Movember — die globale Männer-Gesundheitsaktion im November

Der Novem­ber steht vor der Tür und damit erneut die glo­ba­le Män­ner­ge­sund­heits-Akti­on „Movem­ber“: Hin­ter der Wort­schöp­fung aus Novem­ber und mousta­che (eng­lisch für Schnurr­bart) steht eine welt­wei­te Orga­ni­sa­ti­on, die seit 2003 Män­ner dazu auf­ruft, sich im Akti­ons-Monat einen Schnurr­bart wach­sen zu las­sen, um damit auf die Initia­ti­ve auf­merk­sam zu machen und Spen­den für Gesund­heits­pro­gram­me in den Berei­chen Pro­sta­ta- und Hoden­krebs sowie see­li­sches Wohl­be­fin­den und kör­per­li­che Akti­vi­tät zu sammeln.

Auch Frau­en sind aus­drück­lich auf­ge­for­dert, die Cha­ri­ty-Akti­on zu unter­stüt­zen. Bis heu­te haben sich Mil­lio­nen soge­nann­ter Mo-Bro­thers und Mo-Sis­ters in zahl­ei­chen Län­dern die­ser Welt für die Movem­ber Foun­da­ti­on enga­giert und mehr als 465 Mil­lio­nen Euro Spen­den­gel­der gesam­melt, mit denen über 1000 Gesund­heits­pro­gram­me in 21 Län­dern unter­stützt wer­den. Finan­ziert wer­den glo­ba­le, län­der­spe­zi­fi­sche sowie loka­le Pro­jek­te, die in gro­ßer Trans­pa­renz online für jeder­mann ein­zu­se­hen sind.

Auch in Deutsch­land fin­det der Movem­ber jähr­lich zahl­rei­che Unter­stüt­zer und lässt Schnurr­bär­te für den guten Zweck sprie­ßen. Mit dabei ist in die­sem Jahr auch das glo­bal täti­ge Unter­neh­men Take­da, das sich seit nun­mehr 25 Jah­ren im Diens­te der Män­ner­ge­sund­heit enga­giert. Im Rah­men die­ses Jubi­lä­ums hat das Uro­lo­gie-Team bei Take­da in Deutsch­land auf der Home­page von Movem­ber das Netz­werk „Take­da Movem­ber Chal­len­ge“ ein­ge­rich­tet und spen­det für die ers­ten 2.000 Regis­trie­run­gen jeweils 10 Euro. Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) begrü­ßen die­ses Engagement.

Den offi­zi­el­len Start der Take­da Chal­len­ge auf dem 67. DGU-Kon­gress in Ham­burg beglei­te­ten unter ande­ren hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter der Uro­lo­gen (im Foto von links nach rechts): BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schroe­der, Prof. Dr. Chris­ti­an Döhn, Ben Ars­lan, Movem­ber Coun­try Mana­ger Deutsch­land, Jean-Luc Delay, Geschäfts­füh­rer Take­da Deutsch­land und DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth. Außer­dem gab es pro­mi­nen­te Unter­stüt­zung von den ehe­ma­li­gen Hand­ball-Stars Micha­el und Uli Roth (re. außen), die bei­de 2009 an Pro­sta­ta­krebs erkrank­ten. Seit­dem set­zen sich die Zwil­lin­ge dafür ein, dass Män­ner früh­zei­tig zum Arzt gehen und Krebs­früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen nutzen.

Koope­ra­ti­ons­part­ner von Movem­ber in Deutsch­land ist der gemein­nüt­zi­ge Spen­den- und För­der­ver­ein des Bun­des­ver­ban­des Pro­sta­ta­krebs Selbst­hil­fe e.V. (BPS): der För­der­ver­ein Hil­fe bei Pro­sta­ta­krebs e. V. (FHbP).

Quel­le: DGU

Der unwillkürliche Harnverlust (Harninkontinenz)

Allgemeines

Der unwill­kür­li­che, unkon­trol­lier­te Harn­ver­lust wird vom Uro­lo­gen als Harn­in­kon­ti­nenz bezeich­net. Der betrof­fe­ne Pati­ent ist außer­stan­de, den Zeit­punkt des Was­ser­las­sens selbst zu bestim­men. Dies kann unter­schied­li­che Ursa­chen haben. Eine Stö­rung des kom­ple­xen Zusam­men­spiels zwi­schen Harn­bla­se, Harn­röh­re, Harn­bla­sen­schließ­mus­kel, und Becken­bo­den­mus­ku­la­tur kann zu die­sem Beschwer­de­bild bei­tra­gen. Beim Mann kann zudem eine ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta zu einer Bla­sen­ent­lee­rungs­stö­rung füh­ren, wel­che eben­falls unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te zu Fol­ge haben kann.

Die Harn­in­kon­ti­nenz ist ein ver­brei­te­tes Lei­den, das bevor­zugt Frau­en im mitt­le­ren und höhe­ren Lebens­al­ter, aber auch jün­ge­re Men­schen und Män­ner betrifft. Durch die zuneh­men­de Lebens­er­war­tung und Pati­en­ten, wel­che auch im höhe­ren Alter ihr Leben aktiv gestal­ten kommt die­ser Erkran­kung eine immer grö­ße­re medi­zi­ni­sche und gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu.

In Deutsch­land sind schät­zungs­wei­se etwa 6 Mil­lio­nen Men­schen von einer Harn­in­kon­ti­nenz betrof­fen. Oft wird die­ses Lei­den vom Pati­en­ten aus Scham­ge­fühl selbst dem Arzt gegen­über nicht erwähnt. Unan­ge­neh­me Begleit­erschei­nun­gen des unwill­kür­li­chen Harn­ab­gangs kön­nen Geruchs­ent­wick­lung und Haut­er­kran­kun­gen im Geni­tal­be­reich durch das feuch­te Milieu sein.

Der see­li­sche Lei­dens­druck durch eine Inkon­ti­nenz ist hoch und kann zu erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen der Lebens­qua­li­tät füh­ren. Eine Mit­be­hand­lung durch einen Uro­lo­gen ist in jedem Fall sinn­voll, um die Ursa­che der Inkon­ti­nenz bes­ser zu beur­tei­len und The­ra­pie­op­tio­nen aufzuzeigen.

Formen und Ursachen einer Harninkontinenz

Der Uro­lo­ge unter­schei­det zwi­schen einer Belas­tungs- und einer Dranginkontinenz.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tritt der Urin­ver­lust typi­scher­wei­se unter kör­per­li­cher Belas­tung auf. Bei einer leich­te­ren Aus­prä­gung geht Urin vor allem bei schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit ver­lo­ren. Eben­so kön­nen Uri­n­ab­gän­ge beim Hus­ten, Lachen oder Nie­sen auf­tre­ten. Bei sehr schwe­ren For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tre­ten Urin­ver­lust auch in kör­per­li­che Ruhe und im Lie­gen auf. Betrof­fen sind hier vor allem Frau­en. Ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor kann dabei eine Schä­di­gung des Becken­bo­dens durch (mehr­fa­che) vagi­na­le Ent­bin­dun­gen sein. Sel­te­ne­re Ursa­chen sind z.B. Fis­tel­bil­dun­gen zwi­schen Schei­de und Harn­bla­se, als Fol­ge von Ver­let­zun­gen, Ope­ra­tio­nen oder einer Strah­len­the­ra­pie. Auch Män­ner kön­nen von einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz betrof­fen sein. Hier tre­ten die Beschwer­den als uner­wünsch­te Neben­wir­kung zum Bei­spiel nach einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on oder nach einer ope­ra­ti­ven Ver­klei­ne­rung der Pro­sta­ta bei gut­ar­ti­ger Ver­grö­ße­rung auf.

Bei einer Dran­gin­kon­ti­nenz kommt es zu unwill­kür­li­chen, unkon­trol­lier­ten Urin­ver­lus­ten, wel­che nor­ma­ler­wei­se mit einem schnell auf­tre­ten­den Harn­drang ein­her­ge­hen. Der Urin kann dabei nicht bis zum Auf­su­chen der Toi­let­te zurück­ge­hal­ten wer­den und ent­leert sich oft schwall­ar­tig. Beglei­tend ist oft­mals eine häu­fi­ger Harn­drang mit ent­spre­chend gehäuf­ten Toi­let­ten­be­su­chen, wel­che bei sehr kur­zen Inter­val­len von teils <30 Minu­ten auch erheb­lich beein­träch­ti­gen sind. Von einer soge­nann­ten Über­ak­ti­ven Bla­se („Reiz­bla­se“) mit beglei­ten­der Inkon­ti­nenz sind Frau­en etwa dop­pelt so häu­fig betrof­fen wie Män­ner. Ursa­che einer sol­chen Sym­pto­ma­tik kön­nen bak­te­ri­el­le Infek­tio­nen der Harn­bla­se, Bla­sen­tu­mo­re, Ner­ven­er­kran­kun­gen, Rücken­marks­schä­den oder Fremd­kör­per in der Bla­se sein. Sehr häu­fig fin­det man aller­dings kei­nen Aus­lö­ser für die­se Erkran­kung. Misch­for­men zwi­schen bei­den Inkon­ti­nenz­for­men tre­ten auf.

Untersuchung durch den Urologen

Neben der all­ge­mei­nen ärzt­li­chen Unter­su­chung ste­hen ver­schie­de­ne spe­zi­el­le Unter­su­chun­gen zur Beur­tei­lung und The­ra­pie­pla­nung bei Inkon­ti­nenz zur Verfügung.

Trink- und Miktionsprotokoll

Vom Pati­en­ten über min­des­tens 48h Stun­den zu füh­ren­de Tabel­le, in wel­cher er die Trink­men­ge, die Toi­let­ten­be­su­che (Uhr­zeit), die Urin­men­ge, unwill­kür­li­che Urin­ver­lus­te und Dran­gepi­so­den doku­men­tiert. Ein sol­ches Pro­to­koll hilft dem Uro­lo­gen das Pro­blem zu objek­ti­vie­ren und Situa­tio­nen zu erken­nen, in wel­chen es zu gehäuf­ten Harn­drang kommt.

Pad-Test

Bei die­sem Ver­fah­ren wird der Pati­ent bei gefüll­ter Bla­se mit einer Inkon­ti­nenz­vor­la­ge aus­ge­stat­tet. Unter defi­nier­ter kör­per­li­cher Belas­tung, oder Tra­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum (24h) tre­ten z.B. bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz Urin­ver­lus­te auf. Die Vor­la­gen kön­nen hier­nach gewo­gen wer­den und die Men­ge des Urin­ver­lus­tes bestimmt werden.

Blasenspiegelung/vaginale Unter­su­chung

Zur nähe­ren Abklä­rung einer Inkon­ti­nenz ist eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) uner­läss­lich. Die Unter­su­chung erlaubt dem Uro­lo­gen krank­haf­te Ver­än­de­run­gen und damit Ursa­chen einer Inkon­ti­nenz in der Bla­se zu erken­nen. Des Wei­te­ren lässt die­se Unter­su­chung eine Beur­tei­lung der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des Bla­sen­schließ­mus­kel zu. Bei Frau­en wird die Unter­su­chung oft mit einer vagi­na­len Unter­su­chung kom­bi­niert, um eine evtl. bestehen­de Blasen­sen­kung zu erkennen.

Uro­dy­na­mik

Um den Ablauf der Bla­sen­ent­lee­rung, die Steue­rung der Bla­se durch die Ner­ven und die in der Harn­bla­se wäh­rend des Was­ser­las­sens herr­schen­den Drü­cke zu mes­sen und zu beur­tei­len kann eine sog. Uro­dy­na­mi­sche Mes­sung (Uro­dy­na­mik) erfol­gen. Hier­bei wird ein dün­ner Bla­sen­ka­the­ter in die Harn­bla­se ein­ge­führt und die Bla­se voll­stän­dig ent­leert. Über den Kathe­ter kann nun der Druck in der Harn­bla­se bestimmt wer­den. Aus mess­tech­ni­schen Grün­den ist es gleich­zei­tig not­wen­dig einen dün­nen Bal­lon­ka­the­ter im End­darm zu platzieren.

Die Bla­se wird nun com­pu­ter­ge­steu­ert mit war­mer Koch­salz­lö­sung lang­sam gefüllt. Es wird damit eine natür­li­che Fül­lung der Harn­bla­se mit Urin im Zeit­raf­fer simu­liert. Wäh­rend der Mes­sung wird der Pati­ent befragt, ob er einen Harn­drang ver­spürt und wie stark die­ser ist. Auch Urin­ver­lus­te wer­den wäh­rend der Mes­sung doku­men­tiert. Wenn die Bla­se so stark gefüllt ist, dass der Pati­ent einen Harn­drang ver­spürt, wird die­ser auf­ge­for­dert bei lie­gen­dem Kathe­ter zu uri­nie­ren. Hier­bei wer­den nun erneut die Druck­wer­te in der Bla­se gemes­sen. Die Unter­su­chung erlaubt Rück­schlüs­se auf die Art einer Inkon­ti­nenz und kann Aus­kunft geben, ob etwai­ge ope­ra­ti­ve The­ra­pie­ver­fah­ren sinn­voll sind. Wei­ter­hin erhält der Arzt Infor­ma­tio­nen über die Druck­ver­hält­nis­se in der Harn­bla­se und kann anhand die­ser beur­tei­len, ob ein Risi­ko für eine Nie­ren­schä­di­gung (z.B. bei sehr hohen Bla­sen­drü­cken) besteht.

Bei der sog. Video-Uro­dy­na­mik wer­den par­al­lel zu der Druck­mes­sung Rönt­gen­bil­der der Harn­bla­se und des Harn­trak­tes ange­fer­tigt, wel­che die Arbeit des Becken­bo­dens und der Harn­bla­se bes­ser beur­tei­len las­sen. Eine Uro­dy­na­mi­sche-Mes­sung ist durch die Kathe­ter­an­la­ge für Pati­en­ten zwar etwas unan­ge­nehm, aller­dings nicht schmerzhaft.

Welche Therapieverfahren sind möglich?

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz der Frau

Da die­se Inkon­ti­nenz­form oft auf einer Schwä­che der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des umge­ben­den Bin­de­ge­we­bes beruht, ist ins­be­son­de­re bei leich­ten For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz eine pro­fes­sio­nell ange­lei­te­te Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Um die Pro­ble­ma­tik effek­tiv zu ver­bes­sern ist eine regel­mä­ßi­ge Anwen­dung not­wen­dig. Eine kurz­fris­ti­ge The­ra­pie von z.B. 2–3 Wochen bringt kei­nen Erfolg.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist ergän­zend zur Becken­bo­den­gym­nas­tik der Wirk­stoff Dulo­xe­tin zur Ver­bes­se­rung der Inkon­ti­nenz­sym­pto­ma­tik zuge­las­sen. Bei die­sem Wirk­stoff han­delt es sich ursprüng­lich um ein Anti­de­pres­si­vum. Neben­wir­kun­gen kön­nen, ins­be­son­de­re bei schnel­ler Dosis­stei­ge­rung, auf­tre­ten und z.T. aus­ge­prägt sein. Soll­te eine schwer­wie­gen­de­re Belas­tungs­in­kon­ti­nenz bei einer Frau bestehen, so bestehen auch ope­ra­ti­ve Mög­lich­kei­ten die­se zu besei­ti­gen oder zu lin­dern. Gän­ge Ver­fah­ren sind hier­bei das Ein­brin­gen eines Kunst­stoff­ban­des unter die Harn­röh­re. Dies erfolgt ent­we­der über einen klei­nen Schnitt durch die Bauch­de­cke (TVT: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape) oder über die Schen­kel­beu­ge (TVT‑O: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape Obtu­ra­tor). Die Erfolgs­ra­ten hin­sicht­lich der Besei­ti­gung der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit die­sen Ver­fah­ren sind hoch. Zu beach­ten ist jedoch, dass ein­mal in den Kör­per ein­ge­brach­tes Band­ma­te­ri­al schwie­rig bis gar nicht zu ent­fer­nen ist. Neben­wir­kun­gen wie Ent­zün­dun­gen des Band­ma­te­ri­als oder Fremdkörpergefühl/Schmerzen kön­nen auftreten.

Die Indi­ka­ti­on ist daher kri­tisch zu stellen.

Soll­te bei einer Frau die Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit einer kom­ple­xen Sen­kung des Becken­bo­dens ein­her­ge­hen kann auch das Ein­brin­gen von grö­ße­ren Net­zen in den Becken­bo­den not­wen­dig wer­den. Hier ist beson­ders die Mit­be­ur­tei­lung durch einen Gynä­ko­lo­gen zu emp­feh­len. Als Alter­na­ti­ve besteht die Mög­lich­keit den Bla­sen­hals ope­ra­tiv ohne Ein­brin­gen von Netz­ma­te­ria­li­en anzu­he­ben. Die­se Metho­de nennt der Uro­lo­ge Kol­pus­sus­pen­si­on nach Burch. Die Metho­de ist in etwa so erfolg­ver­spre­chend wie die genann­ten Band­ope­ra­tio­nen. Es kann jedoch nach eini­gen Jah­ren zu einem erneu­ten Auf­tre­ten der Inkon­ti­nenz kom­men, was eine Wie­der­ho­lung des Ein­grif­fes not­wen­dig macht.

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz des Mannes

Häu­figs­te Ursa­che einer männ­li­chen Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist, trotz immer wei­ter ver­bes­ser­ter OP-Tech­nik, eine Schä­di­gung des Schließ­mus­kels im Rah­men einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on. Wäh­rend in den ers­ten 6 Mona­ten nach einer sol­chen Ope­ra­ti­on noch rela­tiv vie­le Män­ner Inkon­ti­nenz­vor­la­gen benut­zen müs­sen, sinkt die Zahl der Betrof­fe­nen hier­nach auf ca. 2–10%. In der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pha­se ist vor allem eine inten­si­ve und pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung zur Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Soll­te im lang­fris­ti­gen Ver­lauf eine für den Pati­en­ten stö­ren­de Inkon­ti­nenz bestehen, so sind auch hier ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren ver­füg­bar. Je nach Schwe­re der Inkon­ti­nenz kom­men hier­bei eben­falls Band­ma­te­ria­li­en (z.B. Advance-Band, Argus-Schlinge) zum Ein­satz, wel­che die Harn­röh­re und den Schließ­mus­kel unterstützen.

Bei sehr aus­ge­präg­ten For­men der Inkon­ti­nenz kann schließ­lich die Implan­ta­ti­on eines künst­li­chen Bla­sen­schließ­mus­kels ange­bo­ten wer­den. Die­se OP-Ver­fah­ren wer­den in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren ange­bo­ten und haben eine hohe Erfolgs­ra­te. Nach­tei­le bestehen für den Pati­en­ten in der jeweils bei jedem Toi­let­ten­be­such durch­zu­füh­ren­den manu­el­len Bedie­nung. Wei­ter­hin ber­gen Implan­ta­te ein Infek­ti­ons­ri­si­ko bei bak­te­ri­el­ler Besied­lung, was zu Fol­ge­ope­ra­tio­nen füh­ren kann.

Dran­gin­kon­ti­nenz

Die The­ra­pie einer Dran­gin­kon­ti­nenz ist in ers­ter Linie eine kon­ser­va­ti­ve, medi­ka­men­tö­se The­ra­pie. Zunächst soll­ten evtl. ursäch­li­che Beglei­ter­kran­kun­gen (z.B. Mul­ti­ple Skle­ro­se) erkannt und behan­delt wer­den. Hier­durch ist teil­wei­se schon eine Lin­de­rung der Beschwer­den mög­lich. Oft­mals wer­den jedoch kei­ne expli­zi­ten Ursa­chen gefun­den. Zur wei­te­ren The­ra­pie ste­hen ver­schie­den Medi­ka­men­te zur Ver­fü­gung, wel­che die Akti­vi­tät des Bla­sen­mus­kels redu­zie­ren und dadurch Drang- und Inkon­ti­nen­z­epi­so­den ver­min­dern oder besei­ti­gen kön­nen. Die­se Medi­ka­men­te wer­den auch als Anti­cho­liner­gi­ka bezeich­net. Unter die­sen Anti­cho­liner­gi­ka gibt es eine Viel­zahl von ver­schie­de­nen Wirk­stof­fen, deren The­ra­pie­prin­zip jedoch ähn­lich ist. Wel­ches Prä­pa­rat für den ein­zel­nen Pati­en­ten opti­mal ist, ent­schei­det der Uro­lo­ge anhand mög­li­cher Beglei­ter­kran­kun­gen und des Alters des Pati­en­ten. Neben­wir­kun­gen kön­nen ein tro­cke­ner Mund oder Ver­stop­fung sein. Ein The­ra­pie­er­folg ist oft erst nach eini­gen Wochen der The­ra­pie zu beurteilen.

Soll­te mit die­sen Medi­ka­men­ten kein Erfolg zu erzie­len sein, ist die Ver­wen­dung von Botu­li­num­to­xin mög­lich. Der Wirk­stoff ist vie­len Men­schen durch die Medi­en im Rah­men von Schön­heits­ope­ra­tio­nen bekannt (Fal­ten­be­hand­lung). Im Rah­men einer hart­nä­cki­gen Dran­gin­kon­ti­nenz wird die­ses Medi­ka­ment direkt bei einer Harn­bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) in den Bla­sen­mus­kel gespritzt. Die­se Pro­ze­dur kann mit loka­ler Betäu­bung durch­ge­führt wer­den und ist nicht schmerzhaft.

Der The­ra­pie­er­folg hält meist zwi­schen 6–12 Mona­ten an. Danach muss die Pro­ze­dur wie­der­holt wer­den. Eine uner­wünsch­te Wir­kung die­ser Behand­lung besteht in einer über­schie­ßen­den Wir­kung, wel­che es dem Pati­en­ten teils nicht erlaubt die Bla­se voll­stän­dig zu ent­leer­ten. Mit Nach­las­sen der Wir­kung ver­schwin­det die­ser uner­wünsch­te Effekt, aller­dings kann für den Zeit­raum ein vor­über­ge­hen­de selb­stän­di­ges kathe­te­ri­sie­ren durch den Pati­en­ten not­wen­dig werden.

Bei sehr aus­ge­präg­ten Form einen Dran­gin­kon­ti­nenz, ggf. in Kom­bi­na­ti­on mit einer schwer­wie­gen­den chro­ni­schen Ent­zün­dung der Bla­se (z.B.: Inter­s­ti­ti­el­le Cys­ti­tis) kann auch eine ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung der Bla­se als letz­te Alter­na­ti­ve ver­blei­ben. Die Harn­ab­lei­tung erfolgt dann z.B. über einen kathe­te­ri­sier­ba­ren Nabel­pouch, ein Ileum­con­du­it oder eine „Ersatzblase“-Neoblase.

Für Pati­en­ten die kei­ne medi­ka­men­tö­se oder ope­ra­ti­ve Behand­lung wün­schen besteht die Mög­lich­keit einer Bio­feed­back und Elek­tro­sti­mul­ti­ons­be­hand­lung. Behand­lungs­kos­ten wer­den durch die Kran­ken­kas­se über­nom­men. Eine pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung in Hand­ha­bung und Bedie­nung ist not­wen­dig um einen The­ra­pie­er­folg zu erzie­len. Die The­ra­pie selbst wird dann vom Pati­en­ten selbst über einen län­ge­ren Zeit­raum (min­des­tens 3–6 Mona­te) selbst­stän­dig durch­ge­führt. Ein The­ra­pie­er­folg ist nicht sicher. Die Ver­triebs­fir­men bie­ten eine sol­che Anlei­tung durch geschul­te Mit­ar­bei­ter an. Der Uro­lo­ge kann den Pati­en­ten ent­spre­chend bera­ten und eine Behand­lung in die Wege leiten.

Quel­le: DGU

Volkskrankheit Harnsteine

Harn­stei­ne fal­len längst in die Kate­go­rie der Volks­krank­hei­ten: Welt­weit gehö­ren sie zu den häu­figs­ten Erkran­kun­gen, in vie­len Län­dern mit stark zuneh­men­der Ten­denz. In Deutsch­land hat sich die Zahl der jähr­li­chen Neu­erkran­kun­gen seit Mit­te der 1980er-Jah­re ver­drei­facht. „Wir gehen heu­te davon aus, dass etwa jeder Zehn­te ein­mal im Leben einen Harn­stein ent­wi­ckelt, von denen dann grob jeder Vier­te spä­ter erneut Stei­ne bekommt“, sagt Prof. Dr. Tho­mas Knoll, Chef­arzt der Sin­del­fin­ger Kli­nik für Uro­lo­gie und zugleich der Vor­sit­zen­de des Arbeits­krei­ses Harn­stei­ne der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen. Da Harn­stei­ne hier­zu­lan­de seit eini­gen Jah­ren hin­ter Pro­sta­taer­kran­kun­gen die zweit­häu­figs­te Dia­gno­se uro­lo­gi­scher Kli­ni­ken sind, hat­te die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) ihn als Koor­di­na­tor für die Erstel­lung einer neu­en „Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thia­sis“ bestellt. Als Leit­li­nie der Qua­li­tät S2k hat die Arbeit einen umfas­sen­den Kon­sen­sus­pro­zess durch­lau­fen. Nach Wor­ten von DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth wird die Bedeu­tung von Stein­erkran­kun­gen und der neu­en Leit­li­nie beim 67. DGU-Kon­gress vom 23. bis 26. Sep­tem­ber 2015 in Ham­burg mit einem Forum unterstrichen.

Die neue Harn­stein-Leit­li­nie soll die Behand­lung von Kin­dern und Erwach­se­nen mit Uro­li­thia­sis in Kli­nik und Pra­xis unter­stüt­zen, aber auch Pati­en­ten über Nie­ren- und Harn­lei­ter­stei­ne infor­mie­ren. Bla­sen­stei­ne, bei denen eine ande­re Kau­sa­li­tät als bei Stei­nen des obe­ren Harn­trakts vor­liegt, sind in der Leit­li­nie nicht berück­sich­tigt. Die zuneh­men­de Häu­fig­keit von Harn­stein­er­kran­kun­gen wird in der Leit­li­nie sowohl auf ver­än­der­te Lebens­um­stän­de und Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten zurück­ge­führt. Über­ge­wicht, Bewe­gungs­man­gel, Dia­be­tes sowie fort­ge­schrit­te­nes Lebens­al­ter und männ­li­ches Geschlecht sind laut Prof. Knoll bekann­te Risi­ko­fak­to­ren. Aber auch eine ver­bes­ser­te medi­zi­ni­sche Dia­gnos­tik hat dazu geführt, dass Harn­stei­ne häu­fi­ger als frü­her nach­ge­wie­sen werden.

Eben­so unter­schied­lich wie die che­mi­sche Zusam­men­set­zung von Harn­stei­nen ist, so man­nig­fal­tig kön­nen auch die aus­lö­sen­den Ursa­chen sein, die im Kör­per selbst und nicht durch äuße­re Ein­flüs­se ent­ste­hen. Sie wer­den durch unzu­rei­chen­de Flüs­sig­keits­auf­nah­me und damit unge­nü­gen­de Urin­ver­dün­nung ver­stärkt. Die Fol­gen der Harn­stein­bil­dung kön­nen nicht nur äußerst schmerz­haft, son­dern auch sehr schwer­wie­gend aus­fal­len: Manch Betrof­fe­ner wird klei­ne­re Stei­ne zwar auf natür­li­chem Wege wie­der los, bei grö­ße­ren Exem­pla­ren schafft aber nur eine der ver­schie­de­nen The­ra­pie­op­tio­nen Abhil­fe. Jedoch ist mit der Ent­fer­nung eines Harn­steins — egal ob natür­lich oder the­ra­peu­tisch — die Ursa­che nicht besei­tigt. In vie­len Fäl­len kommt es wie­der zu Stei­nen. Prof. Knoll zu den Fol­gen: „Zwi­schen häu­fi­ger Stein­bil­dung und der Nie­ren­funk­ti­ons­stö­rung besteht eine kla­re Kor­re­la­ti­on.“ So führt nach sei­ner Ein­schät­zung die wie­der­hol­te Bil­dung von Kal­zi­umstei­nen in gut jedem zehn­ten Fall zu einer Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz. Auch zwi­schen Herz- und Herz­kreis­lauf­erkran­kun­gen wie Blut­hoch­druck oder der Ver­en­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße gebe es einen engen Zusam­men­hang mit Stein­lei­den. Der Uro­lo­ge wei­ter: „Aller­dings wis­sen wir noch nicht genau, was von bei­den dabei Ursa­che und was Fol­ge ist.“

Die neue Uro­li­thia­sis-Leit­li­nie, die eine Ver­si­on von 2009 ersetzt, greift ins­be­son­de­re aktu­el­le Ent­wick­lun­gen in der bild­ge­ben­den Dia­gnos­tik und in der Inter­ven­ti­on auf. So wird die Not­wen­dig­keit dia­gnos­ti­scher Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen wie etwa der Aus­schei­dungs­uro­gra­fie auf­grund ihrer Strah­len­be­las­tung hin­ter­fragt, statt­des­sen Ultra­schall und Com­pu­ter­to­mo­gra­fie wei­ter gestärkt. Glei­ches gilt für ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe, bei denen in immer mehr Fäl­len endo­sko­pi­sche Ver­fah­ren ers­te Wahl sind. Deut­li­cher her­aus­ge­ar­bei­tet wur­de in der neu­en Leit­li­nie zudem der the­ra­peu­ti­sche Umgang mit spe­zi­el­len Risi­ko­grup­pen wie Kin­dern und Schwan­ge­ren. Brei­te­ren Raum neh­men auch die The­men Stoff­wech­sel­dia­gnos­tik und Meta­phy­la­xe ein, für die gut nach­voll­zieh­ba­re Hand­lungs­vor­schrif­ten ent­wi­ckelt wur­den. Beson­ders die the­ra­peu­ti­sche Nach­sor­ge ist nach Wor­ten von Leit­li­ni­en-Koor­di­na­tor Prof. Dr. Tho­mas Knoll sehr wich­tig und wird häu­fig ver­nach­läs­sigt: „Wenn der Schmerz erst ein­mal weg ist, ver­ges­sen vie­le die Harn­stei­ne bald wie­der. Ohne Meta­phy­la­xe liegt das Rezi­di­v­ri­si­ko, abhän­gig von der Art der Stei­ne, jedoch über 50 Pro­zent. Eine risi­ko­ad­ap­tier­te Nach­sor­ge kann dies deut­lich senken.“

An der Leit­li­ni­en­ar­beit waren elf Arbeits­krei­se (AK) der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen, dar­un­ter der AK Kin­der­u­ro­lo­gie, 13 wei­te­re Fach­ge­sell­schaf­ten und Berufs­grup­pen sowie auch ein Pati­en­ten­ver­tre­ter betei­ligt. Die neue „S2k-Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thia­sis“, deren Her­aus­ge­ber die DGU ist, wur­de kürz­lich auf der Inter­net­sei­te der Arbeits­ge­mein­schaft der Wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten e.V. (AWMF) unter der Regis­ter­num­mer 043–025 veröffentlicht.

 

Quel­le: DGU

Urologen werfen Medien Verteufelung des PSA Tests vor

Düs­sel­dorf: Wie­der gibt es Medi­en­kri­tik von Uro­lo­gen­sei­te: Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen (BDU) sehen den PSA Test in Berich­ten ver­schie­de­ner Medi­en zu Unrecht schlecht dargestellt.
Dabei geht es um die Bericht­erstat­tung zu den AOK „Fak­ten­bo­xen“, die selbst nicht Anlass der Kri­tik von DGU und BDU sind. Nach Pfings­ten hat die AOK ihre ers­ten „Fak­ten­bo­xen“ ver­öf­fent­licht, die dazu bei­tra­gen sol­len, die Gesund­heits­kom­pe­tenz von Ver­si­cher­ten zu stär­ken, indem kom­ple­xe Fra­gen zu Nut­zen und Risi­ken von medi­zi­ni­schen Behand­lun­gen, Früh­erken­nung oder Nah­rungs­er­gän­zungs­mit­teln auf kom­pak­te Wei­se beant­wor­tet wer­den. Erklär­tes Ziel ist eine ver­ständ­li­che und ein­präg­sa­me Wis­sens­ver­mitt­lung via Inter­net, die den aktu­el­len Stand der medi­zi­ni­schen For­schung berück­sich­tigt. DGU und BDU beto­ne, dass sie jede Initia­ti­ve befür­wor­ten, die dazu bei­trägt, die Gesund­heits­kom­pe­tenz der Men­schen zu stärken.

Befrem­den löst bei den Uro­lo­gen aus, dass die Medi­en das Bei­spiel des PSA-Tests zur Pro­sta­ta­krebs-Früh­erken­nung „unter dem Tenor ver­meint­lich unnüt­zer Früh­erken­nung teils sogar gefähr­li­cher Unter­su­chun­gen“ aus­drück­lich nann­ten, obwohl der Test gar nicht Gegen­stand der elf AOK-Fak­ten­bo­xen sei. (…) DGU und BDU wei­sen jedoch dar­auf hin, dass die Daten­la­ge aus Stu­di­en bis­lang noch kei­ne kla­ren wis­sen­schaft­li­chen Ergeb­nis­se zu Nut­zen und mög­li­chem Scha­den der Früh­erken­nung beim Pro­sta­ta­krebs erlau­be, weil die­se Stu­di­en eine Lauf­zeit von min­des­tens 15 Jah­ren benö­ti­gen. DGU und BDU emp­feh­len daher, wei­ter­hin Män­nern ab 45 Jah­ren, die nach aus­führ­li­cher Infor­ma­ti­on über die Vor- und mög­li­chen Nach­tei­le und unter Berück­sich­ti­gung der per­sön­li­chen Situa­ti­on eine Früh­erken­nung wün­schen, eine Tast­un­ter­su­chung und die Bestim­mung des PSA Wertes.

Ein Pro­sta­ta­krebs, der in einem frü­hen Sta­di­um fest­ge­stellt wird, kön­ne mit grö­ße­rer Aus­sicht auf völ­li­ge Hei­lung behan­delt wer­den. Die bekann­te Dis­kus­si­on um „Über­the­ra­pie“ und „Über­dia­gno­se“ habe in der inter­dis­zi­pli­nä­ren „S3-Leit­li­nie Pro­sta­ta­krebs“, die Deut­sche Krebs­ge­sell­schaft und DGU gemein­sam erar­bei­tet haben, ihren Nie­der­schlag gefun­den. Der „Ver­teu­fe­lung“ des PSA-Tests als „rei­ne Geld­ma­che­rei“ der Uro­lo­gen hal­ten DGU und BDU ent­ge­gen, dass die Sterb­lich­keit am Pro­statakar­zi­nom ins­ge­samt deut­lich abge­nom­men habe, seit es den Test gibt: In Deutsch­land um 20%, in den USA um 35“.
Quel­le DGU/BDU

Blasenkrebs — zu wenig Vorsorge führt oft zu sehr späten Zufallsbefunden

Harn­bla­sen­krebs ist die zweit­häu­figs­te uro­lo­gi­sche Tumor­er­kran­kung. Der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) macht des­halb wie­der­holt dar­auf auf­merk­sam, dass ein Tumor in der Bla­se zunächst ohne cha­rak­te­ris­ti­sche Sym­pto­me wächst. „Ein gesetz­li­ches Früh­erken­nungs­pro­gramm gibt es zur­zeit nicht“, sagt BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schroe­der. „Auch ver­schie­de­ne Bla­sen­krebs-Schnell­tests, die seit eini­ger Zeit Schlag­zei­len machen, sind noch nicht weit genug ent­wi­ckelt, um für ein gene­rel­les Scree­ning in der Bevöl­ke­rung geeig­net zu sein.“ Umso wich­ti­ger sei eine risi­ko­ad­ap­tier­te Früh­erken­nung für Per­so­nen mit einem erhöh­ten Gefähr­dungs­po­ten­zi­al, so der Neu­müns­te­ra­ner Uro­lo­ge weiter.

Das Robert Koch-Insti­tuts ver­zeich­net jähr­lich rund 29.000 Neu­erkran­kun­gen. 2010 erkrank­ten 21.550 Män­ner und 7.240 Frau­en in Deutsch­land an Bla­sen­krebs. Damit sind Män­ner fast drei­mal so oft betrof­fen wie Frau­en. Bla­sen­krebs ist die viert­häu­figs­te Krebs­art des Man­nes. Das durch­schnitt­li­che Erkran­kungs­al­ter beträgt bei Män­nern 72 Jah­re, bei Frau­en etwa 74 Jah­re. Aber auch jün­ge­re Män­ner und Frau­en kön­nen erkranken.

Mög­li­che Sym­pto­me wie Blut im Urin, Schmer­zen oder Stö­run­gen beim Was­ser­las­sen tre­ten oft erst spät auf, sind unspe­zi­fisch und kön­nen auch gänz­lich ande­re Ursa­chen haben. BDU-Prä­si­dent Schroe­der: „Häu­fig wird der Tumor als Zufalls­be­fund etwa bei einer Ultra­schall­un­ter­su­chung ent­deckt, über­wie­gend in frü­hen Sta­di­en. Den­noch sind etwa 25 bis 30 Pro­zent der Tumo­re bei Dia­gno­se­stel­lung nicht mehr ober­fläch­lich, son­dern bereits in die Bla­sen­mus­ku­la­tur ein­ge­wach­sen oder haben auf ande­re Orga­ne übergegriffen.“

Haupt­ri­si­ko­fak­tor ist Tabak­kon­sum“, sagt Dr. Axel Schroe­der. Nach Anga­ben der Deut­schen Krebs­hil­fe sind 30–70 Pro­zent aller Bla­sen­krebs­er­kran­kun­gen auf Ziga­ret­ten­rau­chen zurück­zu­füh­ren. Auch der, meist beruf­li­che, Kon­takt mit krebs­er­re­gen­den Stof­fen, wie aro­ma­ti­schen Ami­nen, die in der Gum­mi-Indus­trie, in Far­ben und in der che­mi­schen und phar­ma­zeu­ti­schen Indus­trie zum Ein­satz kom­men, erhöht das Risi­ko. Daher wird Bla­sen­krebs zum Teil auch als Berufs­krank­heit aner­kannt. Chro­ni­sche Harn­wegs­in­fek­te und bestimm­te Medi­ka­men­te sind wei­te­re Risi­ko­fak­to­ren. Fami­liä­re Häu­fun­gen wer­den beob­ach­tet, eben­falls gibt es Hin­wei­se auf gene­ti­sche Fak­to­ren bei der Ent­ste­hung von Harn­bla­sen­krebs. Geziel­te Früh­erken­nung für die­se Risi­ko­grup­pen hält der Prä­si­dent des Berufs­ver­ban­des für sinnvoll.

Das Inter­net-Tool www.risikocheck-blasenkrebs.info kann die Ein­schät­zung des indi­vi­du­el­len Bla­sen­krebs­ri­si­kos durch einen Uro­lo­gen unter­stüt­zen. „Der Risi­ko-Check ist in zwölf ver­schie­de­nen Spra­chen ver­füg­bar und wird regel­mä­ßig aktu­el­len Ände­run­gen ange­passt. Veri­fi­ziert wur­de er von der IQUO in Ber­lin, dem Inter­es­sen­ver­band zur Qua­li­täts­si­che­rung der Arbeit nie­der­ge­las­se­ner Uro-Onko­lo­gen in Deutsch­land e.V.“, erklärt Dr. Gerson Lüdecke, Ober­arzt der Kli­nik und Poli­kli­nik für Uro­lo­gie, Kin­der­u­ro­lo­gie und Andro­lo­gie an der Uni­ver­si­tät Gie­ßen, der den kos­ten­lo­sen Online-Check ent­wi­ckelt hat.

Schnell­tests auf urin­lös­li­che Bla­sen­krebs­mar­ker kom­men bei der Früh­erken­nung inzwi­schen zum Ein­satz und kön­nen die Dia­gnos­tik unter Umstän­den ergän­zen. „Wäh­rend her­kömm­li­che Tests nur ‚posi­tiv’ oder ‚nega­tiv’ anzei­gen, kön­nen die neu­es­ten Ver­fah­ren die Wahr­schein­lich­keit, dass ein Tumor in der Harn­bla­se vor­liegt, quan­ti­fi­zie­ren“, sagt Dr. Lüdecke. Eine Bla­sen­spie­ge­lung zur siche­ren Dia­gnos­tik erset­zen sie den­noch nicht. Vor frei­ver­käuf­li­chen Bla­sen­krebs-Schnell­tests war­nen die Exper­ten. „Die Früh­erken­nung von Harn­bla­sen­krebs gehört in die Hän­de eines erfah­re­nen Urologen“.

 

Quel­le DGU

Urologen warnen vor falschen Hoffnungen: Ungerechtfertigte Werbung für Außenseitertherapie „IRE“ bei Prostatakrebs

Düs­sel­dorf, 04.02.2015. Unter dem Titel „Die neue Waf­fe gegen Pro­sta­ta­krebs“ berich­tet das Wochen­ma­ga­zin „Focus“ in der Print-Aus­ga­be 5/2015 über eine neue Metho­de zur Behand­lung des Pro­sta­ta­kreb­ses, bei der angeb­lich „mit ultra­kur­zen Strom­stö­ßen Tumor­zel­len zer­stört wer­den kön­nen“. Die soge­nann­te „Irrever­si­ble Elek­tro­po­ra­ti­on“ (IRE) sei eine „scho­nen­de“ Metho­de, die beim Pro­sta­ta­krebs Potenz und Schließ­mus­kel­funk­ti­on nicht beein­träch­ti­ge und bei der „die Harn­röh­re eben­so erhal­ten bleibt wie die Erek­ti­ons­fä­hig­keit“, heißt es wei­ter in dem Arti­kel. Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) stellt klar, dass die­se Hoff­nung machen­de Wer­bung für eine „neue Tech­nik im Kampf gegen Pro­sta­ta­krebs“ unge­recht­fer­tigt und gefähr­lich ist, da der Wert die­ser Behand­lung noch völ­lig unge­si­chert ist.

Zur The­ra­pie von Pro­sta­ta­krebs mit­tels die­ser Metho­de fin­den sich in wis­sen­schaft­li­chen Lite­ra­tur­da­ten­ban­ken ledig­lich 18 Publi­ka­tio­nen. Die­se beschrei­ben die tech­ni­schen Grund­la­gen der Metho­dik oder Pro­to­kol­le neu­er Stu­di­en, die sich noch in Pla­nung befin­den“, sagt Prof. Dr. med. Oli­ver Haken­berg, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie und Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie der Uni­ver­si­tät Ros­tock. „Ledig­lich zwei Arbeits­grup­pen beschrei­ben kurz­fris­ti­ge Behand­lungs­er­geb­nis­se, aber auch nur bezüg­lich der Durch­führ­bar­keit und der Häu­fig­keit kurz­fris­ti­ger Behand­lungs­ne­ben­wir­kun­gen“, so der Gene­ral­se­kre­tär. Mit­tel- oder lang­fris­ti­ge Ergeb­nis­se zur Wirk­sam­keit und zu Neben­wir­kun­gen lie­gen nicht vor.

Nie­mand kann daher zum gegen­wär­ti­gen Zeit­punkt irgend­ei­ne Aus­sa­ge dazu machen, ob die­se Metho­de über­haupt in der Lage ist, einen Pro­sta­ta­krebs the­ra­peu­tisch zu beein­flus­sen, noch viel weni­ger ist klar, ob sie ande­ren Behand­lungs­me­tho­den über­le­gen ist. Ledig­lich die denk­ba­re, aber unbe­wie­se­ne Vor­stel­lung, dass die­se alter­na­ti­ve The­ra­pie Pro­sta­ta­krebs­zel­len zer­stö­ren kön­ne, darf kei­nes­falls Grund­la­ge dafür sein, Pati­en­ten Hoff­nun­gen zu machen“, ergänzt Prof. Dr. med. Kurt Mil­ler, 1. DGU-Vize-Prä­si­dent und Direk­tor der Uro­lo­gi­schen Kli­nik der Cha­ri­té, Ber­lin. Zudem ist die­se alter­na­ti­ve Behand­lungs­maß­nah­me mit hohen Kos­ten ver­bun­den, die auf­grund des gänz­lich feh­len­den Nut­zen­nach­wei­ses nicht von den Kran­ken­kas­sen getra­gen werden.

Bei Neu­zu­las­sung eines Medi­ka­men­tes gel­ten heu­te strengs­te Anfor­de­run­gen an den Nach­weis eines Nut­zens durch Stu­di­en. Es muss sogar der ´Zusatz­nut­zen‘ im Ver­gleich zu bestehen­den The­ra­pien belegt wer­den. Bei medi­zi­nisch-tech­ni­schen Behand­lungs­ver­fah­ren ist das anders. Hier wer­den sol­che Ansprü­che nicht ein­ge­for­dert. Allein die tech­ni­sche Durch­führ­bar­keit wird als aus­rei­chend ange­se­hen, um die Anwen­dung am Men­schen zu erlau­ben“, sagt Prof. Dr. med. Jür­gen Gschwend vom DGU-Res­sort Leit­li­ni­en und Qua­li­täts­si­che­rung und Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie der Tech­ni­schen Uni­ver­si­tät München.

Für die Exper­ten der DGU steht fest: Die Pro­ble­ma­tik des Pro­statakar­zi­noms mit mög­li­chen Aus­wir­kun­gen man­cher Behand­lun­gen auf die indi­vi­du­el­le Lebens­qua­li­tät darf nicht dazu Anlass geben, Hoff­nun­gen zu wecken, die durch kei­ner­lei Daten und Fak­ten gestützt wer­den. Eine seriö­se Bericht­erstat­tung in den Medi­en soll­te sich immer über ihre Wir­kung im Kla­ren sein: Wie im hier kri­ti­sier­ten Fall könn­ten Pati­en­ten mög­li­cher­wei­se zu The­ra­pien ver­lei­tet wer­den, die ihnen nichts nüt­zen und bei denen ernst­haf­te Neben­wir­kun­gen auf­tre­ten kön­nen. Noch fata­ler aber, wenn durch die mit fal­schen Hoff­nun­gen ver­knüpf­te Anwen­dung der Metho­de tat­säch­lich wirk­sa­me Behand­lun­gen hin­aus­ge­zö­gert wer­den und dann für man­chen Pati­en­ten zu spät kommen.

Quel­le DGU

Eine neue Niere — Mehr Lebenszeit und Qualität

Chro­ni­sche Nie­ren­er­kran­kung (CKD) gilt als eine unbe­kann­te Volks­krank­heit. In Deutsch­land wer­den zur Zeit etwa 60.000 Men­schen dau­er­haft dia­ly­siert, mit stei­gen­der Ten­denz. 8000 Pati­en­ten war­ten nach Anga­ben der Deut­schen Stif­tung Organ­trans­plan­ta­ti­on auf eine neue Nie­re, doch nur rund 2300 davon kön­nen durch­schnitt­lich pro Jahr damit ver­sorgt wer­den. Wäh­rend der Organ­be­darf jähr­lich um rund fünf Pro­zent steigt, bleibt das Ange­bot gleich­blei­bend nied­rig. Dabei ist laut Deut­scher Nie­ren­stif­tung unbe­strit­ten, dass eine erfolg­rei­che Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on gegen­über dem auf­wen­di­gen und sehr zeit­in­ten­si­ven Dia­ly­se­ver­fah­ren den Pati­en­ten eine ver­bes­ser­te Lebens­qua­li­tät, grö­ße­re Zufrie­den­heit und mehr Frei­heit bie­tet – und ein län­ge­res Leben. Wie vie­le Lebens­jah­re Emp­fän­ger von Spen­der­or­ga­nen im Durch­schnitt gewin­nen im Ver­gleich zu Pati­en­ten, die ver­geb­lich auf ein neu­es Organ war­ten, haben US-For­scher in einer jetzt ver­öf­fent­lich­ten Lang­zeit­stu­die ermittelt.

Über einen Zeit­raum von 25 Jah­ren haben Abbas Rana, Dok­tor der Medi­zin vom Bay­lor Col­le­ge of Medi­ci­ne in Houston/Texas, und sei­ne Kol­le­gen die Über­le­bens­vor­tei­le von Trans­plan­ta­ti­ons­pa­ti­en­ten anhand von Daten der United Net­work for Organ Sharing (UNOS) und des ame­ri­ka­ni­schen Ster­be­re­gis­ters unter­sucht. Dabei haben sie zwi­schen 1987 und 2012 alle Pati­en­ten über 18 Jah­re berück­sich­tigt, die bei UNOS gemel­det waren. Dar­un­ter waren 533.329 Pati­en­ten, die in der Zeit ein neu­es Organ erhal­ten haben, sowie 579.506 Pati­en­ten, die ver­geb­lich auf ein Spen­der­or­gan gewar­tet haben. In die Stu­die mit auf­ge­nom­men wur­den nicht nur Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen, son­dern auch die Über­tra­gung von Lebern, Her­zen, Lun­gen, Pan­kre­as plus Nie­re, Pan­kre­as und Darm.

Nach der Daten­er­he­bung haben die Wis­sen­schaft­ler bei­de Pati­en­ten­grup­pen mit­ein­an­der ver­gli­chen und einen Gewinn an Lebens­jah­ren von ins­ge­samt 2.270.859 bei den Pati­en­ten nach einer erfolg­rei­chen Trans­plan­ta­ti­on nach­wei­sen kön­nen. Im Durch­schnitt bedeu­tet das eine ver­län­ger­te Lebens­er­war­tung des Ein­zel­nen von 4,3 Jah­ren. Bezo­gen auf alle in dem Zeit­raum durch­ge­führ­ten Organ­ver­pflan­zun­gen wur­den mit 314.561 Pati­en­ten Nie­ren­trans­plan­ta­tio­nen am häu­figs­ten durch­ge­führt. Auch hier stell­ten die Medi­zi­ner eine höhe­re Lebens­er­war­tung fest: Im Schnitt um 4,4 Jah­ren pro Organ­emp­fän­ger. Am zweit­häu­figs­ten wur­den Lebern trans­plan­tiert, mit einem Gewinn an Lebens­jah­ren von 4,3 Jah­ren pro Pati­ent, gefolgt von Her­zen (4,9 Jah­re), Lun­gen (2,6 Jah­re), Pan­kre­as plus Nie­re 4,6 Jah­re), Pan­kre­as (2,4 Jah­re) und Darm (2,8 Jah­re). Ein wei­te­res signi­fi­kan­tes Ergeb­nis der Lang­zeit­stu­die ist, dass Erwach­se­ne bei einer Nie­ren­trans­plan­ta­ti­on am meis­ten von einer Lebend­spen­de pro­fi­tie­ren. Die mitt­le­ren Über­le­bens­zei­ten lagen damit bei 18,5 Jah­ren. Kam das Spen­der­or­gan von einem Ver­stor­be­nen, leb­ten die Pati­en­ten im Schnitt noch 9,8 Jahre.

Das sind ein­deu­ti­ge Zah­len, die Rana und Kol­le­gen nicht nur als einen Beweis dafür sehen, wie effek­tiv eine Organ­spen­de für den Betrof­fe­nen ist, son­dern auch als begrün­de­te Moti­va­ti­on, sich als Organ­spen­der zur Ver­fü­gung zu stel­len, um die wach­sen­de Lücke zwi­schen Bedarf und Ange­bot zu mini­mie­ren und so einer grö­ße­ren Zahl von Pati­en­ten zu mehr Lebens­qua­li­tät und Lebens­zeit zu verhelfen.

Text: Pres­se­stel­le DGU/BDU

Die männliche Sexualität und die Erektion — ein weites Thema

Erektionsstörungen

Was Sie wissen sollten

Die man­geln­de Ver­stei­fungs­fä­hig­keit des Penis, bzw. die unge­nü­gen­de Dau­er der Ver­stei­fung, wird als Erek­ti­ons­stö­rung bezeichnet.

Erek­ti­ons­stö­run­gen tre­ten mit zuneh­men­dem Alter häu­fi­ger auf. Betrof­fen sind etwa 1 bis 2% der 40jährigen und ca. 15 bis 20% der 65jährigen. Rau­chen stellt den Haupt­ri­si­ko­fak­tor für das Auf­tre­ten einer Erek­ti­ons­stö­rung dar.

Erek­ti­ons­stö­run­gen kön­nen ent­we­der ohne erkenn­ba­re Ursa­che, oder als Fol­ge einer ande­ren Erkran­kung, z. B. einer Zucker­er­kran­kung (Dia­be­tes mel­li­tus), einer Gefäß­er­kran­kun­gen (Arte­rio­skle­ro­se), einer Ner­ven­er­kran­kung (Poly­neu­ro­pa­thie) oder eines Blut­hoch­drucks, auf­tre­ten. Zudem kann eine Erek­ti­ons­stö­rung als Fol­ge der Ein­nah­me von ver­schie­den Medi­ka­men­ten (bei Blut­hoch­druck, Anti­de­pres­si­va etc.) auftreten.

Häu­fig sind Erek­ti­ons­stö­run­gen auch als Fol­ge von Ver­let­zun­gen (z.B. Becken­frak­tur) oder Ope­ra­tio­nen (Radi­ka­le Pro­sta­tek­to­mie bei Pro­sta­ta­krebs, Ope­ra­tio­nen des End­darms z.B. bei Rekt­um­kar­zi­nom) bekannt.

Vor Ein­lei­tung einer The­ra­pie soll­ten eine gründ­li­che Vor­un­ter­su­chung des betrof­fe­nen Man­nes erfol­gen, um Ursa­chen und Risi­ko­fak­to­ren genau­er beur­tei­len und ggf. behan­deln zu kön­nen. Dies dient u.a. dazu Fol­ge­krank­hei­ten, wie z.B. einem Herz­in­farkt, vorzubeugen.

Der physiologische Erektionsvorgang

Das Schwell­kör­per­ge­we­be selbst weist eine schwamm­ar­ti­ge Struk­tur auf. Ver­ein­facht gesagt tritt eine Erek­ti­on dadurch ein, dass die Blut­zu­fuhr durch Erwei­te­rung der Arte­ri­en gestei­gert wird. Das Blut wird vom Herz unter Druck in das schwamm­ar­ti­ge Gewe­be des Schwell­kör­pers gepumpt. Die­ser ist wie­der­um umge­ben vom fes­ten Bin­de­ge­we­be der Schwell­kör­per­wand. Die Blut­ge­fä­ße, wel­che sonst für den Blut­ab­strom sor­gen (Venen), wer­den hier­bei zusam­men­ge­presst, sodass der Druck im Schwell­kör­per ansteigt und sich der Penis so ver­steift und aufrichtet.

Der Ablauf einer phy­sio­lo­gi­schen Erek­ti­on stellt einen kom­ple­xen Vor­gang dar. Das Zusam­men­spiel von Ner­ven auf Ebe­ne des Gehirns, Rücken­mar­kes und Beckens mit Blut­ge­fä­ßen und Hor­mo­nen ist hier­bei not­wen­dig und kann durch psy­chi­sche Fak­to­ren, Hor­mon­stö­run­gen, Gefäß- oder Ner­ven­er­kran­kun­gen, sowie Ver­än­de­run­gen des Schwell­kör­per­ge­we­bes gestört werden.

Häu­fig besteht auch eine Kom­bi­na­ti­on aus meh­re­ren Faktoren.

Notwendige ärztliche Untersuchungen

Da eine Erek­ti­ons­stö­rung die Fol­ge einer bis­lang unent­deck­ten, schwer­wie­gen­den Erkran­kung sein kann, soll­te vor der Ein­lei­tung einer Behand­lung unbe­dingt eine gründ­li­che ärzt­li­che Unter­su­chung erfol­gen. Auch soll­te Ihr Arzt abwä­gen, ob in Ihrem Fall bestimm­te Behand­lungs­ar­ten mög­lich sind oder auf Grund von etwai­gen Neben­wir­kun­gen bei Ihnen nicht ange­wen­det wer­den soll­ten und Sie dahin­ge­hend beraten.

Welche Behandlungsmöglichkeiten bestehen?

Grund­sätz­lich bestehen ver­schie­de­ne The­ra­pie­an­sät­ze, wel­che sich nach Ursa­che der Erkran­kung, Alter und Risi­ko­fak­to­ren des Pati­en­ten und nach Prä­fe­renz des Pati­en­ten richten.

Viagra©, Levitra©, Cialis© und Co. (Die PDE‑5 Hemmer)

Als ers­ter PDE‑5 (Phosphodiesterase‑5 Hem­mer) wur­de 1998 Via­gra© zuge­las­sen. Ursprüng­lich wur­de der Wirk­stoff zur Behand­lung eines Lun­gen­blut­hoch­dru­ckes ent­wi­ckelt. In den Stu­di­en berich­te­ten Pati­en­ten jedoch über eine Ver­bes­se­rung der erek­ti­len Funk­ti­on, sozu­sa­gen als „Neben­wir­kung“.

Hier­nach wur­de der Wirk­stoff Sil­dena­fil auch zur Behand­lung der Erek­ti­len Funk­ti­on geprüft und zugelassen.

In den Fol­ge­jah­ren gelang­ten wei­te­re PDE‑5 Hem­mer, wie Var­dena­fil (Levitra©)und Tada­la­fil (Cia­lis©) zur Zulas­sung, wel­che sich in der Wir­kungs­wei­se ähn­lich sind, sich jedoch durch die Wirk­dau­er und Stoff­wech­sel im Kör­per (Phar­ma­ko­ki­ne­tik) unterscheiden.

Die Wir­kung der Medi­ka­men­te zielt auf eine stär­ke­re Erwei­te­rung der den Penis ver­sor­gen­den Blut­ge­fä­ße ab, sodass die Erek­ti­ons­fä­hig­keit ver­bes­sert wird.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen die­ser Medi­ka­men­te kön­nen Kopf­schmer­zen, nied­ri­ger Blut­druck und Seh­stö­run­gen (ver­schwom­men Sehen, Farb­seh­stö­run­gen) sein.

Zu wei­te­ren Neben­wir­kun­gen lesen Sie die Packungs­bei­la­ge und fra­gen Sie Ihren Arzt oder Apo­the­ker. Ins­be­son­de­re soll­te durch einen Arzt geprüft wer­den, ob Grün­de und Risi­ko­fak­to­ren (z.B. Medi­ka­men­ten­un­ver­träg­lich­kei­ten) bestehen, wel­che gegen die Ein­nah­me der­ar­ti­ger Arz­nei­mit­tel sprechen.

Seit Juni 2013 ist Sil­dena­fil nun auch von ver­schie­de­nen Gene­ri­ka-Her­stel­lern zu bezie­hen. Vom Kauf aus unkla­ren Quel­len (z.B. Unkla­re Quel­le im Inter­net) sei an die­ser Stel­le erneut abgeraten.

Psychotherapie

Bei zahl­rei­chen Pati­en­ten, ins­be­son­de­re in den jün­ge­ren Lebens­jah­ren, fin­det eine psy­chi­sche Kom­po­nen­te als mög­li­cher Aus­lö­ser der Erektionsstörung.

Ggf. kann hier die Über­wei­sung an einen spe­zia­li­sier­ten Psychotherapeuten/

Psych­ia­ter zur Klä­rung mög­li­cher The­ra­pie­an­sät­ze sinn­voll sein.

Schwellkörperautoinjektion (SKAT)

Soll­te die Ver­wen­dung der in Tablet­ten­form erhält­li­chen Medi­ka­men­te zu kei­ner aus­rei­chen­den Bes­se­rung der Erek­ti­ons­stö­rung geführt haben, kann die Anwen­dung von Wirk­stof­fen wel­che direkt in den Schwell­kör­per inji­ziert wer­den pro­biert wer­den. Hier­bei erfolgt die ers­te Anwen­dung zumeist durch den Uro­lo­gen/-in um den ers­ten The­ra­pie­er­folg zu beur­tei­len und um ggf. sono­gra­phisch die Durch­blu­tung der Penis­schwell­kör­per mes­sen zu können.

Soll­te hier ein The­ra­pie­er­folg fest­stell­bar sein, kann die Anwen­dung durch den Pati­en­ten selbst erfol­gen. Hier­zu ist eine Selbstin­jek­ti­on ca. 10–20 Minu­ten vor dem Geschlechts­ver­kehr not­wen­dig. Sei­tens der Phar­ma­un­ter­neh­men wer­den hier indi­vi­du­ell dosier­ba­re Fer­tig­sprit­zen ange­bo­ten (z.B. CAVERJECT©). Die hier­bei ver­wen­de­ten Nadeln sind sehr dünn und mit denen eines Insu­lin-Pen bei Dia­be­ti­kern ver­gleich­bar. Die Anwen­dung ist somit nicht schmerzhaft.

Alter­na­tiv kann der hier ver­wen­de­te Wirk­stoff auch über eine Schmelz­ta­blet­te in die Harn­röh­re ein­ge­führt wer­den (MUSE©).

Wel­ches Ver­fah­ren gewählt wird, soll­te der Arzt gemein­sam mit dem Pati­en­ten in einem indi­vi­du­el­len Gespräch entscheiden.

Vakuumpumpe

Alter­na­tiv zur Ver­wen­dung von Medi­ka­men­te kann die Ver­wen­dung einer Vaku­um­pum­pe zur Behand­lung der Erek­ti­ons­stö­rung pro­biert wer­den. Hier­bei wird ein Zylin­der über Penis gestülpt in wel­chem ein Vaku­um erzeugt wird. Hier­durch dehnt sich der Schwell­kör­per und Blut strömt in den Penis ein. Sobald die Erek­ti­on ein­ge­tre­ten ist wird ein Gum­mi­ring über die Penis­ba­sis gestülpt, wel­cher das Abflie­ßen des Blu­tes ver­hin­dern soll.

Schwellkörperprothese

Soll­ten die bis­lang genann­ten Behand­lungs­mög­lich­kei­ten ohne Erfolg geblie­ben sein, steht als letz­te Opti­on die Implan­ta­ti­on einer Schwellkörperprothese.

Hier­bei wer­den die Schwell­kör­per durch halb­fes­te (semi­re­gi­de) oder hydrau­li­sche Pro­the­sen­schen­kel ersetzt. Bei hydrau­li­schen Pro­the­sen besteht über einen Ven­til­me­cha­nis­mus die Mög­lich­keit die Schwell­kör­per­pro­the­se zu akti­vie­ren und zu deak­ti­vie­ren und somit die Erek­ti­on zu steuern.

Da durch die Ope­ra­ti­on die Schwamm­struk­tur des Schwell­kör­pers geschä­digt wird, ist es nach einem sol­chen Ein­griff nicht mög­lich, auf ande­re The­ra­pie­mög­lich­kei­ten (Tablet­ten, SKAT) zurück zu wechseln.

Ent­spre­chen­de Ope­ra­tio­nen wer­den in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren vorgenommen.

Die Dia­gnos­tik und Behand­lungs­pla­nung soll­te bei jeden Pati­en­ten indi­vi­du­ell erfol­gen. Wen­den Sie Sich an einen nie­der­ge­las­se­nen Uro­lo­gen. Die­ser wird Sie ent­spre­chend bera­ten und mit Ihnen ein The­ra­pie­kon­zept erarbeiten.

Soll­ten Sie wei­te­re Rück­fra­gen haben, wen­den Sie sich bit­te an uns.

 

Quel­le DGU

Robert Koch-Institut: Die schwache Gesundheit des starken Geschlechts

26.01.2015. Sie füh­len sich fit und stark und häu­fig den Frau­en in vie­len Bereich über­le­gen – doch was ihre Gesund­heit angeht, sind Män­ner eher die Ver­lie­rer: Sie ster­ben im Mit­tel frü­her, haben häu­fi­ger Pro­ble­me mit Alko­hol und legen kaum Wert auf Prä­ven­ti­ons­an­ge­bo­te. Damit bestä­ti­gen die aktu­ell erho­be­nen Daten zwar vie­les, was bereits bekannt ist. Neu hin­ge­gen sind die Bewer­tun­gen der Infor­ma­tio­nen und amt­li­chen Sta­tis­ti­ken zur Män­ner­ge­sund­heit und die dar­aus resul­tie­ren­den Schluss­fol­ge­run­gen, die jetzt in einem aktu­el­len Bericht des Robert Koch-Insti­tuts (RKI) und des Sta­tis­ti­schen Bun­des­amts zusam­men­ge­fasst wur­den. In acht Kapi­teln lie­fert das Kom­pen­di­um auf 220 Sei­ten ein umfas­sen­des Bild des star­ken Geschlechts, das durch­aus Grund zur Sor­ge bietet.

Zen­tra­les The­ma ist die gerin­ge­re Lebens­er­war­tung der Män­ner, die der­zeit bei 77,7 Jah­ren liegt und damit fünf Jah­re unter der der Frau­en. Erklärt wird das mit der grö­ße­ren Anzahl an vor­zei­ti­gen Todes­fäl­len unter 65 Jah­ren. Sind bei den unter 35 Jah­re alten Män­nern vor allem Sui­zi­de und Unfäl­le für die höhe­ren Todes­ra­ten ver­ant­wort­lich, ster­ben älte­re durch koro­na­re Herz­krank­heit und bös­ar­ti­ge Neubildungen.
Ver­gleicht man die Häu­fig­keit der Erkran­kung von Män­nern und Frau­en, sieht es für das star­ke Geschlecht nicht bes­ser aus: Obwohl die Sterb­lich­keit an Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen durch ver­bes­ser­te medi­zi­ni­sche Behand­lungs­mög­lich­kei­ten und die Mini­mie­rung klas­si­scher Risi­ko­fak­to­ren gene­rell gesenkt wer­den konn­te, lei­den deut­lich mehr Män­ner als Frau­en an Herz-Kreis­lauf-Erkran­kun­gen mit oft­mals töd­li­chem Aus­gang; zwei Drit­tel der Män­ner haben Über­ge­wicht; bei den Krebs­neu­erkran­kun­gen lie­gen Prostata‑, Lun­gen- und Darm­krebs  weit vorn, wobei Lun­gen­krebs bei Män­nern mit Abstand die häu­figs­te Todes­ur­sa­che ist. Zah­len, die vor allem Rau­cher alar­mie­ren soll­ten. Denn trotz all­ge­mei­nen Rück­gangs rau­chen Män­ner nach wie vor mehr als Frau­en. Auch trinkt jeder Drit­te Alko­hol in einem ris­kan­ten und damit gesund­heits­schäd­li­chem Aus­maß. Die­sen Fak­ten zum Trotz schät­zen Män­ner ihre Gesund­heit häu­fig als gut oder sogar sehr gut ein.

Die Ergeb­nis­se des RKI-Berichts ver­wei­sen viel­fach auf den Ein­fluss des sozi¬alen Geschlechts (gen­der) und die damit verbun¬denen sozio­kul­tu­rell geprägten Geschlech­ter­rol­len und bele­gen, dass ins­be­son­de­re das Arbeits­le­ben wie auch die For­men des fami­liä­ren und part­ner­schaft­li­chen Zusam­men­le­bens wich¬tige Poten­zia­le, aber auch Risi­ken für die Gesund¬heit von Männern ber­gen können – und bie­ten so einen inno­va­ti­ven Ansatz, um die drin­gend not­wen­di­gen Prä­ven­ti­ons­maß­nah­men auch – oder gera­de – bei Män­nern auf den Weg zu bringen.

Quel­le: DGU

Neue Gesundheitskarte ab Januar 2015!

Ab Januar gilt nur noch die NEUE Versichertenkarte mit FOTO!

Was passiert, wenn die elektronische Gesundheitskarte ungültig ist oder die Karte vergessen wurde?

Wenn Ver­si­cher­te kei­ne gül­ti­ge elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te vor­le­gen kön­nen, müs­sen sie inner­halb von zehn Tagen nach der Behand­lung dem Arzt eine gül­ti­ge elek­tro­ni­sche Gesund­heits­kar­te nach­rei­chen. Alter­na­tiv kann auch eine Ein­zel­fall­be­stä­ti­gung der Kran­ken­kas­se, dass zum Zeit­punkt der Behand­lung ein Leis­tungs­an­spruch bestand, vor­ge­legt wer­den. Wenn der Ver­si­cher­te kei­nen gül­ti­gen Ver­si­che­rungs­nach­weis erbringt, kann der Arzt eine Pri­vat­rech­nung stellen.