Das 1x1 der männlichen Fruchtbarkeit

Wenn es mit dem Kin­der­wunsch nicht klappt, ist die Ursa­che der Unfrucht­bar­keit eines Paa­res immer häu­fi­ger beim Mann zu fin­den: Eine gerin­ge Anzahl von Sper­mi­en und die weni­gen auch noch öfter von unter­durch­schnitt­li­cher Beweg­lich­keit und Qua­li­tät wer­den zuneh­mend für männ­li­che Infer­ti­li­tät ver­ant­wort­lich gemacht. Eine ein­zi­ge Ursa­che für die­se Ent­wick­lung gibt es nicht, jedoch ein gan­zes Ursa­chen-Aller­lei. Seit eini­gen Jah­ren wird mit Stu­di­en ver­sucht, Ursa­chen und Aus­lö­ser zu erken­nen. So fan­den däni­sche For­scher jetzt her­aus, dass Über­ge­wicht zu einer Ver­än­de­rung des Erb­gu­tes führt.

In ihrer Stu­die wie­sen sie ver­än­der­te gene­ti­sche Codes in Sper­mi­en von Über­ge­wich­ti­gen (BMI über 30) nach, die den Appe­tit steu­ern. Aber hat­te das Über­ge­wicht die DNA ver­än­dert, oder eine ver­än­der­te DNA das Über­ge­wicht aus­ge­löst? Dies wur­de an sechs adi­pö­sen Män­nern geklärt, die eine extre­me Gewichts­re­duk­ti­on durch einen Magen­by­pass erreich­ten. Vor und nach der OP wur­de die DNA ihrer Sper­mi­en unter­sucht — und mehr als 5000 epi­ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen fest­ge­stellt. Fazit: Über­ge­wicht ver­än­dert das Erb­gut. Der­zeit wer­den in Koope­ra­ti­on mit einer Fer­ti­li­täts­kli­nik auch die Embryo­nen von Vätern unter­schied­li­chen Kör­per­ge­wichts epi­ge­ne­tisch untersucht.

Bereits frü­he­re Stu­di­en hat­ten nega­ti­ve Ein­flüs­se von Über­ge­wicht auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät auf­ge­zeigt: 2012 hat­ten For­scher in den Nie­der­lan­den fest­ge­stellt, dass Män­ner mit einem Hüft­um­fang von mehr als 102 Zen­ti­me­tern eine deut­li­che schlech­te­re Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on und gerin­ge­re Gesamt­zahl beweg­li­cher Sper­mi­en hat­ten. Abneh­men schafft Abhilfe.
Öster­rei­chi­sche Stu­di­en­au­toren schrie­ben 2012, die Kom­bi­na­ti­on von Alter, Gewicht, sexu­el­ler Akti­vi­tät und der Men­ge des Kaf­fee­kon­sums hät­te wesent­li­chen Ein­fluss auf Moti­li­tät und Mor­pho­lo­gie der Sper­mi­en. Ent­spre­chend kön­ne der Mann bis zu einem gewis­sen Grad selbst die Qua­li­tät sei­ner Samen steuern.

US-For­scher erkann­ten nach einer 2014 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die, dass Stress eben­falls nega­tiv auf Quan­ti­tät und Qua­li­tät von Sper­mi­en wirkt — aller­dings kaum beruf­li­che, son­dern über­wie­gend pri­va­te Belas­tun­gen. Män­ner, die wäh­rend der Stu­die arbeits­los waren, hat­ten eine beson­ders schlech­te Spermienqualität.

Zwi­schen schlech­tem Schlaf und Sper­mi­en­qua­li­tät wur­de 2012 in Däne­mark ein Zusam­men­hang nach­ge­wie­sen. Bei Män­nern mit Schlaf­stö­run­gen wur­de im Eja­ku­lat ein Rück­gang der Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on von gut 30 Pro­zent gegen­über Nor­mal­schlä­fern fest­ge­stellt. Eine ver­min­der­te Sper­mi­en­qua­li­tät ver­bes­ser­te sich bei regel­mä­ßi­gem Schlaf von sie­ben Stun­den erheblich.
In Argen­ti­ni­en wur­de dar­über geforscht, wie sich WLAN-Strah­lung — also das Han­dy in der Hosen­ta­sche oder das Note­book auf dem Schoß — auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät aus­wirkt. Sper­mi­en­pro­ben gesun­der 25-Jäh­ri­ger wur­den der Strah­lung aus­ge­setzt. 25 Pro­zent der Sper­mi­en waren danach bewe­gungs­los, neun Pro­zent wie­sen Schä­den am Erb­gut auf. Unbe­strahlt waren es nur je 14 und drei Pro­zent. In der Ukrai­ne wur­den 100 Stu­di­en zu den Gefah­ren der Mobil­funk­strah­lung ana­ly­siert: 93 kamen zu dem Ergeb­nis, dass WLAN- und Han­dy­strah­lung Zell­schä­den ver­ur­sa­chen können.

Pkw-Sitz­hei­zun­gen eilt der Ruf vor­aus, nega­ti­ve Effek­te auf die Sper­mi­en­qua­li­tät zu haben. Befra­gun­gen und Sper­mio­gram­men erga­ben in Öster­reich, dass 62 Pro­zent der häu­fi­gen Sitz­hei­zungs­nut­zer einen unauf­fäl­li­gen Sper­mi­en­zu­stand haben, bei sel­te­nen Nut­zern waren es 53 Pro­zent und bei Nicht­nut­zern nur 46 Pro­zent. Für den Umkehr­schluss posi­ti­ver Sitz­hei­zungs­ef­fek­te bedarf es jedoch wei­te­rer Forschung.
Nach­ge­wie­sen ist der nega­ti­ve Ein­fluss von Dro­gen, Ana­bo­li­ka, über­mä­ßi­gem Alko­hol­kon­sum und der des Rau­chens auf die Sper­mi­en­qua­li­tät: Niko­tin­kon­sum etwa redu­ziert das Befruch­tungs­po­ten­zi­al der Sper­mi­en um die Hälfte.
Ein gesun­der Lebens­stil mit Nor­mal­ge­wicht, aus­ge­wo­ge­ner Ernäh­rung und regel­mä­ßi­gem, aber nicht über­trie­be­nem Sport, der die Hor­mon­pro­duk­ti­on ankur­belt, dage­gen hält die Sper­mi­en fit.

Quel­le: DGU

Die überaktive Blase

Für das Krank­heits­bild der über­ak­ti­ven Bla­se wer­den zahl­rei­che Begrif­fe ver­wen­det. Häu­fig ist von einer Over­ac­ti­ve Blad­der (OAB) oder im deut­schen ver­ständ­li­cher, der Reiz­bla­se, die Rede.Nach Defi­ni­ti­on der Inter­na­tio­na­len Kon­ti­nenz­ge­sell­schaft (ICS) han­delt es sich um einen gehäuf­ten Harn­drang (> 10maliges Was­ser­las­sen in 24h) in Kom­bi­na­ti­on mit einem soge­nann­ten impe­ra­ti­ven Harn­drang. Hier­un­ter ver­steht man, dass nach Ein­tre­ten des Harn­dran­ges unmit­tel­bar die Toi­let­te auf­ge­sucht wer­den muss, da die Bla­sen­ent­lee­rung sonst unkon­trol­liert erfolgt. Laut Defi­ni­ti­on liegt dem Beschwer­de­bild kei­ne vom Arzt fass­ba­re Ursa­che (idio­pa­thisch) zugrun­de. Mög­li­che fass­ba­re Ursa­chen für eine der­ar­ti­ge Sym­pto­ma­tik wären z.B. Bla­sen­stei­ne, eine Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung oder mög­li­cher­wei­se auch Bla­sen­krebs. Daher sind die unten genann­ten Unter­su­chun­gen not­wen­dig, um das Beschwer­de­bild ent­spre­chend abgren­zen zu kön­nen und die Dia­gno­se zu sichern.

Urin­ver­lus­te kön­nen im Rah­men des Beschwer­de­bil­des auf­tre­ten (Dran­gin­kon­ti­nenz). Die Erkran­kung kann jedoch auch ohne Urin­ver­lust bestehen und sich ledig­lich in einem stö­rend häu­fi­gen Harn­drang äußern.

Von einer über­ak­ti­ve Bla­se sind ca. 16% aller erwach­se­nen Men­schen betrof­fen. Der Anteil der betrof­fe­nen weib­li­chen Bevöl­ke­rung wird dabei mit 8–42% und der männ­li­chen Bevöl­ke­rung mit 10–26% ange­ge­ben. Frau­en sind im All­ge­mei­nen 20 Jah­re frü­her betrof­fen als Män­ner. Die Häu­fig­keit des Beschwer­de­bil­des steigt dabei mit zuneh­men­den Alter.

Gesi­cher­te unab­hän­gi­ge Risi­ko­fak­to­ren für die Ent­ste­hung einer Reiz­bla­se sind somit Alter und Übergewicht.

Erkran­kun­gen die häu­fig beglei­tend auf­tre­ten sind Depres­sio­nen, Ver­stop­fung und Erektionsstörungen.

Diagnostik

Da es sich bei der über­ak­ti­ven Bla­se letzt­lich um eine Aus­schluss­dia­gno­se han­delt, wer­den vor Ein­lei­tung einer The­ra­pie vom Uro­lo­gen in der Regel ver­schie­de­ne Unter­su­chun­gen vorgenommen.

Wich­tigs­ter Punkt hier­bei ist das ein­ge­hen­de Ana­mne­se­ge­spräch um das Beschwer­de­bild genau zu erfas­sen. An wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen schlie­ßen sich oft eine Urin­dia­gnos­tik zum Aus­schluss zum Bei­spiel eines Harn­wegs­in­fek­tes und eine Ultra­schall­un­ter­su­chung der Harn­we­ge (Bla­se, Nie­ren, Rest­harn­mes­sung) an. Bei Män­nern ist zudem eine Tast­un­ter­su­chung bzw. Ultra­schall­un­ter­su­chung der Pro­sta­ta zu empfehlen.

Um ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen der Bla­sen­schleim­haut oder evtl. bestehen­de Bla­sen­tu­mo­ren sicher zu erken­nen, ist zudem oft eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) notwendig.

Optio­nal kann zusätz­lich eine sog. Uro­dy­na­mik (sie­he Kapi­tel Harn­in­kon­ti­nenz) wei­te­ren Auf­schluss über die Bla­sen­ka­pa­zi­tät, Bla­sen­drü­cke und das Zusam­men­spiel zwi­schen Bla­sen- und Schließ­mus­kel geben.

Oft ist es hilf­reich, wenn betrof­fe­ne Pati­en­ten ein sog. Mikti­ons­ta­ge­buch füh­ren. Hier­bei wer­den sämt­li­che Toi­let­ten­be­su­che (Was­ser­las­sen) über min­des­tens 48h sowohl tags, als auch nachts mit Anga­be des Urin­vo­lu­mens protokolliert.

Hier­aus ist objek­ti­ver ersicht­lich wie vie­le Toi­let­ten­be­su­che tat­säch­lich erfolg­ten und wie aus­ge­prägt das Beschwer­de­bild ist. Im Ver­lauf der Behand­lung las­sen sich hier­durch auch The­ra­pie­er­fol­ge objektivieren.

Therapie

Soll­ten ursäch­li­che Erkran­kun­gen (z.B. Ner­ven­er­kran­kun­gen, Bla­sen­stein, Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, Bla­sen­tu­mor) aus­ge­schlos­sen sein, bestehen viel­fäl­ti­ge Behand­lungs­mög­lich­kei­ten einer über­ak­ti­ven Blase.

Je nach Ent­ste­hung der Sym­pto­ma­tik, vor­he­ri­ger The­ra­pie und Prä­fe­renz des Pati­en­ten kön­nen ein Ver­hal­tens­trai­ning, eine psy­cho­so­ma­ti­sche Behand­lung, eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie (Tablet­ten, Anwen­dung von Botu­li­num­to­xin A), eine Elek­tro­sti­mu­la­ti­ons­be­hand­lung oder eine sakra­le Neu­ro­mo­du­la­ti­on zum Ein­satz kommen.

Verhaltenstraining und psychosomatische Behandlung

In Stu­di­en konn­te gezeigt wer­den, dass sich das Beschwer­de­bild einer über­ak­ti­ven Bla­se durch ein Ver­hal­tens­trai­ning deut­lich ver­bes­sert kann. Ziel hier­bei ist v.a. den Toi­let­ten­gang her­aus zu zögern und ein­ge­wöhn­te Mecha­nis­men zu durch­bre­chen. Hier bedarf es zur effek­ti­ven The­ra­pie aber einer pro­fes­sio­nel­len Anlei­tung. Der Uro­lo­ge vor Ort kann ggf. fach­kun­di­ge Hil­fe vermitteln.

In Ein­zel­fäl­len kön­nen auch Soma­ti­sie­rungstö­run­gen Ursa­che einer über­ak­ti­ven Bla­se sein. In die­sem Fall ist eine fach­kun­di­ge psy­cho­so­ma­ti­sche Mit­be­ur­tei­lung hilfreich.

Elektrostimulation und Biofeedback-Training

Die­se Ver­fah­ren sind nicht schmerz­haft und vom Pati­en­ten im hei­mi­schen Umfeld sel­ber anwend­bar. Über Elek­tro­den im Damm- und Vagi­nal­be­reich kön­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur trai­nie­ren und eine ver­bes­ser­te Kon­trol­le über die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur erhalten.

Eine Ein­wei­sung in die Anwen­dung des Gerä­tes und eine The­ra­pie­über­wa­chung soll­te pro­fes­sio­nell erfol­gen. Ent­spre­chen­de The­ra­peu­ten kön­nen vom Uro­lo­gen vor Ort ver­mit­telt werden.

Als noch effek­ti­ver hat sich die­se The­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit einer phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Becken­bo­den­gym­nas­tik erwiesen.

Ins­ge­samt ist die­se Behand­lungs­op­ti­on neben­wir­kungs­arm, stellt jedoch für Pati­en­ten einen erheb­li­chen Zeit­auf­wand dar, da das Trai­ning oft­mals täg­lich (im häus­li­chen Umfeld) und über meh­re­re Mona­te erfol­gen muss, um einen The­ra­pie­er­folg zu bemerken.

Medikamentöse Therapie

Die am häu­figs­ten gewähl­te The­ra­pie­op­ti­on ist eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie in Tablet­ten­form. Das Wirk­prin­zip die­ser sog. Anti­cho­liner­gi­ka ist dabei ähn­lich. Es wer­den Rezep­to­ren im Bereich des Bla­sen­mus­kels blo­ckiert. Dies führt dazu, dass sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr so kräf­tig zusam­men­zie­hen kann. Zusätz­lich gibt es Hin­wei­se, dass durch die Medi­ka­men­te die Rei­ze aus der Harn­bla­se, wel­che den Harn­drang ver­ur­sa­chen, eben­falls blo­ckiert oder gehemmt werden.

Die Kom­bi­na­ti­on senkt die Häu­fig­keit der Toi­let­ten­be­su­che und unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te durch die Drangsymptomatik.

Der The­ra­pie­er­folg setzt meist erst nach eini­gen Tagen oder Wochen der The­ra­pie ein. Soll­te ein Prä­pa­rat nicht den gewünsch­ten Erfolg zei­gen, kann ein ande­rer Wirk­stoff pro­biert wer­den. Der Uro­lo­ge vor Ort berät betrof­fe­ne Pati­en­ten, wel­ches Prä­pa­rat im Rah­men von etwai­gen Beglei­ter­kran­kun­gen zu emp­feh­len ist.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen die­ser Wirk­stoff­grup­pe kön­nen Mund­tro­cken­heit oder Ver­stop­fung sein. Ins­ge­samt ist die Ver­träg­lich­keit jedoch zumeist gut und die Wir­kung der Wirk­stoff­grup­pe durch zahl­rei­che Stu­di­en belegt.

Botulinumtoxin A

Die Ver­wen­dung von Botu­li­num­to­xin A im Rah­men der The­ra­pie einer über­ak­ti­ven Bla­se erfolgt, wenn die bereits ange­führ­ten The­ra­pie­op­tio­nen kei­nen Erfolg hat­ten, oder für den Pati­en­ten unver­träg­lich waren.

Die Anwen­dung erfolgt im Rah­men einer Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) ambu­lant oder sta­tio­när mit einer loka­len Betäu­bung der Harn­bla­se. Im Rah­men der Spie­ge­lung wird mit einer fei­nen Nadel an ver­schie­de­nen Stel­len der Harn­bla­se Botu­li­num­to­xin A inji­ziert. Der Ein­griff dau­ert meist zwi­schen 10 und 20 Minu­ten und ist nicht oder nur wenig schmerzhaft.

Bei Botu­li­num­to­xin A han­delt es sich um ein Ner­ven­gift, wel­ches die Signal­über­tra­gung in der Bla­sen­mus­ku­la­tur hemmt. Hier­durch kann sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr, oder weni­ger stark zusam­men­zie­hen und die Häu­fig­keit der Bla­sen­ent­lee­run­gen sinkt.

Bis zum vol­len Wirk­ein­tritt ver­ge­hen ca. 2 Wochen. Die Wir­kung hält zwi­schen 6 und 12 Mona­ten an. Hier­nach ist eine erneu­te Durch­füh­rung der Injek­ti­on notwendig.

Die Vor­tei­le der The­ra­pie sind deut­lich weni­ger Neben­wir­kun­gen im Sin­ne einer Mund­tro­cken­heit und in Stu­di­en eine etwas höhe­re Tro­cken­heits­ra­te bei gleich­zei­tig bestehen­der Dranginkontinenz.

Als nach­tei­lig erwies sich eine höhe­re Anzahl von Harn­wegs­in­fek­ten im Ver­gleich zu den Anti­cho­liner­gi­ka und das Risi­ko eines Harn­ver­hal­tes. Hier­zu kann es bei einem über­schie­ßen­den Anspre­chen der Botu­li­num­to­xin­wir­kung kom­men. Der Bla­sen­mus­kel ist nicht mehr in der Lage sich selbst­stän­dig zusam­men­zu­zie­hen und der Pati­ent kann nicht mehr kon­trol­liert Was­ser las­sen. Die­ser Zustand wird vom Uro­lo­gen dann als Harn­ver­halt bezeichnet.

Die Dau­er die­ser uner­wünsch­ten Wir­kung ist durch die zeit­lich begrenz­te Wir­kung von Botu­li­num­to­xin A auf 6–12 Mona­te limi­tiert. In die­ser Zeit kann es not­wen­dig sein, dass sich die betrof­fe­nen Pati­en­ten täg­lich mehr­fach sel­ber katheterisieren.

Quel­le DGU

Movember — die globale Männer-Gesundheitsaktion im November

Der Novem­ber steht vor der Tür und damit erneut die glo­ba­le Män­ner­ge­sund­heits-Akti­on „Movem­ber“: Hin­ter der Wort­schöp­fung aus Novem­ber und mousta­che (eng­lisch für Schnurr­bart) steht eine welt­wei­te Orga­ni­sa­ti­on, die seit 2003 Män­ner dazu auf­ruft, sich im Akti­ons-Monat einen Schnurr­bart wach­sen zu las­sen, um damit auf die Initia­ti­ve auf­merk­sam zu machen und Spen­den für Gesund­heits­pro­gram­me in den Berei­chen Pro­sta­ta- und Hoden­krebs sowie see­li­sches Wohl­be­fin­den und kör­per­li­che Akti­vi­tät zu sammeln.

Auch Frau­en sind aus­drück­lich auf­ge­for­dert, die Cha­ri­ty-Akti­on zu unter­stüt­zen. Bis heu­te haben sich Mil­lio­nen soge­nann­ter Mo-Bro­thers und Mo-Sis­ters in zahl­ei­chen Län­dern die­ser Welt für die Movem­ber Foun­da­ti­on enga­giert und mehr als 465 Mil­lio­nen Euro Spen­den­gel­der gesam­melt, mit denen über 1000 Gesund­heits­pro­gram­me in 21 Län­dern unter­stützt wer­den. Finan­ziert wer­den glo­ba­le, län­der­spe­zi­fi­sche sowie loka­le Pro­jek­te, die in gro­ßer Trans­pa­renz online für jeder­mann ein­zu­se­hen sind.

Auch in Deutsch­land fin­det der Movem­ber jähr­lich zahl­rei­che Unter­stüt­zer und lässt Schnurr­bär­te für den guten Zweck sprie­ßen. Mit dabei ist in die­sem Jahr auch das glo­bal täti­ge Unter­neh­men Take­da, das sich seit nun­mehr 25 Jah­ren im Diens­te der Män­ner­ge­sund­heit enga­giert. Im Rah­men die­ses Jubi­lä­ums hat das Uro­lo­gie-Team bei Take­da in Deutsch­land auf der Home­page von Movem­ber das Netz­werk „Take­da Movem­ber Chal­len­ge“ ein­ge­rich­tet und spen­det für die ers­ten 2.000 Regis­trie­run­gen jeweils 10 Euro. Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) begrü­ßen die­ses Engagement.

Den offi­zi­el­len Start der Take­da Chal­len­ge auf dem 67. DGU-Kon­gress in Ham­burg beglei­te­ten unter ande­ren hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter der Uro­lo­gen (im Foto von links nach rechts): BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schroe­der, Prof. Dr. Chris­ti­an Döhn, Ben Ars­lan, Movem­ber Coun­try Mana­ger Deutsch­land, Jean-Luc Delay, Geschäfts­füh­rer Take­da Deutsch­land und DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth. Außer­dem gab es pro­mi­nen­te Unter­stüt­zung von den ehe­ma­li­gen Hand­ball-Stars Micha­el und Uli Roth (re. außen), die bei­de 2009 an Pro­sta­ta­krebs erkrank­ten. Seit­dem set­zen sich die Zwil­lin­ge dafür ein, dass Män­ner früh­zei­tig zum Arzt gehen und Krebs­früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen nutzen.

Koope­ra­ti­ons­part­ner von Movem­ber in Deutsch­land ist der gemein­nüt­zi­ge Spen­den- und För­der­ver­ein des Bun­des­ver­ban­des Pro­sta­ta­krebs Selbst­hil­fe e.V. (BPS): der För­der­ver­ein Hil­fe bei Pro­sta­ta­krebs e. V. (FHbP).

Quel­le: DGU

Der unwillkürliche Harnverlust (Harninkontinenz)

Allgemeines

Der unwill­kür­li­che, unkon­trol­lier­te Harn­ver­lust wird vom Uro­lo­gen als Harn­in­kon­ti­nenz bezeich­net. Der betrof­fe­ne Pati­ent ist außer­stan­de, den Zeit­punkt des Was­ser­las­sens selbst zu bestim­men. Dies kann unter­schied­li­che Ursa­chen haben. Eine Stö­rung des kom­ple­xen Zusam­men­spiels zwi­schen Harn­bla­se, Harn­röh­re, Harn­bla­sen­schließ­mus­kel, und Becken­bo­den­mus­ku­la­tur kann zu die­sem Beschwer­de­bild bei­tra­gen. Beim Mann kann zudem eine ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta zu einer Bla­sen­ent­lee­rungs­stö­rung füh­ren, wel­che eben­falls unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te zu Fol­ge haben kann.

Die Harn­in­kon­ti­nenz ist ein ver­brei­te­tes Lei­den, das bevor­zugt Frau­en im mitt­le­ren und höhe­ren Lebens­al­ter, aber auch jün­ge­re Men­schen und Män­ner betrifft. Durch die zuneh­men­de Lebens­er­war­tung und Pati­en­ten, wel­che auch im höhe­ren Alter ihr Leben aktiv gestal­ten kommt die­ser Erkran­kung eine immer grö­ße­re medi­zi­ni­sche und gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu.

In Deutsch­land sind schät­zungs­wei­se etwa 6 Mil­lio­nen Men­schen von einer Harn­in­kon­ti­nenz betrof­fen. Oft wird die­ses Lei­den vom Pati­en­ten aus Scham­ge­fühl selbst dem Arzt gegen­über nicht erwähnt. Unan­ge­neh­me Begleit­erschei­nun­gen des unwill­kür­li­chen Harn­ab­gangs kön­nen Geruchs­ent­wick­lung und Haut­er­kran­kun­gen im Geni­tal­be­reich durch das feuch­te Milieu sein.

Der see­li­sche Lei­dens­druck durch eine Inkon­ti­nenz ist hoch und kann zu erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen der Lebens­qua­li­tät füh­ren. Eine Mit­be­hand­lung durch einen Uro­lo­gen ist in jedem Fall sinn­voll, um die Ursa­che der Inkon­ti­nenz bes­ser zu beur­tei­len und The­ra­pie­op­tio­nen aufzuzeigen.

Formen und Ursachen einer Harninkontinenz

Der Uro­lo­ge unter­schei­det zwi­schen einer Belas­tungs- und einer Dranginkontinenz.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tritt der Urin­ver­lust typi­scher­wei­se unter kör­per­li­cher Belas­tung auf. Bei einer leich­te­ren Aus­prä­gung geht Urin vor allem bei schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit ver­lo­ren. Eben­so kön­nen Uri­n­ab­gän­ge beim Hus­ten, Lachen oder Nie­sen auf­tre­ten. Bei sehr schwe­ren For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tre­ten Urin­ver­lust auch in kör­per­li­che Ruhe und im Lie­gen auf. Betrof­fen sind hier vor allem Frau­en. Ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor kann dabei eine Schä­di­gung des Becken­bo­dens durch (mehr­fa­che) vagi­na­le Ent­bin­dun­gen sein. Sel­te­ne­re Ursa­chen sind z.B. Fis­tel­bil­dun­gen zwi­schen Schei­de und Harn­bla­se, als Fol­ge von Ver­let­zun­gen, Ope­ra­tio­nen oder einer Strah­len­the­ra­pie. Auch Män­ner kön­nen von einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz betrof­fen sein. Hier tre­ten die Beschwer­den als uner­wünsch­te Neben­wir­kung zum Bei­spiel nach einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on oder nach einer ope­ra­ti­ven Ver­klei­ne­rung der Pro­sta­ta bei gut­ar­ti­ger Ver­grö­ße­rung auf.

Bei einer Dran­gin­kon­ti­nenz kommt es zu unwill­kür­li­chen, unkon­trol­lier­ten Urin­ver­lus­ten, wel­che nor­ma­ler­wei­se mit einem schnell auf­tre­ten­den Harn­drang ein­her­ge­hen. Der Urin kann dabei nicht bis zum Auf­su­chen der Toi­let­te zurück­ge­hal­ten wer­den und ent­leert sich oft schwall­ar­tig. Beglei­tend ist oft­mals eine häu­fi­ger Harn­drang mit ent­spre­chend gehäuf­ten Toi­let­ten­be­su­chen, wel­che bei sehr kur­zen Inter­val­len von teils <30 Minu­ten auch erheb­lich beein­träch­ti­gen sind. Von einer soge­nann­ten Über­ak­ti­ven Bla­se („Reiz­bla­se“) mit beglei­ten­der Inkon­ti­nenz sind Frau­en etwa dop­pelt so häu­fig betrof­fen wie Män­ner. Ursa­che einer sol­chen Sym­pto­ma­tik kön­nen bak­te­ri­el­le Infek­tio­nen der Harn­bla­se, Bla­sen­tu­mo­re, Ner­ven­er­kran­kun­gen, Rücken­marks­schä­den oder Fremd­kör­per in der Bla­se sein. Sehr häu­fig fin­det man aller­dings kei­nen Aus­lö­ser für die­se Erkran­kung. Misch­for­men zwi­schen bei­den Inkon­ti­nenz­for­men tre­ten auf.

Untersuchung durch den Urologen

Neben der all­ge­mei­nen ärzt­li­chen Unter­su­chung ste­hen ver­schie­de­ne spe­zi­el­le Unter­su­chun­gen zur Beur­tei­lung und The­ra­pie­pla­nung bei Inkon­ti­nenz zur Verfügung.

Trink- und Miktionsprotokoll

Vom Pati­en­ten über min­des­tens 48h Stun­den zu füh­ren­de Tabel­le, in wel­cher er die Trink­men­ge, die Toi­let­ten­be­su­che (Uhr­zeit), die Urin­men­ge, unwill­kür­li­che Urin­ver­lus­te und Dran­gepi­so­den doku­men­tiert. Ein sol­ches Pro­to­koll hilft dem Uro­lo­gen das Pro­blem zu objek­ti­vie­ren und Situa­tio­nen zu erken­nen, in wel­chen es zu gehäuf­ten Harn­drang kommt.

Pad-Test

Bei die­sem Ver­fah­ren wird der Pati­ent bei gefüll­ter Bla­se mit einer Inkon­ti­nenz­vor­la­ge aus­ge­stat­tet. Unter defi­nier­ter kör­per­li­cher Belas­tung, oder Tra­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum (24h) tre­ten z.B. bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz Urin­ver­lus­te auf. Die Vor­la­gen kön­nen hier­nach gewo­gen wer­den und die Men­ge des Urin­ver­lus­tes bestimmt werden.

Blasenspiegelung/vaginale Unter­su­chung

Zur nähe­ren Abklä­rung einer Inkon­ti­nenz ist eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) uner­läss­lich. Die Unter­su­chung erlaubt dem Uro­lo­gen krank­haf­te Ver­än­de­run­gen und damit Ursa­chen einer Inkon­ti­nenz in der Bla­se zu erken­nen. Des Wei­te­ren lässt die­se Unter­su­chung eine Beur­tei­lung der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des Bla­sen­schließ­mus­kel zu. Bei Frau­en wird die Unter­su­chung oft mit einer vagi­na­len Unter­su­chung kom­bi­niert, um eine evtl. bestehen­de Blasen­sen­kung zu erkennen.

Uro­dy­na­mik

Um den Ablauf der Bla­sen­ent­lee­rung, die Steue­rung der Bla­se durch die Ner­ven und die in der Harn­bla­se wäh­rend des Was­ser­las­sens herr­schen­den Drü­cke zu mes­sen und zu beur­tei­len kann eine sog. Uro­dy­na­mi­sche Mes­sung (Uro­dy­na­mik) erfol­gen. Hier­bei wird ein dün­ner Bla­sen­ka­the­ter in die Harn­bla­se ein­ge­führt und die Bla­se voll­stän­dig ent­leert. Über den Kathe­ter kann nun der Druck in der Harn­bla­se bestimmt wer­den. Aus mess­tech­ni­schen Grün­den ist es gleich­zei­tig not­wen­dig einen dün­nen Bal­lon­ka­the­ter im End­darm zu platzieren.

Die Bla­se wird nun com­pu­ter­ge­steu­ert mit war­mer Koch­salz­lö­sung lang­sam gefüllt. Es wird damit eine natür­li­che Fül­lung der Harn­bla­se mit Urin im Zeit­raf­fer simu­liert. Wäh­rend der Mes­sung wird der Pati­ent befragt, ob er einen Harn­drang ver­spürt und wie stark die­ser ist. Auch Urin­ver­lus­te wer­den wäh­rend der Mes­sung doku­men­tiert. Wenn die Bla­se so stark gefüllt ist, dass der Pati­ent einen Harn­drang ver­spürt, wird die­ser auf­ge­for­dert bei lie­gen­dem Kathe­ter zu uri­nie­ren. Hier­bei wer­den nun erneut die Druck­wer­te in der Bla­se gemes­sen. Die Unter­su­chung erlaubt Rück­schlüs­se auf die Art einer Inkon­ti­nenz und kann Aus­kunft geben, ob etwai­ge ope­ra­ti­ve The­ra­pie­ver­fah­ren sinn­voll sind. Wei­ter­hin erhält der Arzt Infor­ma­tio­nen über die Druck­ver­hält­nis­se in der Harn­bla­se und kann anhand die­ser beur­tei­len, ob ein Risi­ko für eine Nie­ren­schä­di­gung (z.B. bei sehr hohen Bla­sen­drü­cken) besteht.

Bei der sog. Video-Uro­dy­na­mik wer­den par­al­lel zu der Druck­mes­sung Rönt­gen­bil­der der Harn­bla­se und des Harn­trak­tes ange­fer­tigt, wel­che die Arbeit des Becken­bo­dens und der Harn­bla­se bes­ser beur­tei­len las­sen. Eine Uro­dy­na­mi­sche-Mes­sung ist durch die Kathe­ter­an­la­ge für Pati­en­ten zwar etwas unan­ge­nehm, aller­dings nicht schmerzhaft.

Welche Therapieverfahren sind möglich?

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz der Frau

Da die­se Inkon­ti­nenz­form oft auf einer Schwä­che der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des umge­ben­den Bin­de­ge­we­bes beruht, ist ins­be­son­de­re bei leich­ten For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz eine pro­fes­sio­nell ange­lei­te­te Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Um die Pro­ble­ma­tik effek­tiv zu ver­bes­sern ist eine regel­mä­ßi­ge Anwen­dung not­wen­dig. Eine kurz­fris­ti­ge The­ra­pie von z.B. 2–3 Wochen bringt kei­nen Erfolg.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist ergän­zend zur Becken­bo­den­gym­nas­tik der Wirk­stoff Dulo­xe­tin zur Ver­bes­se­rung der Inkon­ti­nenz­sym­pto­ma­tik zuge­las­sen. Bei die­sem Wirk­stoff han­delt es sich ursprüng­lich um ein Anti­de­pres­si­vum. Neben­wir­kun­gen kön­nen, ins­be­son­de­re bei schnel­ler Dosis­stei­ge­rung, auf­tre­ten und z.T. aus­ge­prägt sein. Soll­te eine schwer­wie­gen­de­re Belas­tungs­in­kon­ti­nenz bei einer Frau bestehen, so bestehen auch ope­ra­ti­ve Mög­lich­kei­ten die­se zu besei­ti­gen oder zu lin­dern. Gän­ge Ver­fah­ren sind hier­bei das Ein­brin­gen eines Kunst­stoff­ban­des unter die Harn­röh­re. Dies erfolgt ent­we­der über einen klei­nen Schnitt durch die Bauch­de­cke (TVT: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape) oder über die Schen­kel­beu­ge (TVT‑O: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape Obtu­ra­tor). Die Erfolgs­ra­ten hin­sicht­lich der Besei­ti­gung der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit die­sen Ver­fah­ren sind hoch. Zu beach­ten ist jedoch, dass ein­mal in den Kör­per ein­ge­brach­tes Band­ma­te­ri­al schwie­rig bis gar nicht zu ent­fer­nen ist. Neben­wir­kun­gen wie Ent­zün­dun­gen des Band­ma­te­ri­als oder Fremdkörpergefühl/Schmerzen kön­nen auftreten.

Die Indi­ka­ti­on ist daher kri­tisch zu stellen.

Soll­te bei einer Frau die Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit einer kom­ple­xen Sen­kung des Becken­bo­dens ein­her­ge­hen kann auch das Ein­brin­gen von grö­ße­ren Net­zen in den Becken­bo­den not­wen­dig wer­den. Hier ist beson­ders die Mit­be­ur­tei­lung durch einen Gynä­ko­lo­gen zu emp­feh­len. Als Alter­na­ti­ve besteht die Mög­lich­keit den Bla­sen­hals ope­ra­tiv ohne Ein­brin­gen von Netz­ma­te­ria­li­en anzu­he­ben. Die­se Metho­de nennt der Uro­lo­ge Kol­pus­sus­pen­si­on nach Burch. Die Metho­de ist in etwa so erfolg­ver­spre­chend wie die genann­ten Band­ope­ra­tio­nen. Es kann jedoch nach eini­gen Jah­ren zu einem erneu­ten Auf­tre­ten der Inkon­ti­nenz kom­men, was eine Wie­der­ho­lung des Ein­grif­fes not­wen­dig macht.

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz des Mannes

Häu­figs­te Ursa­che einer männ­li­chen Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist, trotz immer wei­ter ver­bes­ser­ter OP-Tech­nik, eine Schä­di­gung des Schließ­mus­kels im Rah­men einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on. Wäh­rend in den ers­ten 6 Mona­ten nach einer sol­chen Ope­ra­ti­on noch rela­tiv vie­le Män­ner Inkon­ti­nenz­vor­la­gen benut­zen müs­sen, sinkt die Zahl der Betrof­fe­nen hier­nach auf ca. 2–10%. In der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pha­se ist vor allem eine inten­si­ve und pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung zur Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Soll­te im lang­fris­ti­gen Ver­lauf eine für den Pati­en­ten stö­ren­de Inkon­ti­nenz bestehen, so sind auch hier ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren ver­füg­bar. Je nach Schwe­re der Inkon­ti­nenz kom­men hier­bei eben­falls Band­ma­te­ria­li­en (z.B. Advance-Band, Argus-Schlinge) zum Ein­satz, wel­che die Harn­röh­re und den Schließ­mus­kel unterstützen.

Bei sehr aus­ge­präg­ten For­men der Inkon­ti­nenz kann schließ­lich die Implan­ta­ti­on eines künst­li­chen Bla­sen­schließ­mus­kels ange­bo­ten wer­den. Die­se OP-Ver­fah­ren wer­den in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren ange­bo­ten und haben eine hohe Erfolgs­ra­te. Nach­tei­le bestehen für den Pati­en­ten in der jeweils bei jedem Toi­let­ten­be­such durch­zu­füh­ren­den manu­el­len Bedie­nung. Wei­ter­hin ber­gen Implan­ta­te ein Infek­ti­ons­ri­si­ko bei bak­te­ri­el­ler Besied­lung, was zu Fol­ge­ope­ra­tio­nen füh­ren kann.

Dran­gin­kon­ti­nenz

Die The­ra­pie einer Dran­gin­kon­ti­nenz ist in ers­ter Linie eine kon­ser­va­ti­ve, medi­ka­men­tö­se The­ra­pie. Zunächst soll­ten evtl. ursäch­li­che Beglei­ter­kran­kun­gen (z.B. Mul­ti­ple Skle­ro­se) erkannt und behan­delt wer­den. Hier­durch ist teil­wei­se schon eine Lin­de­rung der Beschwer­den mög­lich. Oft­mals wer­den jedoch kei­ne expli­zi­ten Ursa­chen gefun­den. Zur wei­te­ren The­ra­pie ste­hen ver­schie­den Medi­ka­men­te zur Ver­fü­gung, wel­che die Akti­vi­tät des Bla­sen­mus­kels redu­zie­ren und dadurch Drang- und Inkon­ti­nen­z­epi­so­den ver­min­dern oder besei­ti­gen kön­nen. Die­se Medi­ka­men­te wer­den auch als Anti­cho­liner­gi­ka bezeich­net. Unter die­sen Anti­cho­liner­gi­ka gibt es eine Viel­zahl von ver­schie­de­nen Wirk­stof­fen, deren The­ra­pie­prin­zip jedoch ähn­lich ist. Wel­ches Prä­pa­rat für den ein­zel­nen Pati­en­ten opti­mal ist, ent­schei­det der Uro­lo­ge anhand mög­li­cher Beglei­ter­kran­kun­gen und des Alters des Pati­en­ten. Neben­wir­kun­gen kön­nen ein tro­cke­ner Mund oder Ver­stop­fung sein. Ein The­ra­pie­er­folg ist oft erst nach eini­gen Wochen der The­ra­pie zu beurteilen.

Soll­te mit die­sen Medi­ka­men­ten kein Erfolg zu erzie­len sein, ist die Ver­wen­dung von Botu­li­num­to­xin mög­lich. Der Wirk­stoff ist vie­len Men­schen durch die Medi­en im Rah­men von Schön­heits­ope­ra­tio­nen bekannt (Fal­ten­be­hand­lung). Im Rah­men einer hart­nä­cki­gen Dran­gin­kon­ti­nenz wird die­ses Medi­ka­ment direkt bei einer Harn­bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) in den Bla­sen­mus­kel gespritzt. Die­se Pro­ze­dur kann mit loka­ler Betäu­bung durch­ge­führt wer­den und ist nicht schmerzhaft.

Der The­ra­pie­er­folg hält meist zwi­schen 6–12 Mona­ten an. Danach muss die Pro­ze­dur wie­der­holt wer­den. Eine uner­wünsch­te Wir­kung die­ser Behand­lung besteht in einer über­schie­ßen­den Wir­kung, wel­che es dem Pati­en­ten teils nicht erlaubt die Bla­se voll­stän­dig zu ent­leer­ten. Mit Nach­las­sen der Wir­kung ver­schwin­det die­ser uner­wünsch­te Effekt, aller­dings kann für den Zeit­raum ein vor­über­ge­hen­de selb­stän­di­ges kathe­te­ri­sie­ren durch den Pati­en­ten not­wen­dig werden.

Bei sehr aus­ge­präg­ten Form einen Dran­gin­kon­ti­nenz, ggf. in Kom­bi­na­ti­on mit einer schwer­wie­gen­den chro­ni­schen Ent­zün­dung der Bla­se (z.B.: Inter­s­ti­ti­el­le Cys­ti­tis) kann auch eine ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung der Bla­se als letz­te Alter­na­ti­ve ver­blei­ben. Die Harn­ab­lei­tung erfolgt dann z.B. über einen kathe­te­ri­sier­ba­ren Nabel­pouch, ein Ileum­con­du­it oder eine „Ersatzblase“-Neoblase.

Für Pati­en­ten die kei­ne medi­ka­men­tö­se oder ope­ra­ti­ve Behand­lung wün­schen besteht die Mög­lich­keit einer Bio­feed­back und Elek­tro­sti­mul­ti­ons­be­hand­lung. Behand­lungs­kos­ten wer­den durch die Kran­ken­kas­se über­nom­men. Eine pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung in Hand­ha­bung und Bedie­nung ist not­wen­dig um einen The­ra­pie­er­folg zu erzie­len. Die The­ra­pie selbst wird dann vom Pati­en­ten selbst über einen län­ge­ren Zeit­raum (min­des­tens 3–6 Mona­te) selbst­stän­dig durch­ge­führt. Ein The­ra­pie­er­folg ist nicht sicher. Die Ver­triebs­fir­men bie­ten eine sol­che Anlei­tung durch geschul­te Mit­ar­bei­ter an. Der Uro­lo­ge kann den Pati­en­ten ent­spre­chend bera­ten und eine Behand­lung in die Wege leiten.

Quel­le: DGU

Volkskrankheit Harnsteine

Harn­stei­ne fal­len längst in die Kate­go­rie der Volks­krank­hei­ten: Welt­weit gehö­ren sie zu den häu­figs­ten Erkran­kun­gen, in vie­len Län­dern mit stark zuneh­men­der Ten­denz. In Deutsch­land hat sich die Zahl der jähr­li­chen Neu­erkran­kun­gen seit Mit­te der 1980er-Jah­re ver­drei­facht. „Wir gehen heu­te davon aus, dass etwa jeder Zehn­te ein­mal im Leben einen Harn­stein ent­wi­ckelt, von denen dann grob jeder Vier­te spä­ter erneut Stei­ne bekommt“, sagt Prof. Dr. Tho­mas Knoll, Chef­arzt der Sin­del­fin­ger Kli­nik für Uro­lo­gie und zugleich der Vor­sit­zen­de des Arbeits­krei­ses Harn­stei­ne der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen. Da Harn­stei­ne hier­zu­lan­de seit eini­gen Jah­ren hin­ter Pro­sta­taer­kran­kun­gen die zweit­häu­figs­te Dia­gno­se uro­lo­gi­scher Kli­ni­ken sind, hat­te die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) ihn als Koor­di­na­tor für die Erstel­lung einer neu­en „Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thia­sis“ bestellt. Als Leit­li­nie der Qua­li­tät S2k hat die Arbeit einen umfas­sen­den Kon­sen­sus­pro­zess durch­lau­fen. Nach Wor­ten von DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth wird die Bedeu­tung von Stein­erkran­kun­gen und der neu­en Leit­li­nie beim 67. DGU-Kon­gress vom 23. bis 26. Sep­tem­ber 2015 in Ham­burg mit einem Forum unterstrichen.

Die neue Harn­stein-Leit­li­nie soll die Behand­lung von Kin­dern und Erwach­se­nen mit Uro­li­thia­sis in Kli­nik und Pra­xis unter­stüt­zen, aber auch Pati­en­ten über Nie­ren- und Harn­lei­ter­stei­ne infor­mie­ren. Bla­sen­stei­ne, bei denen eine ande­re Kau­sa­li­tät als bei Stei­nen des obe­ren Harn­trakts vor­liegt, sind in der Leit­li­nie nicht berück­sich­tigt. Die zuneh­men­de Häu­fig­keit von Harn­stein­er­kran­kun­gen wird in der Leit­li­nie sowohl auf ver­än­der­te Lebens­um­stän­de und Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten zurück­ge­führt. Über­ge­wicht, Bewe­gungs­man­gel, Dia­be­tes sowie fort­ge­schrit­te­nes Lebens­al­ter und männ­li­ches Geschlecht sind laut Prof. Knoll bekann­te Risi­ko­fak­to­ren. Aber auch eine ver­bes­ser­te medi­zi­ni­sche Dia­gnos­tik hat dazu geführt, dass Harn­stei­ne häu­fi­ger als frü­her nach­ge­wie­sen werden.

Eben­so unter­schied­lich wie die che­mi­sche Zusam­men­set­zung von Harn­stei­nen ist, so man­nig­fal­tig kön­nen auch die aus­lö­sen­den Ursa­chen sein, die im Kör­per selbst und nicht durch äuße­re Ein­flüs­se ent­ste­hen. Sie wer­den durch unzu­rei­chen­de Flüs­sig­keits­auf­nah­me und damit unge­nü­gen­de Urin­ver­dün­nung ver­stärkt. Die Fol­gen der Harn­stein­bil­dung kön­nen nicht nur äußerst schmerz­haft, son­dern auch sehr schwer­wie­gend aus­fal­len: Manch Betrof­fe­ner wird klei­ne­re Stei­ne zwar auf natür­li­chem Wege wie­der los, bei grö­ße­ren Exem­pla­ren schafft aber nur eine der ver­schie­de­nen The­ra­pie­op­tio­nen Abhil­fe. Jedoch ist mit der Ent­fer­nung eines Harn­steins — egal ob natür­lich oder the­ra­peu­tisch — die Ursa­che nicht besei­tigt. In vie­len Fäl­len kommt es wie­der zu Stei­nen. Prof. Knoll zu den Fol­gen: „Zwi­schen häu­fi­ger Stein­bil­dung und der Nie­ren­funk­ti­ons­stö­rung besteht eine kla­re Kor­re­la­ti­on.“ So führt nach sei­ner Ein­schät­zung die wie­der­hol­te Bil­dung von Kal­zi­umstei­nen in gut jedem zehn­ten Fall zu einer Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz. Auch zwi­schen Herz- und Herz­kreis­lauf­erkran­kun­gen wie Blut­hoch­druck oder der Ver­en­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße gebe es einen engen Zusam­men­hang mit Stein­lei­den. Der Uro­lo­ge wei­ter: „Aller­dings wis­sen wir noch nicht genau, was von bei­den dabei Ursa­che und was Fol­ge ist.“

Die neue Uro­li­thia­sis-Leit­li­nie, die eine Ver­si­on von 2009 ersetzt, greift ins­be­son­de­re aktu­el­le Ent­wick­lun­gen in der bild­ge­ben­den Dia­gnos­tik und in der Inter­ven­ti­on auf. So wird die Not­wen­dig­keit dia­gnos­ti­scher Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen wie etwa der Aus­schei­dungs­uro­gra­fie auf­grund ihrer Strah­len­be­las­tung hin­ter­fragt, statt­des­sen Ultra­schall und Com­pu­ter­to­mo­gra­fie wei­ter gestärkt. Glei­ches gilt für ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe, bei denen in immer mehr Fäl­len endo­sko­pi­sche Ver­fah­ren ers­te Wahl sind. Deut­li­cher her­aus­ge­ar­bei­tet wur­de in der neu­en Leit­li­nie zudem der the­ra­peu­ti­sche Umgang mit spe­zi­el­len Risi­ko­grup­pen wie Kin­dern und Schwan­ge­ren. Brei­te­ren Raum neh­men auch die The­men Stoff­wech­sel­dia­gnos­tik und Meta­phy­la­xe ein, für die gut nach­voll­zieh­ba­re Hand­lungs­vor­schrif­ten ent­wi­ckelt wur­den. Beson­ders die the­ra­peu­ti­sche Nach­sor­ge ist nach Wor­ten von Leit­li­ni­en-Koor­di­na­tor Prof. Dr. Tho­mas Knoll sehr wich­tig und wird häu­fig ver­nach­läs­sigt: „Wenn der Schmerz erst ein­mal weg ist, ver­ges­sen vie­le die Harn­stei­ne bald wie­der. Ohne Meta­phy­la­xe liegt das Rezi­di­v­ri­si­ko, abhän­gig von der Art der Stei­ne, jedoch über 50 Pro­zent. Eine risi­ko­ad­ap­tier­te Nach­sor­ge kann dies deut­lich senken.“

An der Leit­li­ni­en­ar­beit waren elf Arbeits­krei­se (AK) der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen, dar­un­ter der AK Kin­der­u­ro­lo­gie, 13 wei­te­re Fach­ge­sell­schaf­ten und Berufs­grup­pen sowie auch ein Pati­en­ten­ver­tre­ter betei­ligt. Die neue „S2k-Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thia­sis“, deren Her­aus­ge­ber die DGU ist, wur­de kürz­lich auf der Inter­net­sei­te der Arbeits­ge­mein­schaft der Wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten e.V. (AWMF) unter der Regis­ter­num­mer 043–025 veröffentlicht.

 

Quel­le: DGU

Urologen werfen Medien Verteufelung des PSA Tests vor

Düs­sel­dorf: Wie­der gibt es Medi­en­kri­tik von Uro­lo­gen­sei­te: Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen (BDU) sehen den PSA Test in Berich­ten ver­schie­de­ner Medi­en zu Unrecht schlecht dargestellt.
Dabei geht es um die Bericht­erstat­tung zu den AOK „Fak­ten­bo­xen“, die selbst nicht Anlass der Kri­tik von DGU und BDU sind. Nach Pfings­ten hat die AOK ihre ers­ten „Fak­ten­bo­xen“ ver­öf­fent­licht, die dazu bei­tra­gen sol­len, die Gesund­heits­kom­pe­tenz von Ver­si­cher­ten zu stär­ken, indem kom­ple­xe Fra­gen zu Nut­zen und Risi­ken von medi­zi­ni­schen Behand­lun­gen, Früh­erken­nung oder Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln auf kom­pak­te Wei­se beant­wor­tet wer­den. Erklär­tes Ziel ist eine ver­ständ­li­che und ein­präg­sa­me Wis­sens­ver­mitt­lung via Inter­net, die den aktu­el­len Stand der medi­zi­ni­schen For­schung berück­sich­tigt. DGU und BDU beto­ne, dass sie jede Initia­ti­ve befür­wor­ten, die dazu bei­trägt, die Gesund­heits­kom­pe­tenz der Men­schen zu stärken.

Befrem­den löst bei den Uro­lo­gen aus, dass die Medi­en das Bei­spiel des PSA-Tests zur Pro­sta­ta­krebs-Früh­erken­nung „unter dem Tenor ver­meint­lich unnüt­zer Früh­erken­nung teils sogar gefähr­li­cher Unter­su­chun­gen“ aus­drück­lich nann­ten, obwohl der Test gar nicht Gegen­stand der elf AOK-Fak­ten­bo­xen sei. (…) DGU und BDU wei­sen jedoch dar­auf hin, dass die Daten­la­ge aus Stu­di­en bis­lang noch kei­ne kla­ren wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se zu Nut­zen und mög­li­chem Scha­den der Früh­erken­nung beim Pro­sta­ta­krebs erlau­be, weil die­se Stu­di­en eine Lauf­zeit von min­des­tens 15 Jah­ren benö­ti­gen. DGU und BDU emp­feh­len daher, wei­ter­hin Män­nern ab 45 Jah­ren, die nach aus­führ­li­cher Infor­ma­ti­on über die Vor- und mög­li­chen Nach­tei­le und unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen Situa­ti­on eine Früh­erken­nung wün­schen, eine Tast­un­ter­su­chung und die Bestim­mung des PSA Wertes.

Ein Pro­sta­ta­krebs, der in einem frü­hen Sta­di­um fest­ge­stellt wird, kön­ne mit grö­ße­rer Aus­sicht auf völ­li­ge Hei­lung behan­delt wer­den. Die bekann­te Dis­kus­si­on um „Über­the­ra­pie“ und „Über­dia­gno­se“ habe in der inter­dis­zi­pli­nä­ren „S3-Leit­li­nie Pro­sta­ta­krebs“, die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft und DGU gemein­sam erar­bei­tet haben, ihren Nie­der­schlag gefun­den. Der „Ver­teu­fe­lung“ des PSA-Tests als „rei­ne Geld­ma­che­rei“ der Uro­lo­gen hal­ten DGU und BDU ent­ge­gen, dass die Sterb­lich­keit am Pro­statakar­zi­nom ins­ge­samt deut­lich abge­nom­men habe, seit es den Test gibt: In Deutsch­land um 20%, in den USA um 35“.
Quel­le DGU/BDU

Blasenkrebs — zu wenig Vorsorge führt oft zu sehr späten Zufallsbefunden

Harn­bla­sen­krebs ist die zweit­häu­figs­te uro­lo­gi­sche Tumor­er­kran­kung. Der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) macht des­halb wie­der­holt dar­auf auf­merk­sam, dass ein Tumor in der Bla­se zunächst ohne cha­rak­te­ris­ti­sche Sym­pto­me wächst. „Ein gesetz­li­ches Früh­erken­nungs­pro­gramm gibt es zur­zeit nicht“, sagt BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schroe­der. „Auch ver­schie­de­ne Bla­sen­krebs-Schnell­tests, die seit eini­ger Zeit Schlag­zei­len machen, sind noch nicht weit genug ent­wi­ckelt, um für ein gene­rel­les Scree­ning in der Bevöl­ke­rung geeig­net zu sein.“ Umso wich­ti­ger sei eine risi­ko­ad­ap­tier­te Früh­erken­nung für Per­so­nen mit einem erhöh­ten Gefähr­dungs­po­ten­zi­al, so der Neu­müns­te­ra­ner Uro­lo­ge weiter.

Das Robert Koch-Insti­tuts ver­zeich­net jähr­lich rund 29.000 Neu­erkran­kun­gen. 2010 erkrank­ten 21.550 Män­ner und 7.240 Frau­en in Deutsch­land an Bla­sen­krebs. Damit sind Män­ner fast drei­mal so oft betrof­fen wie Frau­en. Bla­sen­krebs ist die viert­häu­figs­te Krebs­art des Man­nes. Das durch­schnitt­li­che Erkran­kungs­al­ter beträgt bei Män­nern 72 Jah­re, bei Frau­en etwa 74 Jah­re. Aber auch jün­ge­re Män­ner und Frau­en kön­nen erkranken.

Mög­li­che Sym­pto­me wie Blut im Urin, Schmer­zen oder Stö­run­gen beim Was­ser­las­sen tre­ten oft erst spät auf, sind unspe­zi­fisch und kön­nen auch gänz­lich ande­re Ursa­chen haben. BDU-Prä­si­dent Schroe­der: „Häu­fig wird der Tumor als Zufalls­be­fund etwa bei einer Ultra­schall­un­ter­su­chung ent­deckt, über­wie­gend in frü­hen Sta­di­en. Den­noch sind etwa 25 bis 30 Pro­zent der Tumo­re bei Dia­gno­se­stel­lung nicht mehr ober­fläch­lich, son­dern bereits in die Bla­sen­mus­ku­la­tur ein­ge­wach­sen oder haben auf ande­re Orga­ne übergegriffen.“

Haupt­ri­si­ko­fak­tor ist Tabak­kon­sum“, sagt Dr. Axel Schroe­der. Nach Anga­ben der Deut­schen Krebs­hil­fe sind 30–70 Pro­zent aller Bla­sen­krebs­er­kran­kun­gen auf Ziga­ret­ten­rau­chen zurück­zu­füh­ren. Auch der, meist beruf­li­che, Kon­takt mit krebs­er­re­gen­den Stof­fen, wie aro­ma­ti­schen Ami­nen, die in der Gum­mi-Indus­trie, in Far­ben und in der che­mi­schen und phar­ma­zeu­ti­schen Indus­trie zum Ein­satz kom­men, erhöht das Risi­ko. Daher wird Bla­sen­krebs zum Teil auch als Berufs­krank­heit aner­kannt. Chro­ni­sche Harn­wegs­in­fek­te und bestimm­te Medi­ka­men­te sind wei­te­re Risi­ko­fak­to­ren. Fami­liä­re Häu­fun­gen wer­den beob­ach­tet, eben­falls gibt es Hin­wei­se auf gene­ti­sche Fak­to­ren bei der Ent­ste­hung von Harn­bla­sen­krebs. Geziel­te Früh­erken­nung für die­se Risi­ko­grup­pen hält der Prä­si­dent des Berufs­ver­ban­des für sinnvoll.

Das Inter­net-Tool www.risikocheck-blasenkrebs.info kann die Ein­schät­zung des indi­vi­du­el­len Bla­sen­krebs­ri­si­kos durch einen Uro­lo­gen unter­stüt­zen. „Der Risi­ko-Check ist in zwölf ver­schie­de­nen Spra­chen ver­füg­bar und wird regel­mä­ßig aktu­el­len Ände­run­gen ange­passt. Veri­fi­ziert wur­de er von der IQUO in Ber­lin, dem Inter­es­sen­ver­band zur Qua­li­täts­si­che­rung der Arbeit nie­der­ge­las­se­ner Uro-Onko­lo­gen in Deutsch­land e.V.“, erklärt Dr. Gerson Lüdecke, Ober­arzt der Kli­nik und Poli­kli­nik für Uro­lo­gie, Kin­der­u­ro­lo­gie und Andro­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Gie­ßen, der den kos­ten­lo­sen Online-Check ent­wi­ckelt hat.

Schnell­tests auf urin­lös­li­che Bla­sen­krebs­mar­ker kom­men bei der Früh­erken­nung inzwi­schen zum Ein­satz und kön­nen die Dia­gnos­tik unter Umstän­den ergän­zen. „Wäh­rend her­kömm­li­che Tests nur ‚posi­tiv’ oder ‚nega­tiv’ anzei­gen, kön­nen die neu­es­ten Ver­fah­ren die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Tumor in der Harn­bla­se vor­liegt, quan­ti­fi­zie­ren“, sagt Dr. Lüdecke. Eine Bla­sen­spie­ge­lung zur siche­ren Dia­gnos­tik erset­zen sie den­noch nicht. Vor frei­ver­käuf­li­chen Bla­sen­krebs-Schnell­tests war­nen die Exper­ten. „Die Früh­erken­nung von Harn­bla­sen­krebs gehört in die Hän­de eines erfah­re­nen Urologen“.

 

Quel­le DGU

Urologen warnen vor falschen Hoffnungen: Ungerechtfertigte Werbung für Außenseitertherapie „IRE“ bei Prostatakrebs

Düs­sel­dorf, 04.02.2015. Unter dem Titel „Die neue Waf­fe gegen Pro­sta­ta­krebs“ berich­tet das Wochen­ma­ga­zin „Focus“ in der Print-Aus­ga­be 5/2015 über eine neue Metho­de zur Behand­lung des Pro­sta­ta­kreb­ses, bei der angeb­lich „mit ultra­kur­zen Strom­stö­ßen Tumor­zel­len zer­stört wer­den kön­nen“. Die soge­nann­te „Irrever­si­ble Elek­tro­po­ra­ti­on“ (IRE) sei eine „scho­nen­de“ Metho­de, die beim Pro­sta­ta­krebs Potenz und Schließ­mus­kel­funk­ti­on nicht beein­träch­ti­ge und bei der „die Harn­röh­re eben­so erhal­ten bleibt wie die Erek­ti­ons­fä­hig­keit“, heißt es wei­ter in dem Arti­kel. Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) stellt klar, dass die­se Hoff­nung machen­de Wer­bung für eine „neue Tech­nik im Kampf gegen Pro­sta­ta­krebs“ unge­recht­fer­tigt und gefähr­lich ist, da der Wert die­ser Behand­lung noch völ­lig unge­si­chert ist.

Zur The­ra­pie von Pro­sta­ta­krebs mit­tels die­ser Metho­de fin­den sich in wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur­da­ten­ban­ken ledig­lich 18 Publi­ka­tio­nen. Die­se beschrei­ben die tech­ni­schen Grund­la­gen der Metho­dik oder Pro­to­kol­le neu­er Stu­di­en, die sich noch in Pla­nung befin­den“, sagt Prof. Dr. med. Oli­ver Haken­berg, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie und Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie der Uni­ver­si­tät Ros­tock. „Ledig­lich zwei Arbeits­grup­pen beschrei­ben kurz­fris­ti­ge Behand­lungs­er­geb­nis­se, aber auch nur bezüg­lich der Durch­führ­bar­keit und der Häu­fig­keit kurz­fris­ti­ger Behand­lungs­ne­ben­wir­kun­gen“, so der Gene­ral­se­kre­tär. Mit­tel- oder lang­fris­ti­ge Ergeb­nis­se zur Wirk­sam­keit und zu Neben­wir­kun­gen lie­gen nicht vor.

Nie­mand kann daher zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt irgend­ei­ne Aus­sa­ge dazu machen, ob die­se Metho­de über­haupt in der Lage ist, einen Pro­sta­ta­krebs the­ra­peu­tisch zu beein­flus­sen, noch viel weni­ger ist klar, ob sie ande­ren Behand­lungs­me­tho­den über­le­gen ist. Ledig­lich die denk­ba­re, aber unbe­wie­se­ne Vor­stel­lung, dass die­se alter­na­ti­ve The­ra­pie Pro­sta­ta­krebs­zel­len zer­stö­ren kön­ne, darf kei­nes­falls Grund­la­ge dafür sein, Pati­en­ten Hoff­nun­gen zu machen“, ergänzt Prof. Dr. med. Kurt Mil­ler, 1. DGU-Vize-Prä­si­dent und Direk­tor der Uro­lo­gi­schen Kli­nik der Cha­ri­té, Ber­lin. Zudem ist die­se alter­na­ti­ve Behand­lungs­maß­nah­me mit hohen Kos­ten ver­bun­den, die auf­grund des gänz­lich feh­len­den Nut­zen­nach­wei­ses nicht von den Kran­ken­kas­sen getra­gen werden.

Bei Neu­zu­las­sung eines Medi­ka­men­tes gel­ten heu­te strengs­te Anfor­de­run­gen an den Nach­weis eines Nut­zens durch Stu­di­en. Es muss sogar der ´Zusatz­nut­zen‘ im Ver­gleich zu bestehen­den The­ra­pien belegt wer­den. Bei medi­zi­nisch-tech­ni­schen Behand­lungs­ver­fah­ren ist das anders. Hier wer­den sol­che Ansprü­che nicht ein­ge­for­dert. Allein die tech­ni­sche Durch­führ­bar­keit wird als aus­rei­chend ange­se­hen, um die Anwen­dung am Men­schen zu erlau­ben“, sagt Prof. Dr. med. Jür­gen Gschwend vom DGU-Res­sort Leit­li­ni­en und Qua­li­täts­si­che­rung und Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät München.

Für die Exper­ten der DGU steht fest: Die Pro­ble­ma­tik des Pro­statakar­zi­noms mit mög­li­chen Aus­wir­kun­gen man­cher Behand­lun­gen auf die indi­vi­du­el­le Lebens­qua­li­tät darf nicht dazu Anlass geben, Hoff­nun­gen zu wecken, die durch kei­ner­lei Daten und Fak­ten gestützt wer­den. Eine seriö­se Bericht­erstat­tung in den Medi­en soll­te sich immer über ihre Wir­kung im Kla­ren sein: Wie im hier kri­ti­sier­ten Fall könn­ten Pati­en­ten mög­li­cher­wei­se zu The­ra­pien ver­lei­tet wer­den, die ihnen nichts nüt­zen und bei denen ernst­haf­te Neben­wir­kun­gen auf­tre­ten kön­nen. Noch fata­ler aber, wenn durch die mit fal­schen Hoff­nun­gen ver­knüpf­te Anwen­dung der Metho­de tat­säch­lich wirk­sa­me Behand­lun­gen hin­aus­ge­zö­gert wer­den und dann für man­chen Pati­en­ten zu spät kommen.

Quel­le DGU

Eine neue Niere — Mehr Lebenszeit und Qualität

Chro­ni­sche Nie­ren­er­kran­kung (CKD) gilt als eine unbe­kann­te Volks­krank­heit. In Deutsch­land wer­den zur Zeit etwa 60.000 Men­schen dau­er­haft dia­ly­siert, mit stei­gen­der Ten­denz. 8000 Pati­en­ten war­ten nach Anga­ben der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on auf eine neue Nie­re, doch nur rund 2300 davon kön­nen durch­schnitt­lich pro Jahr damit ver­sorgt wer­den. Wäh­rend der Organ­be­darf jähr­lich um rund fünf Pro­zent steigt, bleibt das Ange­bot gleich­blei­bend nied­rig. Dabei ist laut Deut­scher Nie­ren­stif­tung unbe­strit­ten, dass eine erfolg­rei­che Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on gegen­über dem auf­wen­di­gen und sehr zeit­in­ten­si­ven Dia­ly­se­ver­fah­ren den Pati­en­ten eine ver­bes­ser­te Lebens­qua­li­tät, grö­ße­re Zufrie­den­heit und mehr Frei­heit bie­tet – und ein län­ge­res Leben. Wie vie­le Lebens­jah­re Emp­fän­ger von Spen­der­or­ga­nen im Durch­schnitt gewin­nen im Ver­gleich zu Pati­en­ten, die ver­geb­lich auf ein neu­es Organ war­ten, haben US-For­scher in einer jetzt ver­öf­fent­lich­ten Lang­zeit­stu­die ermittelt.

Über einen Zeit­raum von 25 Jah­ren haben Abbas Rana, Dok­tor der Medi­zin vom Bay­lor Col­le­ge of Medi­ci­ne in Houston/Texas, und sei­ne Kol­le­gen die Über­le­bens­vor­tei­le von Trans­plan­ta­ti­ons­pa­ti­en­ten anhand von Daten der United Net­work for Organ Sharing (UNOS) und des ame­ri­ka­ni­schen Ster­be­re­gis­ters unter­sucht. Dabei haben sie zwi­schen 1987 und 2012 alle Pati­en­ten über 18 Jah­re berück­sich­tigt, die bei UNOS gemel­det waren. Dar­un­ter waren 533.329 Pati­en­ten, die in der Zeit ein neu­es Organ erhal­ten haben, sowie 579.506 Pati­en­ten, die ver­geb­lich auf ein Spen­der­or­gan gewar­tet haben. In die Stu­die mit auf­ge­nom­men wur­den nicht nur Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen, son­dern auch die Über­tra­gung von Lebern, Her­zen, Lun­gen, Pan­kre­as plus Nie­re, Pan­kre­as und Darm.

Nach der Daten­er­he­bung haben die Wis­sen­schaft­ler bei­de Pati­en­ten­grup­pen mit­ein­an­der ver­gli­chen und einen Gewinn an Lebens­jah­ren von ins­ge­samt 2.270.859 bei den Pati­en­ten nach einer erfolg­rei­chen Trans­plan­ta­ti­on nach­wei­sen kön­nen. Im Durch­schnitt bedeu­tet das eine ver­län­ger­te Lebens­er­war­tung des Ein­zel­nen von 4,3 Jah­ren. Bezo­gen auf alle in dem Zeit­raum durch­ge­führ­ten Organ­ver­pflan­zun­gen wur­den mit 314.561 Pati­en­ten Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen am häu­figs­ten durch­ge­führt. Auch hier stell­ten die Medi­zi­ner eine höhe­re Lebens­er­war­tung fest: Im Schnitt um 4,4 Jah­ren pro Organ­emp­fän­ger. Am zweit­häu­figs­ten wur­den Lebern trans­plan­tiert, mit einem Gewinn an Lebens­jah­ren von 4,3 Jah­ren pro Pati­ent, gefolgt von Her­zen (4,9 Jah­re), Lun­gen (2,6 Jah­re), Pan­kre­as plus Nie­re 4,6 Jah­re), Pan­kre­as (2,4 Jah­re) und Darm (2,8 Jah­re). Ein wei­te­res signi­fi­kan­tes Ergeb­nis der Lang­zeit­stu­die ist, dass Erwach­se­ne bei einer Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on am meis­ten von einer Lebend­spen­de pro­fi­tie­ren. Die mitt­le­ren Über­le­bens­zei­ten lagen damit bei 18,5 Jah­ren. Kam das Spen­der­or­gan von einem Ver­stor­be­nen, leb­ten die Pati­en­ten im Schnitt noch 9,8 Jahre.

Das sind ein­deu­ti­ge Zah­len, die Rana und Kol­le­gen nicht nur als einen Beweis dafür sehen, wie effek­tiv eine Organ­spen­de für den Betrof­fe­nen ist, son­dern auch als begrün­de­te Moti­va­ti­on, sich als Organ­spen­der zur Ver­fü­gung zu stel­len, um die wach­sen­de Lücke zwi­schen Bedarf und Ange­bot zu mini­mie­ren und so einer grö­ße­ren Zahl von Pati­en­ten zu mehr Lebens­qua­li­tät und Lebens­zeit zu verhelfen.

Text: Pres­se­stel­le DGU/BDU

Die männliche Sexualität und die Erektion — ein weites Thema

Erektionsstörungen

Was Sie wissen sollten

Die man­geln­de Ver­stei­fungs­fä­hig­keit des Penis, bzw. die unge­nü­gen­de Dau­er der Ver­stei­fung, wird als Erek­ti­ons­stö­rung bezeichnet.

Erek­ti­ons­stö­run­gen tre­ten mit zuneh­men­dem Alter häu­fi­ger auf. Betrof­fen sind etwa 1 bis 2% der 40jährigen und ca. 15 bis 20% der 65jährigen. Rau­chen stellt den Haupt­ri­si­ko­fak­tor für das Auf­tre­ten einer Erek­ti­ons­stö­rung dar.

Erek­ti­ons­stö­run­gen kön­nen ent­we­der ohne erkenn­ba­re Ursa­che, oder als Fol­ge einer ande­ren Erkran­kung, z. B. einer Zucker­er­kran­kung (Dia­be­tes mel­li­tus), einer Gefäß­er­kran­kun­gen (Arte­rio­skle­ro­se), einer Ner­ven­er­kran­kung (Poly­neu­ro­pa­thie) oder eines Blut­hoch­drucks, auf­tre­ten. Zudem kann eine Erek­ti­ons­stö­rung als Fol­ge der Ein­nah­me von ver­schie­den Medi­ka­men­ten (bei Blut­hoch­druck, Anti­de­pres­si­va etc.) auftreten.

Häu­fig sind Erek­ti­ons­stö­run­gen auch als Fol­ge von Ver­let­zun­gen (z.B. Becken­frak­tur) oder Ope­ra­tio­nen (Radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie bei Pro­sta­ta­krebs, Ope­ra­tio­nen des End­darms z.B. bei Rekt­um­kar­zi­nom) bekannt.

Vor Ein­lei­tung einer The­ra­pie soll­ten eine gründ­li­che Vor­un­ter­su­chung des betrof­fe­nen Man­nes erfol­gen, um Ursa­chen und Risi­ko­fak­to­ren genau­er beur­tei­len und ggf. behan­deln zu kön­nen. Dies dient u.a. dazu Fol­ge­krank­hei­ten, wie z.B. einem Herz­in­farkt, vorzubeugen.

Der physiologische Erektionsvorgang

Das Schwell­kör­per­ge­we­be selbst weist eine schwamm­ar­ti­ge Struk­tur auf. Ver­ein­facht gesagt tritt eine Erek­ti­on dadurch ein, dass die Blut­zu­fuhr durch Erwei­te­rung der Arte­ri­en gestei­gert wird. Das Blut wird vom Herz unter Druck in das schwamm­ar­ti­ge Gewe­be des Schwell­kör­pers gepumpt. Die­ser ist wie­der­um umge­ben vom fes­ten Bin­de­ge­we­be der Schwell­kör­per­wand. Die Blut­ge­fä­ße, wel­che sonst für den Blut­ab­strom sor­gen (Venen), wer­den hier­bei zusam­men­ge­presst, sodass der Druck im Schwell­kör­per ansteigt und sich der Penis so ver­steift und aufrichtet.

Der Ablauf einer phy­sio­lo­gi­schen Erek­ti­on stellt einen kom­ple­xen Vor­gang dar. Das Zusam­men­spiel von Ner­ven auf Ebe­ne des Gehirns, Rücken­mar­kes und Beckens mit Blut­ge­fä­ßen und Hor­mo­nen ist hier­bei not­wen­dig und kann durch psy­chi­sche Fak­to­ren, Hor­mon­stö­run­gen, Gefäß- oder Ner­ven­er­kran­kun­gen, sowie Ver­än­de­run­gen des Schwell­kör­per­ge­we­bes gestört werden.

Häu­fig besteht auch eine Kom­bi­na­ti­on aus meh­re­ren Faktoren.

Notwendige ärztliche Untersuchungen

Da eine Erek­ti­ons­stö­rung die Fol­ge einer bis­lang unent­deck­ten, schwer­wie­gen­den Erkran­kung sein kann, soll­te vor der Ein­lei­tung einer Behand­lung unbe­dingt eine gründ­li­che ärzt­li­che Unter­su­chung erfol­gen. Auch soll­te Ihr Arzt abwä­gen, ob in Ihrem Fall bestimm­te Behand­lungs­ar­ten mög­lich sind oder auf Grund von etwai­gen Neben­wir­kun­gen bei Ihnen nicht ange­wen­det wer­den soll­ten und Sie dahin­ge­hend beraten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Grund­sätz­lich bestehen ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze, wel­che sich nach Ursa­che der Erkran­kung, Alter und Risi­ko­fak­to­ren des Pati­en­ten und nach Prä­fe­renz des Pati­en­ten richten.

Viagra©, Levitra©, Cialis© und Co. (Die PDE‑5 Hemmer)

Als ers­ter PDE‑5 (Phosphodiesterase‑5 Hem­mer) wur­de 1998 Via­gra© zuge­las­sen. Ursprüng­lich wur­de der Wirk­stoff zur Behand­lung eines Lun­gen­blut­hoch­dru­ckes ent­wi­ckelt. In den Stu­di­en berich­te­ten Pati­en­ten jedoch über eine Ver­bes­se­rung der erek­ti­len Funk­ti­on, sozu­sa­gen als „Neben­wir­kung“.

Hier­nach wur­de der Wirk­stoff Sil­dena­fil auch zur Behand­lung der Erek­ti­len Funk­ti­on geprüft und zugelassen.

In den Fol­ge­jah­ren gelang­ten wei­te­re PDE‑5 Hem­mer, wie Var­dena­fil (Levitra©)und Tada­la­fil (Cia­lis©) zur Zulas­sung, wel­che sich in der Wir­kungs­wei­se ähn­lich sind, sich jedoch durch die Wirk­dau­er und Stoff­wech­sel im Kör­per (Phar­ma­ko­ki­ne­tik) unterscheiden.

Die Wir­kung der Medi­ka­men­te zielt auf eine stär­ke­re Erwei­te­rung der den Penis ver­sor­gen­den Blut­ge­fä­ße ab, sodass die Erek­ti­ons­fä­hig­keit ver­bes­sert wird.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen die­ser Medi­ka­men­te kön­nen Kopf­schmer­zen, nied­ri­ger Blut­druck und Seh­stö­run­gen (ver­schwom­men Sehen, Farb­seh­stö­run­gen) sein.

Zu wei­te­ren Neben­wir­kun­gen lesen Sie die Packungs­bei­la­ge und fra­gen Sie Ihren Arzt oder Apo­the­ker. Ins­be­son­de­re soll­te durch einen Arzt geprüft wer­den, ob Grün­de und Risi­ko­fak­to­ren (z.B. Medi­ka­men­ten­un­ver­träg­lich­kei­ten) bestehen, wel­che gegen die Ein­nah­me der­ar­ti­ger Arz­nei­mit­tel sprechen.

Seit Juni 2013 ist Sil­dena­fil nun auch von ver­schie­de­nen Gene­ri­ka-Her­stel­lern zu bezie­hen. Vom Kauf aus unkla­ren Quel­len (z.B. Unkla­re Quel­le im Inter­net) sei an die­ser Stel­le erneut abgeraten.

Psychotherapie

Bei zahl­rei­chen Pati­en­ten, ins­be­son­de­re in den jün­ge­ren Lebens­jah­ren, fin­det eine psy­chi­sche Kom­po­nen­te als mög­li­cher Aus­lö­ser der Erektionsstörung.

Ggf. kann hier die Über­wei­sung an einen spe­zia­li­sier­ten Psychotherapeuten/

Psych­ia­ter zur Klä­rung mög­li­cher The­ra­pie­an­sät­ze sinn­voll sein.

Schwellkörperautoinjektion (SKAT)

Soll­te die Ver­wen­dung der in Tablet­ten­form erhält­li­chen Medi­ka­men­te zu kei­ner aus­rei­chen­den Bes­se­rung der Erek­ti­ons­stö­rung geführt haben, kann die Anwen­dung von Wirk­stof­fen wel­che direkt in den Schwell­kör­per inji­ziert wer­den pro­biert wer­den. Hier­bei erfolgt die ers­te Anwen­dung zumeist durch den Uro­lo­gen/-in um den ers­ten The­ra­pie­er­folg zu beur­tei­len und um ggf. sono­gra­phisch die Durch­blu­tung der Penis­schwell­kör­per mes­sen zu können.

Soll­te hier ein The­ra­pie­er­folg fest­stell­bar sein, kann die Anwen­dung durch den Pati­en­ten selbst erfol­gen. Hier­zu ist eine Selbstin­jek­ti­on ca. 10–20 Minu­ten vor dem Geschlechts­ver­kehr not­wen­dig. Sei­tens der Phar­ma­un­ter­neh­men wer­den hier indi­vi­du­ell dosier­ba­re Fer­tig­sprit­zen ange­bo­ten (z.B. CAVERJECT©). Die hier­bei ver­wen­de­ten Nadeln sind sehr dünn und mit denen eines Insu­lin-Pen bei Dia­be­ti­kern ver­gleich­bar. Die Anwen­dung ist somit nicht schmerzhaft.

Alter­na­tiv kann der hier ver­wen­de­te Wirk­stoff auch über eine Schmelz­ta­blet­te in die Harn­röh­re ein­ge­führt wer­den (MUSE©).

Wel­ches Ver­fah­ren gewählt wird, soll­te der Arzt gemein­sam mit dem Pati­en­ten in einem indi­vi­du­el­len Gespräch entscheiden.

Vakuumpumpe

Alter­na­tiv zur Ver­wen­dung von Medi­ka­men­te kann die Ver­wen­dung einer Vaku­um­pum­pe zur Behand­lung der Erek­ti­ons­stö­rung pro­biert wer­den. Hier­bei wird ein Zylin­der über Penis gestülpt in wel­chem ein Vaku­um erzeugt wird. Hier­durch dehnt sich der Schwell­kör­per und Blut strömt in den Penis ein. Sobald die Erek­ti­on ein­ge­tre­ten ist wird ein Gum­mi­ring über die Penis­ba­sis gestülpt, wel­cher das Abflie­ßen des Blu­tes ver­hin­dern soll.

Schwellkörperprothese

Soll­ten die bis­lang genann­ten Behand­lungs­mög­lich­kei­ten ohne Erfolg geblie­ben sein, steht als letz­te Opti­on die Implan­ta­ti­on einer Schwellkörperprothese.

Hier­bei wer­den die Schwell­kör­per durch halb­fes­te (semi­re­gi­de) oder hydrau­li­sche Pro­the­sen­schen­kel ersetzt. Bei hydrau­li­schen Pro­the­sen besteht über einen Ven­til­me­cha­nis­mus die Mög­lich­keit die Schwell­kör­per­pro­the­se zu akti­vie­ren und zu deak­ti­vie­ren und somit die Erek­ti­on zu steuern.

Da durch die Ope­ra­ti­on die Schwamm­struk­tur des Schwell­kör­pers geschä­digt wird, ist es nach einem sol­chen Ein­griff nicht mög­lich, auf ande­re The­ra­pie­mög­lich­kei­ten (Tablet­ten, SKAT) zurück zu wechseln.

Ent­spre­chen­de Ope­ra­tio­nen wer­den in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren vorgenommen.

Die Dia­gnos­tik und Behand­lungs­pla­nung soll­te bei jeden Pati­en­ten indi­vi­du­ell erfol­gen. Wen­den Sie Sich an einen nie­der­ge­las­se­nen Uro­lo­gen. Die­ser wird Sie ent­spre­chend bera­ten und mit Ihnen ein The­ra­pie­kon­zept erarbeiten.

Soll­ten Sie wei­te­re Rück­fra­gen haben, wen­den Sie sich bit­te an uns.

 

Quel­le DGU