „In der Medi­zin gibt es zwar kein All­heil­mit­tel, aber sehr gute Behand­lungs­mög­lich­kei­ten. Um jedem Pati­en­ten und jeder Pati­en­tin die pas­sen­de The­ra­pie zu ermög­li­chen, kommt es daher auf einen fach­über­grei­fen­den Aus­tausch und die Zusam­men­ar­beit zwi­schen Uro­lo­gen, Gynä­ko­lo­gen und Colo­prok­to­chir­ur­gen an.“

Der 69. Kon­gress der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie fin­det vom 20. – 23.09.2017 in Dres­den unter dem Mot­to „Uro­lo­gie. Für alle. Für jeden. Für uns.“ statt. Zu den inhalt­li­chen Schwer­punk­ten gehö­ren neben der Inkon­ti­nenz bei Mann und Frau unter ande­rem auch die aktu­el­len Ent­wick­lun­gen zu PSA-Scree­ning und Active Sur­veil­lan­ce beim Pro­statakar­zi­nom sowie Neue­run­gen bezüg­lich Dia­gnos­tik und The­ra­pie aller uro­lo­gi­scher Tumo­ren.

Quel­le: DGU

Wir bilden uns für Sie weiter: Hygienebauftragter Arzt und genetische Beratung

Um Ihnen zeit­ge­rech­te, moder­ne und sinn­vol­le medi­zi­ni­sche Leis­tun­gen anbie­ten zu kön­nen, bil­den wir uns ste­tig wei­ter. So haben mein Pra­xis­team und — in die­sem Fal­le ich — fol­gen­de Fort­bil­dun­gen besucht:

  • Genetische Beratung

  • Hygienebeauftragter Arzt

Was bedeutet dies für Sie? Im folgenden Abschnitt finden Sie einige Informationen hierzu:

Eine gene­ti­sche Bera­tung dient dazu, gene­tisch (mit) beding­te Erkran­kun­gen oder Risi­ken für Erkran­kun­gen zu erken­nen und zu ver­ste­hen. Sie wird von spe­zi­ell fort­ge­bil­de­ten Fach­ärz­ten durch­ge­führt.

 

Der Hygie­ne­be­auf­trag­te Arzt unter­stützt und berät bezüg­lich hygie­nere­le­van­ter Fra­ge­stel­lun­gen (z. B. über­grei­fen­de Hygie­ne­maß­nah­men, Hygie­ne­plä­ne, Bege­hun­gen, Iso­lie­rungs­maß­nah­men, hygie­nisch-mikro­bio­lo­gi­sche Kon­trol­len, Bau­maß­nah­men, inter­ne Umset­zung von hygie­nere­le­van­ten Geset­zen, Ver­ord­nun­gen und Richt­li­ni­en).

Der Hygie­ne­be­auf­trag­te Arzt arbei­tet eng mit der Hygie­ne­fach­kraft zusam­men und berät sie ins­be­son­de­re bei medi­zi­ni­schen Fra­ge­stel­lun­gen. Er wird in der Regel bei Bege­hun­gen und Maß­nah­men durch Auf­sichts­be­hör­den (z.B. Gesund­heits­amt) bera­tend hin­zu­ge­zo­gen.

Nach der “Ver­ord­nung über die Hygie­ne und Infek­ti­ons­prä­ven­ti­on in medi­zi­ni­schen Ein­rich­tun­gen” (Med­Hyg­VO) sind unter ande­rem auch Ein­rich­tun­gen für Ambu­lan­tes Ope­rie­ren und Arzt­pra­xen, in denen inva­si­ve Ein­grif­fe vor­ge­nom­men wer­den, ver­pflich­tet, einen hygie­ne­be­auf­trag­ten Arzt zu bestel­len.

Zum Hygie­ne­be­auf­trag­ten Arzt kann nur bestellt wer­den, wer über eine min­des­tens zwei­jäh­ri­ge Berufs­er­fah­rung ver­fügt und spe­zi­el­le Kennt­nis­se auf dem Gebiet der Hygie­ne und der medi­zi­ni­schen Mikro­bio­lo­gie erwor­ben hat.

Somit kön­nen Sie bei uns sicher sein, eine hygie­nisch vor­bild­lich geführ­te Pra­xis mit einem Ein­griffs­raum für ambu­lan­te Ope­ra­tio­nen vor­zu­fin­den.

 

Kinderwunsch — hier einige Informationen

30.01.2017. Was sind die Ursa­chen unge­woll­ter Kin­der­lo­sig­keit? Wel­che Rol­le spielt das Alter? Wann soll­te man sich unter­su­chen las­sen? Wel­che Behand­lungs­me­tho­den gibt es in Deutsch­land, und wer trägt die Kos­ten?

Infor­ma­tio­nen und Hil­fe rund um das The­ma Kin­der­wunsch bie­tet ein neu­es Zeit­bild MEDICAL, das vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend geför­dert sowie von den Berufs­ver­bän­den der Uro­lo­gen und der Frau­en­ärz­te unter­stützt wird. Das Medi­en­pa­ket ent­hält sowohl Mate­ria­li­en für Ärz­te als auch ein Maga­zin für Pati­en­ten. Hier geht’s zum Pati­en­ten­ma­ga­zin.

Quel­le: DGU

Hodenhochstand nicht nur bei Babys!

Bei den aller­meis­ten zum errech­ne­ten Ter­min gebo­re­nen Jun­gen wan­dern die Hoden gegen Ende der Schwan­ger­schaft durch den Leis­ten­ka­nal in den Hoden­sack. Bei etwa drei Pro­zent der reif­ge­bo­re­nen Jun­gen ist der Hoden nicht zuver­läs­sig im Hoden­sack tast­bar. Ärz­te spre­chen dann von einem Hoden­hoch­stand, der bis zum Ende des ers­ten Lebens­jah­res abschlie­ßend behan­delt wer­den soll­te.

 

Doch auch ein bereits im Hoden­sack gele­ge­ner Hoden kann in der Fol­ge­zeit in den Leis­ten­ka­nal auf­stei­gen und dort per­ma­nent lie­gen blei­ben. Die­ser soge­nann­te sekun­dä­re Hoden­hoch­stand kommt laut einer neu­en Unter­su­chung weit­aus häu­fi­ger vor als bis­her ange­nom­men.

Dar­auf wies die Regens­bur­ger Uro­lo­gin PD Dr. Annet­te Schrö­der auf dem dies­jäh­ri­gen Kon­gress der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. in Leip­zig hin. Schrö­der und Kol­le­gen hat­ten in einer Unter­su­chung zwi­schen Mai 2015 und August 2016 fest­ge­stellt, dass von 175 Jun­gen, bei denen ein Hoden­hoch­stand ope­riert wur­de, fast 50 Pro­zent einen sekun­dä­ren Hoden­hoch­stand auf­wie­sen. Das heißt, dass der Hoden, obgleich er bereits ord­nungs­ge­mäß in den Hoden­sack abge­sun­ken war, wie­der aus die­sem in Rich­tung Bauch­raum zurück­wan­dert. Risi­ken dafür sind unter ande­rem ein Pen­del­ho­den, ein ver­spä­te­ter Abstieg des Hodens in den Hoden­sack (pri­mä­rer Hoden­hoch­stand) sowie ein vor­aus­ge­gan­ge­ner Leis­ten­bruch.

Wie der pri­mä­re Hoden­hoch­stand geht auch der sekun­dä­re Hoden­hoch­stand, vor allem, wenn er beid­sei­tig auf­tritt, mit einer ein­ge­schränk­ten Zeu­gungs­fä­hig­keit ein­her. Zudem trägt ein nicht rich­tig lie­gen­der Hoden ein erhöh­tes Risi­ko für die Ent­wick­lung von Hoden­krebs in sich.

PD Dr. Schrö­der rät des­halb, die Hoden­la­ge bis zur Puber­tät regel­mä­ßig etwa wäh­rend der U-Unter­su­chun­gen beim Kin­der­arzt zu über­prü­fen. Besteht ein begrün­de­ter Ver­dacht auf einen Hoden­hoch­stand, soll­te ein Uro­lo­ge hin­zu­ge­zo­gen wer­den und die Fehl­la­ge so früh wie mög­lich kor­ri­giert wer­den, um Spät­fol­gen zu ver­mei­den. Die gröss­te Sicher­heit einer kom­pli­ka­ti­ons­lo­sen Ent­wick­lung besteht bei einer Kor­rek­tur der Hoden­la­ge bis zum Abschluss des 12. Lebens­mo­nats.

Quel­le: DGU

Kommen Männer in die Wechseljahre?

Hypo­go­na­dis­mus des altern­den Man­nes

Kom­men Män­ner in die Wech­sel­jah­re? Die­se Fra­ge wird immer wie­der dis­ku­tiert. Die Ant­wort der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) ist ein ein­deu­ti­ges Nein. Bei dem Beschwer­de­bild, das fälsch­li­cher­wei­se oft als „Wech­sel­jah­re des Man­nes“ bezeich­net wird, han­delt es sich um ein Andro­gen­de­fi­zit, auch Hypo­go­na­dis­mus genannt. „Meist ist bereits ab dem 45. Lebens­jahr eine ste­ti­ge Abnah­me des wich­tigs­ten Sexu­al­hor­mons Tes­to­ste­ron von etwa einem Pro­zent im Jahr zu beob­ach­ten“, sagt Prof. Dr. Sabi­ne Kliesch, Vor­sit­zen­de der Pati­en­ten­Aka­de­mie der DGU. „Bei einem hohen Aus­gangs­wert berei­tet das kei­ne Pro­ble­me. Doch es gibt Män­ner, die mit erheb­li­chen Beschwer­den zu kämp­fen haben. Ihnen kann unter Umstän­den eine Tes­to­ste­ron­er­satz­the­ra­pie hel­fen.“

Bei den 40- bis 79-Jäh­ri­gen sind etwa zwei bis fünf Pro­zent der Män­ner vom alters­be­ding­ten Hypo­go­na­dis­mus betrof­fen. Beson­ders häu­fig zeigt sich der Hor­mon­man­gel in Zusam­men­hang mit Über­ge­wicht und einem schlech­ten Gesund­heits­zu­stand. Aber auch Grund­er­kran­kun­gen wie das meta­bo­li­sche Syn­drom und Dia­be­tes mel­li­tus wir­ken sich nega­tiv auf den Tes­to­ste­ron­spie­gel aus. Zu den Leit­be­schwer­den, mit denen Män­ner die uro­lo­gi­sche Pra­xis auf­su­chen, zäh­len Erek­ti­ons­stö­run­gen und Libi­do­ver­lust. Wei­te­re Fol­gen des Andro­gen­de­fi­zits sind Schlaf­stö­run­gen, Müdig­keit, Stim­mungs­schwan­kun­gen, Antriebs­lo­sig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten. „Die betrof­fe­nen Män­ner füh­len sich nicht mehr leis­tungs­fä­hig. Sogar Depres­sio­nen kön­nen einen Hypo­go­na­dis­mus beglei­ten“, weiß Prof. Kliesch. Häu­fig zeigt sich zudem eine Abnah­me der Mus­kel­mas­se bei gleich­zei­ti­ger Zunah­me des gesund­heits­kri­ti­schen vis­ze­ra­len Bauch­fetts. Hin­zu kommt, dass ein zu nied­ri­ger Tes­to­ste­ron­spie­gel ande­re Stoff­wech­sel­pro­zes­se nega­tiv beein­flusst. Lang­fris­tig lei­det das Blut­bild und der Kno­chen­stoff­wech­sel, Über­ge­wicht sowie eine Stö­rung des Zucker­haus­halts wer­den begüns­tigt. „Es ist ein Kreis­lauf: Zum einen för­dert ein zu nied­ri­ger Tes­to­ste­ron­spie­gel die Ent­ste­hung von Stoff­wech­sel­krank­hei­ten. Zum ande­ren ver­stär­ken bereits bestehen­de Stoff­wech­sel­er­kran­kun­gen den Tes­to­ste­ron­man­gel. Hypo­go­na­dis­mus stellt für die Gesund­heit des Man­nes daher ein gewis­ses Risi­ko dar“, erklärt Prof. Kliesch. Die Uro­lo­gin und renom­mier­te Andro­lo­gin emp­fiehlt Kol­le­gen, bei Pati­en­ten mit Beschwer­den genau hin­zu­schau­en und bei einem kli­ni­schen Ver­dacht auf einen Hypo­go­na­dis­mus die Tes­to­ste­ron­wer­te zu unter­su­chen.

Die endo­kri­no­lo­gi­sche Dia­gnos­tik erfasst nicht nur die Bestim­mung des Tes­to­ste­ron­spie­gels. Auch die Gona­do­tro­pi­ne, das sexu­al­hor­mon­bin­den­de Glo­bu­lin (SHBG), Pro­lak­tin sowie der PSA-Wert sind rele­vant. Kon­tra­in­di­ka­tio­nen wie ein Pro­statakar­zi­nom müs­sen bei der Dia­gnos­tik aus­ge­schlos­sen wer­den. „Tes­to­ste­ron­wer­te zwi­schen 8 und 12 nmol/l soll­ten genau­er kon­trol­liert wer­den“, sagt Prof. Kliesch. Bestim­mun­gen des Blut­bil­des und der Blut­fet­te schlie­ßen sich eben­so an wie die Mes­sung der Kno­chen­dich­te. Die genann­ten Para­me­ter müs­sen auch im Ver­lauf einer Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie kon­trol­liert wer­den. Wich­tig ist zudem, dass der Uro­lo­ge im Zuge der Hor­mon­the­ra­pie den Kon­takt zu ande­ren Dis­zi­pli­nen etwa dem Haus­arzt, dem Kar­dio­lo­gen und dem Dia­be­to­lo­gen sucht, um dem Pati­en­ten eine best­mög­li­che Behand­lung zukom­men zu las­sen. Die Redu­zie­rung gesund­heit­li­cher Risi­ken, die in einem unge­sun­den Lebens­stil begrün­det lie­gen und die Behand­lung von Beglei­ter­kran­kun­gen sind gege­be­nen­falls wich­ti­ger als die rei­ne Tes­to­ste­ron­er­satz­the­ra­pie.

Die Hor­mon­the­ra­pie ist kein All­heil­mit­tel. Aller­dings kann die Gabe von Tes­to­ste­ron­ge­len oder Depotsprit­zen die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den des Pati­en­ten deut­lich unter­stüt­zen“, erklärt Prof. Kliesch. „In dem Moment, in dem ich den Stoff­wech­sel­haus­halt auf hor­mo­nel­ler Sei­te wie­der in Ord­nung brin­ge, las­sen sich auch ande­re gesund­heits­kri­ti­sche Wer­te wie ein zu hoher Blut­zu­cker bes­ser behan­deln“, betont die Uro­lo­gin und ergänzt: „Stu­di­en haben gezeigt, dass ein Dia­be­ti­ker, der beglei­tend unter einem unbe­han­del­ten Hypo­go­na­dis­mus lei­det, frü­her stirbt, als ein Dia­be­ti­ker mit einem behan­del­ten Tes­to­ste­ron­man­gel.“ Ganz aktu­ell weist eine US-ame­ri­ka­ni­sche Stu­die zudem auf kar­dio­va­ku­lä­re Vor­tei­le einer Tes­to­ste­ron­er­satz­the­ra­pie hin. Anders als bis­her dis­ku­tiert, senkt dem­nach die Nor­ma­li­sie­rung der Tes­to­ste­ron­wer­te bei Män­nern ohne vor­her­ge­hen­de kar­dio­vasku­lä­re Ereig­nis­se das Risi­ko für Herz­in­fark­te und Schlag­an­fäl­le und ver­min­dert die Gesamt­sterb­lich­keit.

Vor Beginn der Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie ist es von gro­ßer Wich­tig­keit, den Pati­en­ten über den Nut­zen der Hor­mo­ne, aber auch über Neben­wir­kun­gen wie mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Pro­sta­ta oder die Frucht­bar­keit auf­zu­klä­ren. „Dia­gnos­tik und Behand­lung nach den Leit­li­ni­en der Euro­pean Asso­cia­ti­on of Uro­lo­gy (EAU) gewäh­ren auch für den älte­ren Mann einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit der Hor­mon­er­satz­the­ra­pie, die bei Pati­en­ten mit einem ent­spre­chen­den Beschwer­de­bild, bei nach­ge­wie­se­nem Hypo­go­na­dis­mus, nach Auf­klä­rung und Risi­ko­ab­klä­rung sowie mit beglei­ten­den Ver­laufs­kon­trol­len zum Tra­gen kom­men kann“, sagt Prof. Dr. Oli­ver Haken­berg, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V., die die jüngs­te Medi­en­kri­tik am Ein­satz der Tes­to­ste­ron­er­satz­the­ra­pie aus­drück­lich zurück­weist.

Quel­le DGU

Nächtliche Toilettengänge — ein Volksleiden

All­nächt­lich auf­zu­wa­chen, weil die Bla­se den Gang zur Toi­let­te for­dert, ist ein ver­brei­te­tes Lei­den — und ein gefähr­li­ches zugleich: Zum einen wer­den die Fol­gen der regel­mä­ßi­gen Unter­bre­chung des Nacht­schla­fes zum Was­ser­las­sen, fach­sprach­lich Nyktu­rie genannt, unter­schätzt. Zum ande­ren sind die nächt­li­chen Toi­let­ten­gän­ge häu­fig ein Alarm­si­gnal, das auf eine behand­lungs­be­dürf­ti­ge Erkran­kung hin­weist. „Fälsch­li­cher­wei­se wird Nyktu­rie in der Bevöl­ke­rung viel­fach als eine unver­meid­ba­re Alters­er­schei­nung, vor­ran­gig des Man­nes, abge­tan, obwohl es der Abklä­rung der indi­vi­du­el­len Ursa­chen bedarf“, sagt Prof. Dr. Kurt Mil­ler, Prä­si­dent der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU), die das Volks­lei­den auf dem 68. Uro­lo­gen­kon­gress the­ma­ti­siert.
Tat­säch­lich ist die Nyktu­rie die häu­figs­te Ursa­che von Schlaf­stö­run­gen, aus denen wie­der­um Risi­ken für Gesund­heit und Lebens­er­war­tung der Betrof­fe­nen resul­tie­ren. Anders als viel­fach ange­nom­men, sind Män­ner wie Frau­en glei­cher­ma­ßen betrof­fen. Zuver­läs­si­ge aktu­el­le Zah­len zur Häu­fig­keit gibt es nicht, nach älte­ren Stu­di­en lei­den aber mehr als 60 Pro­zent aller Men­schen von 70 und mehr Jah­ren an einer behand­lungs­be­dürf­ti­gen Nyktu­rie, die die Betrof­fe­nen zwei Mal oder öfter pro Nacht zum Was­ser­las­sen treibt. Fort­ge­schrit­te­nes Alter ist zwar ein wesent­li­cher Fak­tor für Nyktu­rie, bewahrt aber jün­ge­re Men­schen nicht davor. In der Alters­grup­pe der 20- bis 40-Jäh­ri­gen ist etwa jeder fünf­te bis sechs­te betrof­fen — hier öfter Frau­en als Män­ner.

Nyktu­rie ist kei­ne eigen­stän­di­ge chro­ni­sche Erkran­kung, son­dern Sym­ptom ande­rer kör­per­li­cher Stö­run­gen. Unter­schied­li­che Ursa­chen kom­men für den Drang zum nächt­li­chen Was­ser­las­sen in Betracht, die zunächst im Bereich der Urin­pro­duk­ti­on sowie im Sys­tem der Spei­che­rung und Ablei­tung des Harns zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Ste­phan Roth. Bei zahl­rei­chen Nyktu­rie-Pati­en­ten liegt eine nächt­li­che Poly­urie vor. Sie schei­den nachts mehr als den sonst übli­chen Anteil der 24-Stun­den-Urin­men­ge aus, der für jün­ge­re Men­schen bis 20 Pro­zent, jen­seits der 65 bis 33 Pro­zent lie­gen soll­te. Bei ande­ren Pati­en­ten wird eine redu­zier­te Kapa­zi­tät der Harn­bla­se fest­ge­stellt, die zur häu­fi­ge­ren Ent­lee­rung klei­ne­rer Men­gen nötigt. Beson­ders bei älte­ren Men­schen fal­len oft meh­re­re Fak­to­ren zusam­men, die für eine Nyktu­rie ursäch­lich sein kön­nen: Dazu gehö­ren die sin­ken­de Fähig­keit, Urin zu hal­ten, erhöh­te Rest­harn­vo­lu­mi­na, Ver­än­de­run­gen am Detru­sor­mus­kel, nied­ri­ge Kon­zen­tra­ti­on des Anti­di­ure­ti­schen Hor­mons (ADH), chro­ni­sche Infek­te der unte­ren Harn­we­ge, über­ak­ti­ve Bla­se und bei Män­nern auch eine ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta.

Bei einer Poly­urie“, so der Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie und Kin­de­ru­ro­lo­gie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Wup­per­tal wei­ter, „ist es not­wen­dig, die Ursa­chen der erhöh­ten nächt­li­chen Urin­pro­duk­ti­on abzu­klä­ren“. Infra­ge kom­men, laut Roth, eine Herz­in­suf­fi­zi­enz, für die ein Über­maß an aus­zu­schei­den­dem Gewe­be­was­ser ein Indiz wäre; auch ein Dia­be­tes, ein erhöh­ter sys­to­li­scher Blut­druck oder Stö­run­gen der Nie­ren­funk­ti­on kön­nen sich, eben­so wie Medi­ka­men­te, auf die Urin­pro­duk­ti­on aus­wir­ken.

Schnar­chen, das mehr als die Hälf­te aller Män­ner betrifft, und nächt­li­che Atem­aus­set­zer (Schlaf­apnoe) sind eng ver­bun­den mit der Nyktu­rie, die sogar als ein Leit­sym­ptom des obstruk­ti­ven Schlaf­apnoe-Syn­droms gilt. Wird die­se gefähr­li­che Schlaf­stö­rung effek­tiv behan­delt, so bes­sert sich auch der Drang zum nächt­li­chen Was­ser­las­sen. Als wei­te­rer Risi­ko­fak­tor für Nyktu­rie wird Über­ge­wicht betrach­tet. Die Fol­gen der Nyktu­rie kön­nen schwer­wie­gend sein: Schlaf­stö­run­gen füh­ren oft zu Tages­mü­dig­keit, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen, Ver­min­de­rung der geis­ti­gen Leis­tung und Kopf­schmer­zen. In man­chen Fäl­len kön­nen Depres­sio­nen die Fol­ge sein. Däni­sche For­scher ermit­tel­ten, dass Nyktu­rie die Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät um bis 24 Pro­zent sen­ken kann. Beson­ders älte­re Men­schen haben erhöh­te Risi­ken für Stür­ze und Kno­chen­brü­che. Für herz­kran­ke Pati­en­ten wird bei gleich­zei­ti­ger Nyktu­rie von einem erhöh­ten Mor­ta­li­täts­ri­si­ko aus­ge­gan­gen.

Ange­sichts des hohen Lei­dens­drucks, mög­li­cher Kom­pli­ka­tio­nen und der zum Teil schwer­wie­gen­den ursäch­li­chen Erkran­kun­gen wird die Not­wen­dig­keit zur gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Abklä­rung einer Nyktu­rie deut­lich“, resü­miert DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Kurt Mil­ler und lädt die Medi­en­ver­tre­ter ein, sich auf dem 68. DGU-Kon­gress in Leip­zig über das unter­schätz­te Volks­lei­den zu infor­mie­ren.

Quel­le: DGU

Prostatakarzinom: Sport verbessert Überlebenschancen

Sport kann nach der Dia­gno­se von Pro­sta­ta­krebs das Risi­ko hal­bie­ren, dar­an auch zu ster­ben. Ande­re kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten schei­nen hin­ge­gen weni­ger zu nüt­zen, wie das Team um Dr. Chris­ti­ne Frie­den­reich vom Krebs­for­schungs­zen­trum in Calgary/Kanada in einer Kohor­ten­stu­die fest­ge­stellt hat.   In die Stu­die waren 830 Män­nern ein­be­zo­gen, bei denen zwi­schen 1997 und 2000 ein Pro­statakar­zi­nom (PCa) im Sta­di­um II bis IV dia­gnos­ti­ziert wor­den war. Ihr Durch­schnitts­al­ter lag zu der Zeit bei 68 Jah­ren. 2014 wur­den davon 372 Män­ner nach­un­ter­sucht, 458 waren inzwi­schen gestor­ben, 170 davon am PCa. Alle waren zum Stu­di­en­be­ginn zu ihren kör­per­li­chen Akti­vi­tä­ten befragt wor­den, die Über­le­ben­den in Fol­low-ups über die Zeit bis zu drei Mal. Die­ser Akti­vi­tät ent­spre­chend waren sie in vier gleich gro­ße Grup­pen ein­ge­teilt wor­den.

Die Aktivs­ten brach­ten es auf mehr als 119 meta­bo­li­sche Ein­hei­ten (MET) pro Woche, das Quar­til mit der wenigs­ten kör­per­li­chen Bewe­gung auf weni­ger als 42 MET pro Woche. Zur Ori­en­tie­rung: Jog­gen schlägt mit 12 MET pro Stun­de zu Buche, gemüt­li­ches Rad­fah­ren mit 6 und Haus­halts­ar­beit mit 2 bis3 MET pro Stun­de.

Die For­scher stell­ten fest, dass aus der Grup­pe mit der gerings­ten Kör­per­ak­ti­vi­tät bis zum Ende der Stu­die bereits drei Vier­tel (158) nicht mehr leb­ten, wäh­rend es im aktivs­ten Quar­til mit nur rund ein Drit­tel (75) im Ver­gleich weni­ger als die Hälf­te war. Wur­den Alter, Tumor­sta­di­um und Zeit bis zur ers­ten Pro­gres­si­on berück­sich­tigt, so war die Gesamt­ster­be­ra­te in der aktivs­ten Grup­pe um 42 Pro­zent gerin­ger als bei den kör­per­lich Inak­tivs­ten.

In Bezug auf die tumor­spe­zi­fi­sche Sterb­lich­keit kon­sta­tier­ten die For­scher für die Grup­pe mit der größ­ten Gesamt­ak­ti­vi­tät eine um 35 Pro­zent redu­zier­te Rate, in der Grup­pe mit der höchs­ten beruf­lich beding­ten Bewe­gung um 34 Pro­zent. Hier war das Ergeb­nis für die sport­lichs­te Grup­pe am deut­lichs­ten: In ihr war das Risi­ko an PCa zu ster­ben rech­ne­risch um 56 Pro­zent ver­rin­gert. Ob dies auch gilt, wenn erst nach der Krebs­dia­gno­se mit dem Sport begon­nen wird, konn­te die Stu­die nicht beant­wor­ten.

Schon in frü­he­ren Stu­di­en waren bei sport­lich akti­ven Män­nern nach der Krebs­dia­gno­se gerin­ge­re Pro­gres­si­ons­ra­ten und tumor­spe­zi­fi­sche Ster­be­ra­ten fest­ge­stellt wor­den — je nach Stu­die um ein bis zwei Drit­tel redu­ziert. Sport zu trei­ben lohnt sich in jedem Fall.

Quel­le: DGU

Das 1x1 der männlichen Fruchtbarkeit

Wenn es mit dem Kin­der­wunsch nicht klappt, ist die Ursa­che der Unfrucht­bar­keit eines Paa­res immer häu­fi­ger beim Mann zu fin­den: Eine gerin­ge Anzahl von Sper­mi­en und die weni­gen auch noch öfter von unter­durch­schnitt­li­cher Beweg­lich­keit und Qua­li­tät wer­den zuneh­mend für männ­li­che Infer­ti­li­tät ver­ant­wort­lich gemacht. Eine ein­zi­ge Ursa­che für die­se Ent­wick­lung gibt es nicht, jedoch ein gan­zes Ursa­chen-Aller­lei. Seit eini­gen Jah­ren wird mit Stu­di­en ver­sucht, Ursa­chen und Aus­lö­ser zu erken­nen. So fan­den däni­sche For­scher jetzt her­aus, dass Über­ge­wicht zu einer Ver­än­de­rung des Erb­gu­tes führt.

In ihrer Stu­die wie­sen sie ver­än­der­te gene­ti­sche Codes in Sper­mi­en von Über­ge­wich­ti­gen (BMI über 30) nach, die den Appe­tit steu­ern. Aber hat­te das Über­ge­wicht die DNA ver­än­dert, oder eine ver­än­der­te DNA das Über­ge­wicht aus­ge­löst? Dies wur­de an sechs adi­pö­sen Män­nern geklärt, die eine extre­me Gewichts­re­duk­ti­on durch einen Magen­bypass erreich­ten. Vor und nach der OP wur­de die DNA ihrer Sper­mi­en unter­sucht — und mehr als 5000 epi­ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen fest­ge­stellt. Fazit: Über­ge­wicht ver­än­dert das Erb­gut. Der­zeit wer­den in Koope­ra­ti­on mit einer Fer­ti­li­täts­kli­nik auch die Embryo­nen von Vätern unter­schied­li­chen Kör­per­ge­wichts epi­ge­ne­tisch unter­sucht.

Bereits frü­he­re Stu­di­en hat­ten nega­ti­ve Ein­flüs­se von Über­ge­wicht auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät auf­ge­zeigt: 2012 hat­ten For­scher in den Nie­der­lan­den fest­ge­stellt, dass Män­ner mit einem Hüft­um­fang von mehr als 102 Zen­ti­me­tern eine deut­li­che schlech­te­re Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on und gerin­ge­re Gesamt­zahl beweg­li­cher Sper­mi­en hat­ten. Abneh­men schafft Abhil­fe.
Öster­rei­chi­sche Stu­di­en­au­to­ren schrie­ben 2012, die Kom­bi­na­ti­on von Alter, Gewicht, sexu­el­ler Akti­vi­tät und der Men­ge des Kaf­fee­kon­sums hät­te wesent­li­chen Ein­fluss auf Moti­li­tät und Mor­pho­lo­gie der Sper­mi­en. Ent­spre­chend kön­ne der Mann bis zu einem gewis­sen Grad selbst die Qua­li­tät sei­ner Samen steu­ern.

US-For­scher erkann­ten nach einer 2014 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die, dass Stress eben­falls nega­tiv auf Quan­ti­tät und Qua­li­tät von Sper­mi­en wirkt — aller­dings kaum beruf­li­che, son­dern über­wie­gend pri­va­te Belas­tun­gen. Män­ner, die wäh­rend der Stu­die arbeits­los waren, hat­ten eine beson­ders schlech­te Sper­mi­en­qua­li­tät.

Zwi­schen schlech­tem Schlaf und Sper­mi­en­qua­li­tät wur­de 2012 in Däne­mark ein Zusam­men­hang nach­ge­wie­sen. Bei Män­nern mit Schlaf­stö­run­gen wur­de im Eja­ku­lat ein Rück­gang der Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on von gut 30 Pro­zent gegen­über Nor­mal­schlä­fern fest­ge­stellt. Eine ver­min­der­te Sper­mi­en­qua­li­tät ver­bes­ser­te sich bei regel­mä­ßi­gem Schlaf von sie­ben Stun­den erheb­lich.
In Argen­ti­ni­en wur­de dar­über geforscht, wie sich WLAN-Strah­lung — also das Han­dy in der Hosen­ta­sche oder das Note­book auf dem Schoß — auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät aus­wirkt. Sper­mi­en­pro­ben gesun­der 25-Jäh­ri­ger wur­den der Strah­lung aus­ge­setzt. 25 Pro­zent der Sper­mi­en waren danach bewe­gungs­los, neun Pro­zent wie­sen Schä­den am Erb­gut auf. Unbe­strahlt waren es nur je 14 und drei Pro­zent. In der Ukrai­ne wur­den 100 Stu­di­en zu den Gefah­ren der Mobil­funk­strah­lung ana­ly­siert: 93 kamen zu dem Ergeb­nis, dass WLAN- und Han­dy­strah­lung Zell­schä­den ver­ur­sa­chen kön­nen.

Pkw-Sitz­hei­zun­gen eilt der Ruf vor­aus, nega­ti­ve Effek­te auf die Sper­mi­en­qua­li­tät zu haben. Befra­gun­gen und Sper­mio­gram­men erga­ben in Öster­reich, dass 62 Pro­zent der häu­fi­gen Sitz­hei­zungs­nut­zer einen unauf­fäl­li­gen Sper­mi­en­zu­stand haben, bei sel­te­nen Nut­zern waren es 53 Pro­zent und bei Nicht­nut­zern nur 46 Pro­zent. Für den Umkehr­schluss posi­ti­ver Sitz­hei­zungs­ef­fek­te bedarf es jedoch wei­te­rer For­schung.
Nach­ge­wie­sen ist der nega­ti­ve Ein­fluss von Dro­gen, Ana­bo­li­ka, über­mä­ßi­gem Alko­hol­kon­sum und der des Rau­chens auf die Sper­mi­en­qua­li­tät: Niko­tin­kon­sum etwa redu­ziert das Befruch­tungs­po­ten­zi­al der Sper­mi­en um die Hälf­te.
Ein gesun­der Lebens­stil mit Nor­mal­ge­wicht, aus­ge­wo­ge­ner Ernäh­rung und regel­mä­ßi­gem, aber nicht über­trie­be­nem Sport, der die Hor­mon­pro­duk­ti­on ankur­belt, dage­gen hält die Sper­mi­en fit.

Quel­le: DGU

Die überaktive Blase

Für das Krank­heits­bild der über­ak­ti­ven Bla­se wer­den zahl­rei­che Begrif­fe ver­wen­det. Häu­fig ist von einer Over­ac­tive Blad­der (OAB) oder im deut­schen ver­ständ­li­cher, der Reiz­bla­se, die Rede.Nach Defi­ni­ti­on der Inter­na­tio­na­len Kon­ti­nenz­ge­sell­schaft (ICS) han­delt es sich um einen gehäuf­ten Harn­drang (> 10maliges Was­ser­las­sen in 24h) in Kom­bi­na­ti­on mit einem soge­nann­ten impe­ra­ti­ven Harn­drang. Hier­un­ter ver­steht man, dass nach Ein­tre­ten des Harn­dran­ges unmit­tel­bar die Toi­let­te auf­ge­sucht wer­den muss, da die Bla­sen­ent­lee­rung sonst unkon­trol­liert erfolgt. Laut Defi­ni­ti­on liegt dem Beschwer­de­bild kei­ne vom Arzt fass­ba­re Ursa­che (idio­pa­thisch) zugrun­de. Mög­li­che fass­ba­re Ursa­chen für eine der­ar­ti­ge Sym­pto­ma­tik wären z.B. Bla­sen­stei­ne, eine Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung oder mög­li­cher­wei­se auch Bla­sen­krebs. Daher sind die unten genann­ten Unter­su­chun­gen not­wen­dig, um das Beschwer­de­bild ent­spre­chend abgren­zen zu kön­nen und die Dia­gno­se zu sichern.

Urin­ver­lus­te kön­nen im Rah­men des Beschwer­de­bil­des auf­tre­ten (Dran­gin­kon­ti­nenz). Die Erkran­kung kann jedoch auch ohne Urin­ver­lust bestehen und sich ledig­lich in einem stö­rend häu­fi­gen Harn­drang äußern.

Von einer über­ak­ti­ve Bla­se sind ca. 16% aller erwach­se­nen Men­schen betrof­fen. Der Anteil der betrof­fe­nen weib­li­chen Bevöl­ke­rung wird dabei mit 8–42% und der männ­li­chen Bevöl­ke­rung mit 10–26% ange­ge­ben. Frau­en sind im All­ge­mei­nen 20 Jah­re frü­her betrof­fen als Män­ner. Die Häu­fig­keit des Beschwer­de­bil­des steigt dabei mit zuneh­men­den Alter.

Gesi­cher­te unab­hän­gi­ge Risi­ko­fak­to­ren für die Ent­ste­hung einer Reiz­bla­se sind somit Alter und Über­ge­wicht.

Erkran­kun­gen die häu­fig beglei­tend auf­tre­ten sind Depres­sio­nen, Ver­stop­fung und Erek­ti­ons­stö­run­gen.

Diagnostik

Da es sich bei der über­ak­ti­ven Bla­se letzt­lich um eine Aus­schluss­dia­gno­se han­delt, wer­den vor Ein­lei­tung einer The­ra­pie vom Uro­lo­gen in der Regel ver­schie­de­ne Unter­su­chun­gen vor­ge­nom­men.

Wich­tigs­ter Punkt hier­bei ist das ein­ge­hen­de Ana­mne­se­ge­spräch um das Beschwer­de­bild genau zu erfas­sen. An wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen schlie­ßen sich oft eine Urin­dia­gnos­tik zum Aus­schluss zum Bei­spiel eines Harn­wegs­in­fek­tes und eine Ultra­schall­un­ter­su­chung der Harn­we­ge (Bla­se, Nie­ren, Rest­harn­mes­sung) an. Bei Män­nern ist zudem eine Tast­un­ter­su­chung bzw. Ultra­schall­un­ter­su­chung der Pro­sta­ta zu emp­feh­len.

Um ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen der Bla­sen­schleim­haut oder evtl. bestehen­de Bla­sen­tu­mo­ren sicher zu erken­nen, ist zudem oft eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) not­wen­dig.

Optio­nal kann zusätz­lich eine sog. Uro­dy­na­mik (sie­he Kapi­tel Harn­in­kon­ti­nenz) wei­te­ren Auf­schluss über die Bla­sen­ka­pa­zi­tät, Bla­sen­drü­cke und das Zusam­men­spiel zwi­schen Bla­sen- und Schließ­mus­kel geben.

Oft ist es hilf­reich, wenn betrof­fe­ne Pati­en­ten ein sog. Mikti­ons­ta­ge­buch füh­ren. Hier­bei wer­den sämt­li­che Toi­let­ten­be­su­che (Was­ser­las­sen) über min­des­tens 48h sowohl tags, als auch nachts mit Anga­be des Urin­vo­lu­mens pro­to­kol­liert.

Hier­aus ist objek­ti­ver ersicht­lich wie vie­le Toi­let­ten­be­su­che tat­säch­lich erfolg­ten und wie aus­ge­prägt das Beschwer­de­bild ist. Im Ver­lauf der Behand­lung las­sen sich hier­durch auch The­ra­pie­er­fol­ge objek­ti­vie­ren.

Therapie

Soll­ten ursäch­li­che Erkran­kun­gen (z.B. Ner­ven­er­kran­kun­gen, Bla­sen­stein, Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, Bla­sen­tu­mor) aus­ge­schlos­sen sein, bestehen viel­fäl­ti­ge Behand­lungs­mög­lich­kei­ten einer über­ak­ti­ven Bla­se.

Je nach Ent­ste­hung der Sym­pto­ma­tik, vor­he­ri­ger The­ra­pie und Prä­fe­renz des Pati­en­ten kön­nen ein Ver­hal­tens­trai­ning, eine psy­cho­so­ma­ti­sche Behand­lung, eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie (Tablet­ten, Anwen­dung von Botu­li­n­um­to­xin A), eine Elek­tro­sti­mu­la­ti­ons­be­hand­lung oder eine sakra­le Neu­ro­mo­du­la­ti­on zum Ein­satz kom­men.

Verhaltenstraining und psychosomatische Behandlung

In Stu­di­en konn­te gezeigt wer­den, dass sich das Beschwer­de­bild einer über­ak­ti­ven Bla­se durch ein Ver­hal­tens­trai­ning deut­lich ver­bes­sert kann. Ziel hier­bei ist v.a. den Toi­let­ten­gang her­aus zu zögern und ein­ge­wöhn­te Mecha­nis­men zu durch­bre­chen. Hier bedarf es zur effek­ti­ven The­ra­pie aber einer pro­fes­sio­nel­len Anlei­tung. Der Uro­lo­ge vor Ort kann ggf. fach­kun­di­ge Hil­fe ver­mit­teln.

In Ein­zel­fäl­len kön­nen auch Soma­ti­sie­rungstö­run­gen Ursa­che einer über­ak­ti­ven Bla­se sein. In die­sem Fall ist eine fach­kun­di­ge psy­cho­so­ma­ti­sche Mit­be­ur­tei­lung hilf­reich.

Elektrostimulation und Biofeedback-Training

Die­se Ver­fah­ren sind nicht schmerz­haft und vom Pati­en­ten im hei­mi­schen Umfeld sel­ber anwend­bar. Über Elek­tro­den im Damm- und Vagi­nal­be­reich kön­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur trai­nie­ren und eine ver­bes­ser­te Kon­trol­le über die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur erhal­ten.

Eine Ein­wei­sung in die Anwen­dung des Gerä­tes und eine The­ra­pie­über­wa­chung soll­te pro­fes­sio­nell erfol­gen. Ent­spre­chen­de The­ra­peu­ten kön­nen vom Uro­lo­gen vor Ort ver­mit­telt wer­den.

Als noch effek­ti­ver hat sich die­se The­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit einer phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Becken­bo­den­gym­nas­tik erwie­sen.

Ins­ge­samt ist die­se Behand­lungs­op­ti­on neben­wir­kungs­arm, stellt jedoch für Pati­en­ten einen erheb­li­chen Zeit­auf­wand dar, da das Trai­ning oft­mals täg­lich (im häus­li­chen Umfeld) und über meh­re­re Mona­te erfol­gen muss, um einen The­ra­pie­er­folg zu bemer­ken.

Medikamentöse Therapie

Die am häu­figs­ten gewähl­te The­ra­pie­op­ti­on ist eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie in Tablet­ten­form. Das Wirk­prin­zip die­ser sog. Anti­cho­liner­gi­ka ist dabei ähn­lich. Es wer­den Rezep­to­ren im Bereich des Bla­sen­mus­kels blo­ckiert. Dies führt dazu, dass sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr so kräf­tig zusam­men­zie­hen kann. Zusätz­lich gibt es Hin­wei­se, dass durch die Medi­ka­men­te die Rei­ze aus der Harn­bla­se, wel­che den Harn­drang ver­ur­sa­chen, eben­falls blo­ckiert oder gehemmt wer­den.

Die Kom­bi­na­ti­on senkt die Häu­fig­keit der Toi­let­ten­be­su­che und unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te durch die Drang­sym­pto­ma­tik.

Der The­ra­pie­er­folg setzt meist erst nach eini­gen Tagen oder Wochen der The­ra­pie ein. Soll­te ein Prä­pa­rat nicht den gewünsch­ten Erfolg zei­gen, kann ein ande­rer Wirk­stoff pro­biert wer­den. Der Uro­lo­ge vor Ort berät betrof­fe­ne Pati­en­ten, wel­ches Prä­pa­rat im Rah­men von etwai­gen Beglei­ter­kran­kun­gen zu emp­feh­len ist.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen die­ser Wirk­stoff­grup­pe kön­nen Mund­tro­cken­heit oder Ver­stop­fung sein. Ins­ge­samt ist die Ver­träg­lich­keit jedoch zumeist gut und die Wir­kung der Wirk­stoff­grup­pe durch zahl­rei­che Stu­di­en belegt.

Botulinumtoxin A

Die Ver­wen­dung von Botu­li­n­um­to­xin A im Rah­men der The­ra­pie einer über­ak­ti­ven Bla­se erfolgt, wenn die bereits ange­führ­ten The­ra­pie­op­tio­nen kei­nen Erfolg hat­ten, oder für den Pati­en­ten unver­träg­lich waren.

Die Anwen­dung erfolgt im Rah­men einer Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) ambu­lant oder sta­tio­när mit einer loka­len Betäu­bung der Harn­bla­se. Im Rah­men der Spie­ge­lung wird mit einer fei­nen Nadel an ver­schie­de­nen Stel­len der Harn­bla­se Botu­li­n­um­to­xin A inji­ziert. Der Ein­griff dau­ert meist zwi­schen 10 und 20 Minu­ten und ist nicht oder nur wenig schmerz­haft.

Bei Botu­li­n­um­to­xin A han­delt es sich um ein Ner­ven­gift, wel­ches die Signal­über­tra­gung in der Bla­sen­mus­ku­la­tur hemmt. Hier­durch kann sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr, oder weni­ger stark zusam­men­zie­hen und die Häu­fig­keit der Bla­sen­ent­lee­run­gen sinkt.

Bis zum vol­len Wirk­ein­tritt ver­ge­hen ca. 2 Wochen. Die Wir­kung hält zwi­schen 6 und 12 Mona­ten an. Hier­nach ist eine erneu­te Durch­füh­rung der Injek­ti­on not­wen­dig.

Die Vor­tei­le der The­ra­pie sind deut­lich weni­ger Neben­wir­kun­gen im Sin­ne einer Mund­tro­cken­heit und in Stu­di­en eine etwas höhe­re Tro­cken­heits­ra­te bei gleich­zei­tig bestehen­der Dran­gin­kon­ti­nenz.

Als nach­tei­lig erwies sich eine höhe­re Anzahl von Harn­wegs­in­fek­ten im Ver­gleich zu den Anti­cho­liner­gi­ka und das Risi­ko eines Harn­ver­hal­tes. Hier­zu kann es bei einem über­schie­ßen­den Anspre­chen der Botu­li­n­um­to­xin­wir­kung kom­men. Der Bla­sen­mus­kel ist nicht mehr in der Lage sich selbst­stän­dig zusam­men­zu­zie­hen und der Pati­ent kann nicht mehr kon­trol­liert Was­ser las­sen. Die­ser Zustand wird vom Uro­lo­gen dann als Harn­ver­halt bezeich­net.

Die Dau­er die­ser uner­wünsch­ten Wir­kung ist durch die zeit­lich begrenz­te Wir­kung von Botu­li­n­um­to­xin A auf 6–12 Mona­te limi­tiert. In die­ser Zeit kann es not­wen­dig sein, dass sich die betrof­fe­nen Pati­en­ten täg­lich mehr­fach sel­ber kathe­te­ri­sie­ren.

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