Kinderwunsch — hier einige Informationen

30.01.2017. Was sind die Ursa­chen unge­woll­ter Kin­der­lo­sig­keit? Wel­che Rol­le spielt das Alter? Wann soll­te man sich unter­su­chen las­sen? Wel­che Behand­lungs­me­tho­den gibt es in Deutsch­land, und wer trägt die Kosten?

Infor­ma­tio­nen und Hil­fe rund um das The­ma Kin­der­wunsch bie­tet ein neu­es Zeit­bild MEDICAL, das vom Bun­des­mi­nis­te­ri­um für Fami­lie, Senio­ren, Frau­en und Jugend geför­dert sowie von den Berufs­ver­bän­den der Uro­lo­gen und der Frau­en­ärz­te unter­stützt wird. Das Medi­en­pa­ket ent­hält sowohl Mate­ria­li­en für Ärz­te als auch ein Maga­zin für Pati­en­ten. Hier geht’s zum Patientenmagazin.

Quel­le: DGU

Hodenhochstand nicht nur bei Babys!

Bei den aller­meis­ten zum errech­ne­ten Ter­min gebo­re­nen Jun­gen wan­dern die Hoden gegen Ende der Schwan­ger­schaft durch den Leis­ten­ka­nal in den Hoden­sack. Bei etwa drei Pro­zent der reif­ge­bo­re­nen Jun­gen ist der Hoden nicht zuver­läs­sig im Hoden­sack tast­bar. Ärz­te spre­chen dann von einem Hoden­hoch­stand, der bis zum Ende des ers­ten Lebens­jah­res abschlie­ßend behan­delt wer­den sollte.

 

Doch auch ein bereits im Hoden­sack gele­ge­ner Hoden kann in der Fol­ge­zeit in den Leis­ten­ka­nal auf­stei­gen und dort per­ma­nent lie­gen blei­ben. Die­ser soge­nann­te sekun­dä­re Hoden­hoch­stand kommt laut einer neu­en Unter­su­chung weit­aus häu­fi­ger vor als bis­her angenommen.

Dar­auf wies die Regens­bur­ger Uro­lo­gin PD Dr. Annet­te Schrö­der auf dem dies­jäh­ri­gen Kon­gress der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. in Leip­zig hin. Schrö­der und Kol­le­gen hat­ten in einer Unter­su­chung zwi­schen Mai 2015 und August 2016 fest­ge­stellt, dass von 175 Jun­gen, bei denen ein Hoden­hoch­stand ope­riert wur­de, fast 50 Pro­zent einen sekun­dä­ren Hoden­hoch­stand auf­wie­sen. Das heißt, dass der Hoden, obgleich er bereits ord­nungs­ge­mäß in den Hoden­sack abge­sun­ken war, wie­der aus die­sem in Rich­tung Bauch­raum zurück­wan­dert. Risi­ken dafür sind unter ande­rem ein Pen­del­ho­den, ein ver­spä­te­ter Abstieg des Hodens in den Hoden­sack (pri­mä­rer Hoden­hoch­stand) sowie ein vor­aus­ge­gan­ge­ner Leistenbruch.

Wie der pri­mä­re Hoden­hoch­stand geht auch der sekun­dä­re Hoden­hoch­stand, vor allem, wenn er beid­sei­tig auf­tritt, mit einer ein­ge­schränk­ten Zeu­gungs­fä­hig­keit ein­her. Zudem trägt ein nicht rich­tig lie­gen­der Hoden ein erhöh­tes Risi­ko für die Ent­wick­lung von Hoden­krebs in sich.

PD Dr. Schrö­der rät des­halb, die Hoden­la­ge bis zur Puber­tät regel­mä­ßig etwa wäh­rend der U‑Untersuchungen beim Kin­der­arzt zu über­prü­fen. Besteht ein begrün­de­ter Ver­dacht auf einen Hoden­hoch­stand, soll­te ein Uro­lo­ge hin­zu­ge­zo­gen wer­den und die Fehl­la­ge so früh wie mög­lich kor­ri­giert wer­den, um Spät­fol­gen zu ver­mei­den. Die gröss­te Sicher­heit einer kom­pli­ka­ti­ons­lo­sen Ent­wick­lung besteht bei einer Kor­rek­tur der Hoden­la­ge bis zum Abschluss des 12. Lebensmonats.

Quel­le: DGU

Kommen Männer in die Wechseljahre?

Hypo­go­na­dis­mus des altern­den Mannes

Kom­men Män­ner in die Wech­sel­jah­re? Die­se Fra­ge wird immer wie­der dis­ku­tiert. Die Ant­wort der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) ist ein ein­deu­ti­ges Nein. Bei dem Beschwer­de­bild, das fälsch­li­cher­wei­se oft als „Wech­sel­jah­re des Man­nes“ bezeich­net wird, han­delt es sich um ein Andro­gen­de­fi­zit, auch Hypo­go­na­dis­mus genannt. „Meist ist bereits ab dem 45. Lebens­jahr eine ste­ti­ge Abnah­me des wich­tigs­ten Sexu­al­hor­mons Tes­to­ste­ron von etwa einem Pro­zent im Jahr zu beob­ach­ten“, sagt Prof. Dr. Sabi­ne Kliesch, Vor­sit­zen­de der Pati­en­ten­Aka­de­mie der DGU. „Bei einem hohen Aus­gangs­wert berei­tet das kei­ne Pro­ble­me. Doch es gibt Män­ner, die mit erheb­li­chen Beschwer­den zu kämp­fen haben. Ihnen kann unter Umstän­den eine Tes­to­ste­ro­n­er­satz­the­ra­pie helfen.“

Bei den 40- bis 79-Jäh­ri­gen sind etwa zwei bis fünf Pro­zent der Män­ner vom alters­be­ding­ten Hypo­go­na­dis­mus betrof­fen. Beson­ders häu­fig zeigt sich der Hor­mon­man­gel in Zusam­men­hang mit Über­ge­wicht und einem schlech­ten Gesund­heits­zu­stand. Aber auch Grund­er­kran­kun­gen wie das meta­bo­li­sche Syn­drom und Dia­be­tes mel­li­tus wir­ken sich nega­tiv auf den Tes­to­ste­ron­spie­gel aus. Zu den Leit­be­schwer­den, mit denen Män­ner die uro­lo­gi­sche Pra­xis auf­su­chen, zäh­len Erek­ti­ons­stö­run­gen und Libi­do­ver­lust. Wei­te­re Fol­gen des Andro­gen­de­fi­zits sind Schlaf­stö­run­gen, Müdig­keit, Stim­mungs­schwan­kun­gen, Antriebs­lo­sig­keit und Kon­zen­tra­ti­ons­schwie­rig­kei­ten. „Die betrof­fe­nen Män­ner füh­len sich nicht mehr leis­tungs­fä­hig. Sogar Depres­sio­nen kön­nen einen Hypo­go­na­dis­mus beglei­ten“, weiß Prof. Kliesch. Häu­fig zeigt sich zudem eine Abnah­me der Mus­kel­mas­se bei gleich­zei­ti­ger Zunah­me des gesund­heits­kri­ti­schen vis­ze­ra­len Bauch­fetts. Hin­zu kommt, dass ein zu nied­ri­ger Tes­to­ste­ron­spie­gel ande­re Stoff­wech­sel­pro­zes­se nega­tiv beein­flusst. Lang­fris­tig lei­det das Blut­bild und der Kno­chen­stoff­wech­sel, Über­ge­wicht sowie eine Stö­rung des Zucker­haus­halts wer­den begüns­tigt. „Es ist ein Kreis­lauf: Zum einen för­dert ein zu nied­ri­ger Tes­to­ste­ron­spie­gel die Ent­ste­hung von Stoff­wech­sel­krank­hei­ten. Zum ande­ren ver­stär­ken bereits bestehen­de Stoff­wech­sel­er­kran­kun­gen den Tes­to­ste­ron­man­gel. Hypo­go­na­dis­mus stellt für die Gesund­heit des Man­nes daher ein gewis­ses Risi­ko dar“, erklärt Prof. Kliesch. Die Uro­lo­gin und renom­mier­te Andro­lo­gin emp­fiehlt Kol­le­gen, bei Pati­en­ten mit Beschwer­den genau hin­zu­schau­en und bei einem kli­ni­schen Ver­dacht auf einen Hypo­go­na­dis­mus die Tes­to­ste­ron­wer­te zu untersuchen.

Die endo­kri­no­lo­gi­sche Dia­gnos­tik erfasst nicht nur die Bestim­mung des Tes­to­ste­ron­spie­gels. Auch die Gona­do­tro­pi­ne, das sexu­al­hor­mon­bin­den­de Glo­bu­lin (SHBG), Pro­lak­tin sowie der PSA-Wert sind rele­vant. Kon­tra­in­di­ka­tio­nen wie ein Pro­sta­ta­kar­zi­nom müs­sen bei der Dia­gnos­tik aus­ge­schlos­sen wer­den. „Tes­to­ste­ron­wer­te zwi­schen 8 und 12 nmol/l soll­ten genau­er kon­trol­liert wer­den“, sagt Prof. Kliesch. Bestim­mun­gen des Blut­bil­des und der Blut­fet­te schlie­ßen sich eben­so an wie die Mes­sung der Kno­chen­dich­te. Die genann­ten Para­me­ter müs­sen auch im Ver­lauf einer Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie kon­trol­liert wer­den. Wich­tig ist zudem, dass der Uro­lo­ge im Zuge der Hor­mon­the­ra­pie den Kon­takt zu ande­ren Dis­zi­pli­nen etwa dem Haus­arzt, dem Kar­dio­lo­gen und dem Dia­be­to­lo­gen sucht, um dem Pati­en­ten eine best­mög­li­che Behand­lung zukom­men zu las­sen. Die Redu­zie­rung gesund­heit­li­cher Risi­ken, die in einem unge­sun­den Lebens­stil begrün­det lie­gen und die Behand­lung von Begleit­erkran­kun­gen sind gege­be­nen­falls wich­ti­ger als die rei­ne Testosteronersatztherapie.

Die Hor­mon­the­ra­pie ist kein All­heil­mit­tel. Aller­dings kann die Gabe von Tes­to­ste­ron­ge­len oder Depot­sprit­zen die Gesund­heit und das Wohl­be­fin­den des Pati­en­ten deut­lich unter­stüt­zen“, erklärt Prof. Kliesch. „In dem Moment, in dem ich den Stoff­wech­sel­haus­halt auf hor­mo­nel­ler Sei­te wie­der in Ord­nung brin­ge, las­sen sich auch ande­re gesund­heits­kri­ti­sche Wer­te wie ein zu hoher Blut­zu­cker bes­ser behan­deln“, betont die Uro­lo­gin und ergänzt: „Stu­di­en haben gezeigt, dass ein Dia­be­ti­ker, der beglei­tend unter einem unbe­han­del­ten Hypo­go­na­dis­mus lei­det, frü­her stirbt, als ein Dia­be­ti­ker mit einem behan­del­ten Tes­to­ste­ron­man­gel.“ Ganz aktu­ell weist eine US-ame­ri­ka­ni­sche Stu­die zudem auf kar­dio­va­ku­lä­re Vor­tei­le einer Tes­to­ste­ro­n­er­satz­the­ra­pie hin. Anders als bis­her dis­ku­tiert, senkt dem­nach die Nor­ma­li­sie­rung der Tes­to­ste­ron­wer­te bei Män­nern ohne vor­her­ge­hen­de kar­dio­vas­ku­lä­re Ereig­nis­se das Risi­ko für Herz­in­fark­te und Schlag­an­fäl­le und ver­min­dert die Gesamtsterblichkeit.

Vor Beginn der Sub­sti­tu­ti­ons­the­ra­pie ist es von gro­ßer Wich­tig­keit, den Pati­en­ten über den Nut­zen der Hor­mo­ne, aber auch über Neben­wir­kun­gen wie mög­li­che Aus­wir­kun­gen auf die Pro­sta­ta oder die Frucht­bar­keit auf­zu­klä­ren. „Dia­gnos­tik und Behand­lung nach den Leit­li­ni­en der Euro­pean Asso­cia­ti­on of Uro­lo­gy (EAU) gewäh­ren auch für den älte­ren Mann einen ver­ant­wor­tungs­vol­len Umgang mit der Hor­mon­er­satz­the­ra­pie, die bei Pati­en­ten mit einem ent­spre­chen­den Beschwer­de­bild, bei nach­ge­wie­se­nem Hypo­go­na­dis­mus, nach Auf­klä­rung und Risi­ko­ab­klä­rung sowie mit beglei­ten­den Ver­laufs­kon­trol­len zum Tra­gen kom­men kann“, sagt Prof. Dr. Oli­ver Haken­berg, Gene­ral­se­kre­tär der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V., die die jüngs­te Medi­en­kri­tik am Ein­satz der Tes­to­ste­ro­n­er­satz­the­ra­pie aus­drück­lich zurückweist. 

Quel­le DGU

Nächtliche Toilettengänge — ein Volksleiden

All­nächt­lich auf­zu­wa­chen, weil die Bla­se den Gang zur Toi­let­te for­dert, ist ein ver­brei­te­tes Lei­den — und ein gefähr­li­ches zugleich: Zum einen wer­den die Fol­gen der regel­mä­ßi­gen Unter­bre­chung des Nacht­schla­fes zum Was­ser­las­sen, fach­sprach­lich Nyk­tu­rie genannt, unter­schätzt. Zum ande­ren sind die nächt­li­chen Toi­let­ten­gän­ge häu­fig ein Alarm­si­gnal, das auf eine behand­lungs­be­dürf­ti­ge Erkran­kung hin­weist. „Fälsch­li­cher­wei­se wird Nyk­tu­rie in der Bevöl­ke­rung viel­fach als eine unver­meid­ba­re Alters­er­schei­nung, vor­ran­gig des Man­nes, abge­tan, obwohl es der Abklä­rung der indi­vi­du­el­len Ursa­chen bedarf“, sagt Prof. Dr. Kurt Mil­ler, Prä­si­dent der Deut­schen Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU), die das Volks­lei­den auf dem 68. Uro­lo­gen­kon­gress thematisiert.
Tat­säch­lich ist die Nyk­tu­rie die häu­figs­te Ursa­che von Schlaf­stö­run­gen, aus denen wie­der­um Risi­ken für Gesund­heit und Lebens­er­war­tung der Betrof­fe­nen resul­tie­ren. Anders als viel­fach ange­nom­men, sind Män­ner wie Frau­en glei­cher­ma­ßen betrof­fen. Zuver­läs­si­ge aktu­el­le Zah­len zur Häu­fig­keit gibt es nicht, nach älte­ren Stu­di­en lei­den aber mehr als 60 Pro­zent aller Men­schen von 70 und mehr Jah­ren an einer behand­lungs­be­dürf­ti­gen Nyk­tu­rie, die die Betrof­fe­nen zwei Mal oder öfter pro Nacht zum Was­ser­las­sen treibt. Fort­ge­schrit­te­nes Alter ist zwar ein wesent­li­cher Fak­tor für Nyk­tu­rie, bewahrt aber jün­ge­re Men­schen nicht davor. In der Alters­grup­pe der 20- bis 40-Jäh­ri­gen ist etwa jeder fünf­te bis sechs­te betrof­fen — hier öfter Frau­en als Männer.

Nyk­tu­rie ist kei­ne eigen­stän­di­ge chro­ni­sche Erkran­kung, son­dern Sym­ptom ande­rer kör­per­li­cher Stö­run­gen. Unter­schied­li­che Ursa­chen kom­men für den Drang zum nächt­li­chen Was­ser­las­sen in Betracht, die zunächst im Bereich der Urin­pro­duk­ti­on sowie im Sys­tem der Spei­che­rung und Ablei­tung des Harns zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Ste­phan Roth. Bei zahl­rei­chen Nyk­tu­rie-Pati­en­ten liegt eine nächt­li­che Poly­urie vor. Sie schei­den nachts mehr als den sonst übli­chen Anteil der 24-Stun­den-Urin­men­ge aus, der für jün­ge­re Men­schen bis 20 Pro­zent, jen­seits der 65 bis 33 Pro­zent lie­gen soll­te. Bei ande­ren Pati­en­ten wird eine redu­zier­te Kapa­zi­tät der Harn­bla­se fest­ge­stellt, die zur häu­fi­ge­ren Ent­lee­rung klei­ne­rer Men­gen nötigt. Beson­ders bei älte­ren Men­schen fal­len oft meh­re­re Fak­to­ren zusam­men, die für eine Nyk­tu­rie ursäch­lich sein kön­nen: Dazu gehö­ren die sin­ken­de Fähig­keit, Urin zu hal­ten, erhöh­te Rest­harn­vo­lu­mi­na, Ver­än­de­run­gen am Detru­sor­mus­kel, nied­ri­ge Kon­zen­tra­ti­on des Anti­di­ure­ti­schen Hor­mons (ADH), chro­ni­sche Infek­te der unte­ren Harn­we­ge, über­ak­ti­ve Bla­se und bei Män­nern auch eine ver­grö­ßer­te Prostata.

Bei einer Poly­urie“, so der Direk­tor der Kli­nik für Uro­lo­gie und Kin­der­uro­lo­gie am Uni­ver­si­täts­kli­ni­kum Wup­per­tal wei­ter, „ist es not­wen­dig, die Ursa­chen der erhöh­ten nächt­li­chen Urin­pro­duk­ti­on abzu­klä­ren“. Infra­ge kom­men, laut Roth, eine Herz­in­suf­fi­zi­enz, für die ein Über­maß an aus­zu­schei­den­dem Gewe­be­was­ser ein Indiz wäre; auch ein Dia­be­tes, ein erhöh­ter systo­li­scher Blut­druck oder Stö­run­gen der Nie­ren­funk­ti­on kön­nen sich, eben­so wie Medi­ka­men­te, auf die Urin­pro­duk­ti­on auswirken.

Schnar­chen, das mehr als die Hälf­te aller Män­ner betrifft, und nächt­li­che Atem­aus­set­zer (Schlaf­apnoe) sind eng ver­bun­den mit der Nyk­tu­rie, die sogar als ein Leit­sym­ptom des obstruk­ti­ven Schlaf­apnoe-Syn­droms gilt. Wird die­se gefähr­li­che Schlaf­stö­rung effek­tiv behan­delt, so bes­sert sich auch der Drang zum nächt­li­chen Was­ser­las­sen. Als wei­te­rer Risi­ko­fak­tor für Nyk­tu­rie wird Über­ge­wicht betrach­tet. Die Fol­gen der Nyk­tu­rie kön­nen schwer­wie­gend sein: Schlaf­stö­run­gen füh­ren oft zu Tages­mü­dig­keit, Kon­zen­tra­ti­ons­schwä­chen, Ver­min­de­rung der geis­ti­gen Leis­tung und Kopf­schmer­zen. In man­chen Fäl­len kön­nen Depres­sio­nen die Fol­ge sein. Däni­sche For­scher ermit­tel­ten, dass Nyk­tu­rie die Arbeits­pro­duk­ti­vi­tät um bis 24 Pro­zent sen­ken kann. Beson­ders älte­re Men­schen haben erhöh­te Risi­ken für Stür­ze und Kno­chen­brü­che. Für herz­kran­ke Pati­en­ten wird bei gleich­zei­ti­ger Nyk­tu­rie von einem erhöh­ten Mor­ta­li­täts­ri­si­ko ausgegangen.

Ange­sichts des hohen Lei­dens­drucks, mög­li­cher Kom­pli­ka­tio­nen und der zum Teil schwer­wie­gen­den ursäch­li­chen Erkran­kun­gen wird die Not­wen­dig­keit zur gründ­li­chen medi­zi­ni­schen Abklä­rung einer Nyk­tu­rie deut­lich“, resü­miert DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Kurt Mil­ler und lädt die Medi­en­ver­tre­ter ein, sich auf dem 68. DGU-Kon­gress in Leip­zig über das unter­schätz­te Volks­lei­den zu informieren.

Quel­le: DGU

Prostatakarzinom: Sport verbessert Überlebenschancen

Sport kann nach der Dia­gno­se von Pro­sta­ta­krebs das Risi­ko hal­bie­ren, dar­an auch zu ster­ben. Ande­re kör­per­li­che Akti­vi­tä­ten schei­nen hin­ge­gen weni­ger zu nüt­zen, wie das Team um Dr. Chris­ti­ne Frie­den­reich vom Krebs­for­schungs­zen­trum in Calgary/Kanada in einer Kohor­ten­stu­die fest­ge­stellt hat.   In die Stu­die waren 830 Män­nern ein­be­zo­gen, bei denen zwi­schen 1997 und 2000 ein Pro­sta­ta­kar­zi­nom (PCa) im Sta­di­um II bis IV dia­gnos­ti­ziert wor­den war. Ihr Durch­schnitts­al­ter lag zu der Zeit bei 68 Jah­ren. 2014 wur­den davon 372 Män­ner nach­un­ter­sucht, 458 waren inzwi­schen gestor­ben, 170 davon am PCa. Alle waren zum Stu­di­en­be­ginn zu ihren kör­per­li­chen Akti­vi­tä­ten befragt wor­den, die Über­le­ben­den in Fol­low-ups über die Zeit bis zu drei Mal. Die­ser Akti­vi­tät ent­spre­chend waren sie in vier gleich gro­ße Grup­pen ein­ge­teilt worden.

Die Aktivs­ten brach­ten es auf mehr als 119 meta­bo­li­sche Ein­hei­ten (MET) pro Woche, das Quar­til mit der wenigs­ten kör­per­li­chen Bewe­gung auf weni­ger als 42 MET pro Woche. Zur Ori­en­tie­rung: Jog­gen schlägt mit 12 MET pro Stun­de zu Buche, gemüt­li­ches Rad­fah­ren mit 6 und Haus­halts­ar­beit mit 2 bis3 MET pro Stunde.

Die For­scher stell­ten fest, dass aus der Grup­pe mit der gerings­ten Kör­per­ak­ti­vi­tät bis zum Ende der Stu­die bereits drei Vier­tel (158) nicht mehr leb­ten, wäh­rend es im aktivs­ten Quar­til mit nur rund ein Drit­tel (75) im Ver­gleich weni­ger als die Hälf­te war. Wur­den Alter, Tumor­sta­di­um und Zeit bis zur ers­ten Pro­gres­si­on berück­sich­tigt, so war die Gesamt­ster­be­ra­te in der aktivs­ten Grup­pe um 42 Pro­zent gerin­ger als bei den kör­per­lich Inaktivsten.

In Bezug auf die tumor­spe­zi­fi­sche Sterb­lich­keit kon­sta­tier­ten die For­scher für die Grup­pe mit der größ­ten Gesamt­ak­ti­vi­tät eine um 35 Pro­zent redu­zier­te Rate, in der Grup­pe mit der höchs­ten beruf­lich beding­ten Bewe­gung um 34 Pro­zent. Hier war das Ergeb­nis für die sport­lichs­te Grup­pe am deut­lichs­ten: In ihr war das Risi­ko an PCa zu ster­ben rech­ne­risch um 56 Pro­zent ver­rin­gert. Ob dies auch gilt, wenn erst nach der Krebs­dia­gno­se mit dem Sport begon­nen wird, konn­te die Stu­die nicht beantworten.

Schon in frü­he­ren Stu­di­en waren bei sport­lich akti­ven Män­nern nach der Krebs­dia­gno­se gerin­ge­re Pro­gres­si­ons­ra­ten und tumor­spe­zi­fi­sche Ster­be­ra­ten fest­ge­stellt wor­den — je nach Stu­die um ein bis zwei Drit­tel redu­ziert. Sport zu trei­ben lohnt sich in jedem Fall.

Quel­le: DGU

Das 1x1 der männlichen Fruchtbarkeit

Wenn es mit dem Kin­der­wunsch nicht klappt, ist die Ursa­che der Unfrucht­bar­keit eines Paa­res immer häu­fi­ger beim Mann zu fin­den: Eine gerin­ge Anzahl von Sper­mi­en und die weni­gen auch noch öfter von unter­durch­schnitt­li­cher Beweg­lich­keit und Qua­li­tät wer­den zuneh­mend für männ­li­che Infer­ti­li­tät ver­ant­wort­lich gemacht. Eine ein­zi­ge Ursa­che für die­se Ent­wick­lung gibt es nicht, jedoch ein gan­zes Ursa­chen-Aller­lei. Seit eini­gen Jah­ren wird mit Stu­di­en ver­sucht, Ursa­chen und Aus­lö­ser zu erken­nen. So fan­den däni­sche For­scher jetzt her­aus, dass Über­ge­wicht zu einer Ver­än­de­rung des Erb­gu­tes führt.

In ihrer Stu­die wie­sen sie ver­än­der­te gene­ti­sche Codes in Sper­mi­en von Über­ge­wich­ti­gen (BMI über 30) nach, die den Appe­tit steu­ern. Aber hat­te das Über­ge­wicht die DNA ver­än­dert, oder eine ver­än­der­te DNA das Über­ge­wicht aus­ge­löst? Dies wur­de an sechs adi­pö­sen Män­nern geklärt, die eine extre­me Gewichts­re­duk­ti­on durch einen Magen­by­pass erreich­ten. Vor und nach der OP wur­de die DNA ihrer Sper­mi­en unter­sucht — und mehr als 5000 epi­ge­ne­ti­sche Ver­än­de­run­gen fest­ge­stellt. Fazit: Über­ge­wicht ver­än­dert das Erb­gut. Der­zeit wer­den in Koope­ra­ti­on mit einer Fer­ti­li­täts­kli­nik auch die Embryo­nen von Vätern unter­schied­li­chen Kör­per­ge­wichts epi­ge­ne­tisch untersucht.

Bereits frü­he­re Stu­di­en hat­ten nega­ti­ve Ein­flüs­se von Über­ge­wicht auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät auf­ge­zeigt: 2012 hat­ten For­scher in den Nie­der­lan­den fest­ge­stellt, dass Män­ner mit einem Hüft­um­fang von mehr als 102 Zen­ti­me­tern eine deut­li­che schlech­te­re Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on und gerin­ge­re Gesamt­zahl beweg­li­cher Sper­mi­en hat­ten. Abneh­men schafft Abhilfe.
Öster­rei­chi­sche Stu­di­en­au­toren schrie­ben 2012, die Kom­bi­na­ti­on von Alter, Gewicht, sexu­el­ler Akti­vi­tät und der Men­ge des Kaf­fee­kon­sums hät­te wesent­li­chen Ein­fluss auf Moti­li­tät und Mor­pho­lo­gie der Sper­mi­en. Ent­spre­chend kön­ne der Mann bis zu einem gewis­sen Grad selbst die Qua­li­tät sei­ner Samen steuern.

US-For­scher erkann­ten nach einer 2014 ver­öf­fent­lich­ten Stu­die, dass Stress eben­falls nega­tiv auf Quan­ti­tät und Qua­li­tät von Sper­mi­en wirkt — aller­dings kaum beruf­li­che, son­dern über­wie­gend pri­va­te Belas­tun­gen. Män­ner, die wäh­rend der Stu­die arbeits­los waren, hat­ten eine beson­ders schlech­te Spermienqualität.

Zwi­schen schlech­tem Schlaf und Sper­mi­en­qua­li­tät wur­de 2012 in Däne­mark ein Zusam­men­hang nach­ge­wie­sen. Bei Män­nern mit Schlaf­stö­run­gen wur­de im Eja­ku­lat ein Rück­gang der Sper­mi­en­kon­zen­tra­ti­on von gut 30 Pro­zent gegen­über Nor­mal­schlä­fern fest­ge­stellt. Eine ver­min­der­te Sper­mi­en­qua­li­tät ver­bes­ser­te sich bei regel­mä­ßi­gem Schlaf von sie­ben Stun­den erheblich.
In Argen­ti­ni­en wur­de dar­über geforscht, wie sich WLAN-Strah­lung — also das Han­dy in der Hosen­ta­sche oder das Note­book auf dem Schoß — auf die männ­li­che Fer­ti­li­tät aus­wirkt. Sper­mi­en­pro­ben gesun­der 25-Jäh­ri­ger wur­den der Strah­lung aus­ge­setzt. 25 Pro­zent der Sper­mi­en waren danach bewe­gungs­los, neun Pro­zent wie­sen Schä­den am Erb­gut auf. Unbe­strahlt waren es nur je 14 und drei Pro­zent. In der Ukrai­ne wur­den 100 Stu­di­en zu den Gefah­ren der Mobil­funk­strah­lung ana­ly­siert: 93 kamen zu dem Ergeb­nis, dass WLAN- und Han­dy­strah­lung Zell­schä­den ver­ur­sa­chen können.

Pkw-Sitz­hei­zun­gen eilt der Ruf vor­aus, nega­ti­ve Effek­te auf die Sper­mi­en­qua­li­tät zu haben. Befra­gun­gen und Sper­mio­gram­men erga­ben in Öster­reich, dass 62 Pro­zent der häu­fi­gen Sitz­hei­zungs­nut­zer einen unauf­fäl­li­gen Sper­mi­en­zu­stand haben, bei sel­te­nen Nut­zern waren es 53 Pro­zent und bei Nicht­nut­zern nur 46 Pro­zent. Für den Umkehr­schluss posi­ti­ver Sitz­hei­zungs­ef­fek­te bedarf es jedoch wei­te­rer Forschung.
Nach­ge­wie­sen ist der nega­ti­ve Ein­fluss von Dro­gen, Ana­bo­li­ka, über­mä­ßi­gem Alko­hol­kon­sum und der des Rau­chens auf die Sper­mi­en­qua­li­tät: Niko­tin­kon­sum etwa redu­ziert das Befruch­tungs­po­ten­zi­al der Sper­mi­en um die Hälfte.
Ein gesun­der Lebens­stil mit Nor­mal­ge­wicht, aus­ge­wo­ge­ner Ernäh­rung und regel­mä­ßi­gem, aber nicht über­trie­be­nem Sport, der die Hor­mon­pro­duk­ti­on ankur­belt, dage­gen hält die Sper­mi­en fit.

Quel­le: DGU

Die überaktive Blase

Für das Krank­heits­bild der über­ak­ti­ven Bla­se wer­den zahl­rei­che Begrif­fe ver­wen­det. Häu­fig ist von einer Over­ac­ti­ve Blad­der (OAB) oder im deut­schen ver­ständ­li­cher, der Reiz­bla­se, die Rede.Nach Defi­ni­ti­on der Inter­na­tio­na­len Kon­ti­nenz­ge­sell­schaft (ICS) han­delt es sich um einen gehäuf­ten Harn­drang (> 10maliges Was­ser­las­sen in 24h) in Kom­bi­na­ti­on mit einem soge­nann­ten impe­ra­ti­ven Harn­drang. Hier­un­ter ver­steht man, dass nach Ein­tre­ten des Harn­dran­ges unmit­tel­bar die Toi­let­te auf­ge­sucht wer­den muss, da die Bla­sen­ent­lee­rung sonst unkon­trol­liert erfolgt. Laut Defi­ni­ti­on liegt dem Beschwer­de­bild kei­ne vom Arzt fass­ba­re Ursa­che (idio­pa­thisch) zugrun­de. Mög­li­che fass­ba­re Ursa­chen für eine der­ar­ti­ge Sym­pto­ma­tik wären z.B. Bla­sen­stei­ne, eine Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung oder mög­li­cher­wei­se auch Bla­sen­krebs. Daher sind die unten genann­ten Unter­su­chun­gen not­wen­dig, um das Beschwer­de­bild ent­spre­chend abgren­zen zu kön­nen und die Dia­gno­se zu sichern.

Urin­ver­lus­te kön­nen im Rah­men des Beschwer­de­bil­des auf­tre­ten (Dran­gin­kon­ti­nenz). Die Erkran­kung kann jedoch auch ohne Urin­ver­lust bestehen und sich ledig­lich in einem stö­rend häu­fi­gen Harn­drang äußern.

Von einer über­ak­ti­ve Bla­se sind ca. 16% aller erwach­se­nen Men­schen betrof­fen. Der Anteil der betrof­fe­nen weib­li­chen Bevöl­ke­rung wird dabei mit 8–42% und der männ­li­chen Bevöl­ke­rung mit 10–26% ange­ge­ben. Frau­en sind im All­ge­mei­nen 20 Jah­re frü­her betrof­fen als Män­ner. Die Häu­fig­keit des Beschwer­de­bil­des steigt dabei mit zuneh­men­den Alter.

Gesi­cher­te unab­hän­gi­ge Risi­ko­fak­to­ren für die Ent­ste­hung einer Reiz­bla­se sind somit Alter und Übergewicht.

Erkran­kun­gen die häu­fig beglei­tend auf­tre­ten sind Depres­sio­nen, Ver­stop­fung und Erektionsstörungen.

Diagnostik

Da es sich bei der über­ak­ti­ven Bla­se letzt­lich um eine Aus­schluss­dia­gno­se han­delt, wer­den vor Ein­lei­tung einer The­ra­pie vom Uro­lo­gen in der Regel ver­schie­de­ne Unter­su­chun­gen vorgenommen.

Wich­tigs­ter Punkt hier­bei ist das ein­ge­hen­de Ana­mne­se­ge­spräch um das Beschwer­de­bild genau zu erfas­sen. An wei­ter­ge­hen­den Unter­su­chun­gen schlie­ßen sich oft eine Urindia­gnos­tik zum Aus­schluss zum Bei­spiel eines Harn­wegs­in­fek­tes und eine Ultra­schall­un­ter­su­chung der Harn­we­ge (Bla­se, Nie­ren, Rest­harn­mes­sung) an. Bei Män­nern ist zudem eine Tast­un­ter­su­chung bzw. Ultra­schall­un­ter­su­chung der Pro­sta­ta zu empfehlen.

Um ent­zünd­li­che Ver­än­de­run­gen der Bla­sen­schleim­haut oder evtl. bestehen­de Bla­sen­tu­mo­ren sicher zu erken­nen, ist zudem oft eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) notwendig.

Optio­nal kann zusätz­lich eine sog. Uro­dy­na­mik (sie­he Kapi­tel Harn­in­kon­ti­nenz) wei­te­ren Auf­schluss über die Bla­sen­ka­pa­zi­tät, Bla­sen­drü­cke und das Zusam­men­spiel zwi­schen Bla­sen- und Schließ­mus­kel geben.

Oft ist es hilf­reich, wenn betrof­fe­ne Pati­en­ten ein sog. Mik­ti­ons­ta­ge­buch füh­ren. Hier­bei wer­den sämt­li­che Toi­let­ten­be­su­che (Was­ser­las­sen) über min­des­tens 48h sowohl tags, als auch nachts mit Anga­be des Urin­vo­lu­mens protokolliert.

Hier­aus ist objek­ti­ver ersicht­lich wie vie­le Toi­let­ten­be­su­che tat­säch­lich erfolg­ten und wie aus­ge­prägt das Beschwer­de­bild ist. Im Ver­lauf der Behand­lung las­sen sich hier­durch auch The­ra­pie­er­fol­ge objektivieren.

Therapie

Soll­ten ursäch­li­che Erkran­kun­gen (z.B. Ner­ven­er­kran­kun­gen, Bla­sen­stein, Pro­sta­ta­ver­grö­ße­rung, Bla­sen­tu­mor) aus­ge­schlos­sen sein, bestehen viel­fäl­ti­ge Behand­lungs­mög­lich­kei­ten einer über­ak­ti­ven Blase.

Je nach Ent­ste­hung der Sym­pto­ma­tik, vor­he­ri­ger The­ra­pie und Prä­fe­renz des Pati­en­ten kön­nen ein Ver­hal­tens­trai­ning, eine psy­cho­so­ma­ti­sche Behand­lung, eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie (Tablet­ten, Anwen­dung von Botu­li­num­to­xin A), eine Elek­tro­sti­mu­la­ti­ons­be­hand­lung oder eine sakra­le Neu­ro­mo­du­la­ti­on zum Ein­satz kommen.

Verhaltenstraining und psychosomatische Behandlung

In Stu­di­en konn­te gezeigt wer­den, dass sich das Beschwer­de­bild einer über­ak­ti­ven Bla­se durch ein Ver­hal­tens­trai­ning deut­lich ver­bes­sert kann. Ziel hier­bei ist v.a. den Toi­let­ten­gang her­aus zu zögern und ein­ge­wöhn­te Mecha­nis­men zu durch­bre­chen. Hier bedarf es zur effek­ti­ven The­ra­pie aber einer pro­fes­sio­nel­len Anlei­tung. Der Uro­lo­ge vor Ort kann ggf. fach­kun­di­ge Hil­fe vermitteln.

In Ein­zel­fäl­len kön­nen auch Soma­ti­sie­rung­s­tö­run­gen Ursa­che einer über­ak­ti­ven Bla­se sein. In die­sem Fall ist eine fach­kun­di­ge psy­cho­so­ma­ti­sche Mit­be­ur­tei­lung hilfreich.

Elektrostimulation und Biofeedback-Training

Die­se Ver­fah­ren sind nicht schmerz­haft und vom Pati­en­ten im hei­mi­schen Umfeld sel­ber anwend­bar. Über Elek­tro­den im Damm- und Vagi­nal­be­reich kön­nen Pati­en­tin­nen und Pati­en­ten die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur trai­nie­ren und eine ver­bes­ser­te Kon­trol­le über die Becken­bo­den­mus­ku­la­tur erhalten.

Eine Ein­wei­sung in die Anwen­dung des Gerä­tes und eine The­ra­pie­über­wa­chung soll­te pro­fes­sio­nell erfol­gen. Ent­spre­chen­de The­ra­peu­ten kön­nen vom Uro­lo­gen vor Ort ver­mit­telt werden.

Als noch effek­ti­ver hat sich die­se The­ra­pie in Kom­bi­na­ti­on mit einer phy­sio­the­ra­peu­ti­schen Becken­bo­den­gym­nas­tik erwiesen.

Ins­ge­samt ist die­se Behand­lungs­op­ti­on neben­wir­kungs­arm, stellt jedoch für Pati­en­ten einen erheb­li­chen Zeit­auf­wand dar, da das Trai­ning oft­mals täg­lich (im häus­li­chen Umfeld) und über meh­re­re Mona­te erfol­gen muss, um einen The­ra­pie­er­folg zu bemerken.

Medikamentöse Therapie

Die am häu­figs­ten gewähl­te The­ra­pie­op­ti­on ist eine medi­ka­men­tö­se The­ra­pie in Tablet­ten­form. Das Wirk­prin­zip die­ser sog. Anti­cho­li­ner­gi­ka ist dabei ähn­lich. Es wer­den Rezep­to­ren im Bereich des Bla­sen­mus­kels blo­ckiert. Dies führt dazu, dass sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr so kräf­tig zusam­men­zie­hen kann. Zusätz­lich gibt es Hin­wei­se, dass durch die Medi­ka­men­te die Rei­ze aus der Harn­bla­se, wel­che den Harn­drang ver­ur­sa­chen, eben­falls blo­ckiert oder gehemmt werden.

Die Kom­bi­na­ti­on senkt die Häu­fig­keit der Toi­let­ten­be­su­che und unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te durch die Drangsymptomatik.

Der The­ra­pie­er­folg setzt meist erst nach eini­gen Tagen oder Wochen der The­ra­pie ein. Soll­te ein Prä­pa­rat nicht den gewünsch­ten Erfolg zei­gen, kann ein ande­rer Wirk­stoff pro­biert wer­den. Der Uro­lo­ge vor Ort berät betrof­fe­ne Pati­en­ten, wel­ches Prä­pa­rat im Rah­men von etwa­igen Begleit­erkran­kun­gen zu emp­feh­len ist.

Häu­fi­ge Neben­wir­kun­gen die­ser Wirk­stoff­grup­pe kön­nen Mund­tro­cken­heit oder Ver­stop­fung sein. Ins­ge­samt ist die Ver­träg­lich­keit jedoch zumeist gut und die Wir­kung der Wirk­stoff­grup­pe durch zahl­rei­che Stu­di­en belegt.

Botulinumtoxin A

Die Ver­wen­dung von Botu­li­num­to­xin A im Rah­men der The­ra­pie einer über­ak­ti­ven Bla­se erfolgt, wenn die bereits ange­führ­ten The­ra­pie­op­tio­nen kei­nen Erfolg hat­ten, oder für den Pati­en­ten unver­träg­lich waren.

Die Anwen­dung erfolgt im Rah­men einer Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) ambu­lant oder sta­tio­när mit einer loka­len Betäu­bung der Harn­bla­se. Im Rah­men der Spie­ge­lung wird mit einer fei­nen Nadel an ver­schie­de­nen Stel­len der Harn­bla­se Botu­li­num­to­xin A inji­ziert. Der Ein­griff dau­ert meist zwi­schen 10 und 20 Minu­ten und ist nicht oder nur wenig schmerzhaft.

Bei Botu­li­num­to­xin A han­delt es sich um ein Ner­ven­gift, wel­ches die Signal­über­tra­gung in der Bla­sen­mus­ku­la­tur hemmt. Hier­durch kann sich der Bla­sen­mus­kel nicht mehr, oder weni­ger stark zusam­men­zie­hen und die Häu­fig­keit der Bla­sen­ent­lee­run­gen sinkt.

Bis zum vol­len Wirk­ein­tritt ver­ge­hen ca. 2 Wochen. Die Wir­kung hält zwi­schen 6 und 12 Mona­ten an. Hier­nach ist eine erneu­te Durch­füh­rung der Injek­ti­on notwendig.

Die Vor­tei­le der The­ra­pie sind deut­lich weni­ger Neben­wir­kun­gen im Sin­ne einer Mund­tro­cken­heit und in Stu­di­en eine etwas höhe­re Tro­cken­heits­ra­te bei gleich­zei­tig bestehen­der Dranginkontinenz.

Als nach­tei­lig erwies sich eine höhe­re Anzahl von Harn­wegs­in­fek­ten im Ver­gleich zu den Anti­cho­li­ner­gi­ka und das Risi­ko eines Harn­ver­hal­tes. Hier­zu kann es bei einem über­schie­ßen­den Anspre­chen der Botu­li­num­to­xin­wir­kung kom­men. Der Bla­sen­mus­kel ist nicht mehr in der Lage sich selbst­stän­dig zusam­men­zu­zie­hen und der Pati­ent kann nicht mehr kon­trol­liert Was­ser las­sen. Die­ser Zustand wird vom Uro­lo­gen dann als Harn­ver­halt bezeichnet.

Die Dau­er die­ser uner­wünsch­ten Wir­kung ist durch die zeit­lich begrenz­te Wir­kung von Botu­li­num­to­xin A auf 6–12 Mona­te limi­tiert. In die­ser Zeit kann es not­wen­dig sein, dass sich die betrof­fe­nen Pati­en­ten täg­lich mehr­fach sel­ber katheterisieren.

Quel­le DGU

Movember — die globale Männer-Gesundheitsaktion im November

Der Novem­ber steht vor der Tür und damit erneut die glo­ba­le Män­ner­ge­sund­heits-Akti­on „Movem­ber“: Hin­ter der Wort­schöp­fung aus Novem­ber und mousta­che (eng­lisch für Schnurr­bart) steht eine welt­wei­te Orga­ni­sa­ti­on, die seit 2003 Män­ner dazu auf­ruft, sich im Akti­ons-Monat einen Schnurr­bart wach­sen zu las­sen, um damit auf die Initia­ti­ve auf­merk­sam zu machen und Spen­den für Gesund­heits­pro­gram­me in den Berei­chen Pro­sta­ta- und Hoden­krebs sowie see­li­sches Wohl­be­fin­den und kör­per­li­che Akti­vi­tät zu sammeln.

Auch Frau­en sind aus­drück­lich auf­ge­for­dert, die Cha­ri­ty-Akti­on zu unter­stüt­zen. Bis heu­te haben sich Mil­lio­nen soge­nann­ter Mo-Brot­hers und Mo-Sis­ters in zahl­ei­chen Län­dern die­ser Welt für die Movem­ber Foun­da­ti­on enga­giert und mehr als 465 Mil­lio­nen Euro Spen­den­gel­der gesam­melt, mit denen über 1000 Gesund­heits­pro­gram­me in 21 Län­dern unter­stützt wer­den. Finan­ziert wer­den glo­ba­le, län­der­spe­zi­fi­sche sowie loka­le Pro­jek­te, die in gro­ßer Trans­pa­renz online für jeder­mann ein­zu­se­hen sind.

Auch in Deutsch­land fin­det der Movem­ber jähr­lich zahl­rei­che Unter­stüt­zer und lässt Schnurr­bär­te für den guten Zweck sprie­ßen. Mit dabei ist in die­sem Jahr auch das glo­bal täti­ge Unter­neh­men Take­da, das sich seit nun­mehr 25 Jah­ren im Diens­te der Män­ner­ge­sund­heit enga­giert. Im Rah­men die­ses Jubi­lä­ums hat das Uro­lo­gie-Team bei Take­da in Deutsch­land auf der Home­page von Movem­ber das Netz­werk „Take­da Movem­ber Chall­enge“ ein­ge­rich­tet und spen­det für die ers­ten 2.000 Regis­trie­run­gen jeweils 10 Euro. Die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) und der Berufs­ver­band der Deut­schen Uro­lo­gen e.V. (BDU) begrü­ßen die­ses Engagement.

Den offi­zi­el­len Start der Take­da Chall­enge auf dem 67. DGU-Kon­gress in Ham­burg beglei­te­ten unter ande­ren hoch­ran­gi­ge Ver­tre­ter der Uro­lo­gen (im Foto von links nach rechts): BDU-Prä­si­dent Dr. Axel Schroe­der, Prof. Dr. Chris­ti­an Döhn, Ben Ars­lan, Movem­ber Coun­try Mana­ger Deutsch­land, Jean-Luc Delay, Geschäfts­füh­rer Take­da Deutsch­land und DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth. Außer­dem gab es pro­mi­nen­te Unter­stüt­zung von den ehe­ma­li­gen Hand­ball-Stars Micha­el und Uli Roth (re. außen), die bei­de 2009 an Pro­sta­ta­krebs erkrank­ten. Seit­dem set­zen sich die Zwil­lin­ge dafür ein, dass Män­ner früh­zei­tig zum Arzt gehen und Krebs­früh­erken­nungs­un­ter­su­chun­gen nutzen.

Koope­ra­ti­ons­part­ner von Movem­ber in Deutsch­land ist der gemein­nüt­zi­ge Spen­den- und För­der­ver­ein des Bun­des­ver­ban­des Pro­sta­ta­krebs Selbst­hil­fe e.V. (BPS): der För­der­ver­ein Hil­fe bei Pro­sta­ta­krebs e. V. (FHbP).

Quel­le: DGU

Der unwillkürliche Harnverlust (Harninkontinenz)

Allgemeines

Der unwill­kür­li­che, unkon­trol­lier­te Harn­ver­lust wird vom Uro­lo­gen als Harn­in­kon­ti­nenz bezeich­net. Der betrof­fe­ne Pati­ent ist außer­stan­de, den Zeit­punkt des Was­ser­las­sens selbst zu bestim­men. Dies kann unter­schied­li­che Ursa­chen haben. Eine Stö­rung des kom­ple­xen Zusam­men­spiels zwi­schen Harn­bla­se, Harn­röh­re, Harn­bla­sen­schließ­mus­kel, und Becken­bo­den­mus­ku­la­tur kann zu die­sem Beschwer­de­bild bei­tra­gen. Beim Mann kann zudem eine ver­grö­ßer­te Pro­sta­ta zu einer Bla­sen­ent­lee­rungs­stö­rung füh­ren, wel­che eben­falls unkon­trol­lier­te Urin­ver­lus­te zu Fol­ge haben kann.

Die Harn­in­kon­ti­nenz ist ein ver­brei­te­tes Lei­den, das bevor­zugt Frau­en im mitt­le­ren und höhe­ren Lebens­al­ter, aber auch jün­ge­re Men­schen und Män­ner betrifft. Durch die zuneh­men­de Lebens­er­war­tung und Pati­en­ten, wel­che auch im höhe­ren Alter ihr Leben aktiv gestal­ten kommt die­ser Erkran­kung eine immer grö­ße­re medi­zi­ni­sche und gesell­schaft­li­che Bedeu­tung zu.

In Deutsch­land sind schät­zungs­wei­se etwa 6 Mil­lio­nen Men­schen von einer Harn­in­kon­ti­nenz betrof­fen. Oft wird die­ses Lei­den vom Pati­en­ten aus Scham­ge­fühl selbst dem Arzt gegen­über nicht erwähnt. Unan­ge­neh­me Begleit­erschei­nun­gen des unwill­kür­li­chen Harn­ab­gangs kön­nen Geruchs­ent­wick­lung und Haut­er­kran­kun­gen im Geni­tal­be­reich durch das feuch­te Milieu sein.

Der see­li­sche Lei­dens­druck durch eine Inkon­ti­nenz ist hoch und kann zu erheb­li­chen Ein­schrän­kun­gen der Lebens­qua­li­tät füh­ren. Eine Mit­be­hand­lung durch einen Uro­lo­gen ist in jedem Fall sinn­voll, um die Ursa­che der Inkon­ti­nenz bes­ser zu beur­tei­len und The­ra­pie­op­tio­nen aufzuzeigen.

Formen und Ursachen einer Harninkontinenz

Der Uro­lo­ge unter­schei­det zwi­schen einer Belas­tungs- und einer Dranginkontinenz.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tritt der Urin­ver­lust typi­scher­wei­se unter kör­per­li­cher Belas­tung auf. Bei einer leich­te­ren Aus­prä­gung geht Urin vor allem bei schwe­rer kör­per­li­cher Arbeit ver­lo­ren. Eben­so kön­nen Uri­n­ab­gän­ge beim Hus­ten, Lachen oder Nie­sen auf­tre­ten. Bei sehr schwe­ren For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz tre­ten Urin­ver­lust auch in kör­per­li­che Ruhe und im Lie­gen auf. Betrof­fen sind hier vor allem Frau­en. Ein wich­ti­ger Risi­ko­fak­tor kann dabei eine Schä­di­gung des Becken­bo­dens durch (mehr­fa­che) vagi­na­le Ent­bin­dun­gen sein. Sel­te­ne­re Ursa­chen sind z.B. Fis­tel­bil­dun­gen zwi­schen Schei­de und Harn­bla­se, als Fol­ge von Ver­let­zun­gen, Ope­ra­tio­nen oder einer Strah­len­the­ra­pie. Auch Män­ner kön­nen von einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz betrof­fen sein. Hier tre­ten die Beschwer­den als uner­wünsch­te Neben­wir­kung zum Bei­spiel nach einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on oder nach einer ope­ra­ti­ven Ver­klei­ne­rung der Pro­sta­ta bei gut­ar­ti­ger Ver­grö­ße­rung auf.

Bei einer Dran­gin­kon­ti­nenz kommt es zu unwill­kür­li­chen, unkon­trol­lier­ten Urin­ver­lus­ten, wel­che nor­ma­ler­wei­se mit einem schnell auf­tre­ten­den Harn­drang ein­her­ge­hen. Der Urin kann dabei nicht bis zum Auf­su­chen der Toi­let­te zurück­ge­hal­ten wer­den und ent­leert sich oft schwall­ar­tig. Beglei­tend ist oft­mals eine häu­fi­ger Harn­drang mit ent­spre­chend gehäuf­ten Toi­let­ten­be­su­chen, wel­che bei sehr kur­zen Inter­val­len von teils <30 Minu­ten auch erheb­lich beein­träch­ti­gen sind. Von einer soge­nann­ten Über­ak­ti­ven Bla­se („Reiz­bla­se“) mit beglei­ten­der Inkon­ti­nenz sind Frau­en etwa dop­pelt so häu­fig betrof­fen wie Män­ner. Ursa­che einer sol­chen Sym­pto­ma­tik kön­nen bak­te­ri­el­le Infek­tio­nen der Harn­bla­se, Bla­sen­tu­mo­re, Ner­ven­er­kran­kun­gen, Rücken­marks­schä­den oder Fremd­kör­per in der Bla­se sein. Sehr häu­fig fin­det man aller­dings kei­nen Aus­lö­ser für die­se Erkran­kung. Misch­for­men zwi­schen bei­den Inkon­ti­nenz­for­men tre­ten auf.

Untersuchung durch den Urologen

Neben der all­ge­mei­nen ärzt­li­chen Unter­su­chung ste­hen ver­schie­de­ne spe­zi­el­le Unter­su­chun­gen zur Beur­tei­lung und The­ra­pie­pla­nung bei Inkon­ti­nenz zur Verfügung.

Trink- und Miktionsprotokoll

Vom Pati­en­ten über min­des­tens 48h Stun­den zu füh­ren­de Tabel­le, in wel­cher er die Trink­men­ge, die Toi­let­ten­be­su­che (Uhr­zeit), die Urin­men­ge, unwill­kür­li­che Urin­ver­lus­te und Dran­g­e­pi­so­den doku­men­tiert. Ein sol­ches Pro­to­koll hilft dem Uro­lo­gen das Pro­blem zu objek­ti­vie­ren und Situa­tio­nen zu erken­nen, in wel­chen es zu gehäuf­ten Harn­drang kommt.

Pad-Test

Bei die­sem Ver­fah­ren wird der Pati­ent bei gefüll­ter Bla­se mit einer Inkon­ti­nenz­vor­la­ge aus­ge­stat­tet. Unter defi­nier­ter kör­per­li­cher Belas­tung, oder Tra­gen über einen län­ge­ren Zeit­raum (24h) tre­ten z.B. bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz Urin­ver­lus­te auf. Die Vor­la­gen kön­nen hier­nach gewo­gen wer­den und die Men­ge des Urin­ver­lus­tes bestimmt werden.

Blasenspiegelung/vaginale Unter­su­chung

Zur nähe­ren Abklä­rung einer Inkon­ti­nenz ist eine Bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) uner­läss­lich. Die Unter­su­chung erlaubt dem Uro­lo­gen krank­haf­te Ver­än­de­run­gen und damit Ursa­chen einer Inkon­ti­nenz in der Bla­se zu erken­nen. Des Wei­te­ren lässt die­se Unter­su­chung eine Beur­tei­lung der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des Bla­sen­schließ­mus­kel zu. Bei Frau­en wird die Unter­su­chung oft mit einer vagi­na­len Unter­su­chung kom­bi­niert, um eine evtl. bestehen­de Bla­sen­sen­kung zu erkennen.

Uro­dy­na­mik

Um den Ablauf der Bla­sen­ent­lee­rung, die Steue­rung der Bla­se durch die Ner­ven und die in der Harn­bla­se wäh­rend des Was­ser­las­sens herr­schen­den Drü­cke zu mes­sen und zu beur­tei­len kann eine sog. Uro­dy­na­mi­sche Mes­sung (Uro­dy­na­mik) erfol­gen. Hier­bei wird ein dün­ner Bla­sen­ka­the­ter in die Harn­bla­se ein­ge­führt und die Bla­se voll­stän­dig ent­leert. Über den Kathe­ter kann nun der Druck in der Harn­bla­se bestimmt wer­den. Aus mess­tech­ni­schen Grün­den ist es gleich­zei­tig not­wen­dig einen dün­nen Bal­lon­ka­the­ter im End­darm zu platzieren.

Die Bla­se wird nun com­pu­ter­ge­steu­ert mit war­mer Koch­salz­lö­sung lang­sam gefüllt. Es wird damit eine natür­li­che Fül­lung der Harn­bla­se mit Urin im Zeit­raf­fer simu­liert. Wäh­rend der Mes­sung wird der Pati­ent befragt, ob er einen Harn­drang ver­spürt und wie stark die­ser ist. Auch Urin­ver­lus­te wer­den wäh­rend der Mes­sung doku­men­tiert. Wenn die Bla­se so stark gefüllt ist, dass der Pati­ent einen Harn­drang ver­spürt, wird die­ser auf­ge­for­dert bei lie­gen­dem Kathe­ter zu uri­nie­ren. Hier­bei wer­den nun erneut die Druck­wer­te in der Bla­se gemes­sen. Die Unter­su­chung erlaubt Rück­schlüs­se auf die Art einer Inkon­ti­nenz und kann Aus­kunft geben, ob etwa­ige ope­ra­ti­ve The­ra­pie­ver­fah­ren sinn­voll sind. Wei­ter­hin erhält der Arzt Infor­ma­tio­nen über die Druck­ver­hält­nis­se in der Harn­bla­se und kann anhand die­ser beur­tei­len, ob ein Risi­ko für eine Nie­ren­schä­di­gung (z.B. bei sehr hohen Bla­sen­drü­cken) besteht.

Bei der sog. Video-Uro­dy­na­mik wer­den par­al­lel zu der Druck­mes­sung Rönt­gen­bil­der der Harn­bla­se und des Harn­trak­tes ange­fer­tigt, wel­che die Arbeit des Becken­bo­dens und der Harn­bla­se bes­ser beur­tei­len las­sen. Eine Uro­dy­na­mi­sche-Mes­sung ist durch die Kathe­ter­an­la­ge für Pati­en­ten zwar etwas unan­ge­nehm, aller­dings nicht schmerzhaft.

Welche Therapieverfahren sind möglich?

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz der Frau

Da die­se Inkon­ti­nenz­form oft auf einer Schwä­che der Becken­bo­den­mus­ku­la­tur und des umge­ben­den Bin­de­ge­we­bes beruht, ist ins­be­son­de­re bei leich­ten For­men der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz eine pro­fes­sio­nell ange­lei­te­te Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Um die Pro­ble­ma­tik effek­tiv zu ver­bes­sern ist eine regel­mä­ßi­ge Anwen­dung not­wen­dig. Eine kurz­fris­ti­ge The­ra­pie von z.B. 2–3 Wochen bringt kei­nen Erfolg.

Bei einer Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist ergän­zend zur Becken­bo­den­gym­nas­tik der Wirk­stoff Dulo­xe­tin zur Ver­bes­se­rung der Inkon­ti­nenz­sym­pto­ma­tik zuge­las­sen. Bei die­sem Wirk­stoff han­delt es sich ursprüng­lich um ein Anti­de­pres­si­vum. Neben­wir­kun­gen kön­nen, ins­be­son­de­re bei schnel­ler Dosis­stei­ge­rung, auf­tre­ten und z.T. aus­ge­prägt sein. Soll­te eine schwer­wie­gen­de­re Belas­tungs­in­kon­ti­nenz bei einer Frau bestehen, so bestehen auch ope­ra­ti­ve Mög­lich­kei­ten die­se zu besei­ti­gen oder zu lin­dern. Gän­ge Ver­fah­ren sind hier­bei das Ein­brin­gen eines Kunst­stoff­ban­des unter die Harn­röh­re. Dies erfolgt ent­we­der über einen klei­nen Schnitt durch die Bauch­de­cke (TVT: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape) oder über die Schen­kel­beu­ge (TVT‑O: Ten­si­on-free Vagi­nal Tape Obtu­ra­tor). Die Erfolgs­ra­ten hin­sicht­lich der Besei­ti­gung der Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit die­sen Ver­fah­ren sind hoch. Zu beach­ten ist jedoch, dass ein­mal in den Kör­per ein­ge­brach­tes Band­ma­te­ri­al schwie­rig bis gar nicht zu ent­fer­nen ist. Neben­wir­kun­gen wie Ent­zün­dun­gen des Band­ma­te­ri­als oder Fremdkörpergefühl/Schmerzen kön­nen auftreten.

Die Indi­ka­ti­on ist daher kri­tisch zu stellen.

Soll­te bei einer Frau die Belas­tungs­in­kon­ti­nenz mit einer kom­ple­xen Sen­kung des Becken­bo­dens ein­her­ge­hen kann auch das Ein­brin­gen von grö­ße­ren Net­zen in den Becken­bo­den not­wen­dig wer­den. Hier ist beson­ders die Mit­be­ur­tei­lung durch einen Gynä­ko­lo­gen zu emp­feh­len. Als Alter­na­ti­ve besteht die Mög­lich­keit den Bla­sen­hals ope­ra­tiv ohne Ein­brin­gen von Netz­ma­te­ria­li­en anzu­he­ben. Die­se Metho­de nennt der Uro­lo­ge Kol­pus­sus­pen­si­on nach Bur­ch. Die Metho­de ist in etwa so erfolg­ver­spre­chend wie die genann­ten Ban­d­ope­ra­tio­nen. Es kann jedoch nach eini­gen Jah­ren zu einem erneu­ten Auf­tre­ten der Inkon­ti­nenz kom­men, was eine Wie­der­ho­lung des Ein­grif­fes not­wen­dig macht.

Belas­tungs­in­kon­ti­nenz des Mannes

Häu­figs­te Ursa­che einer männ­li­chen Belas­tungs­in­kon­ti­nenz ist, trotz immer wei­ter ver­bes­ser­ter OP-Tech­nik, eine Schä­di­gung des Schließ­mus­kels im Rah­men einer radi­ka­len Pro­sta­ta­krebs­ope­ra­ti­on. Wäh­rend in den ers­ten 6 Mona­ten nach einer sol­chen Ope­ra­ti­on noch rela­tiv vie­le Män­ner Inkon­ti­nenz­vor­la­gen benut­zen müs­sen, sinkt die Zahl der Betrof­fe­nen hier­nach auf ca. 2–10%. In der Reha­bi­li­ta­ti­ons­pha­se ist vor allem eine inten­si­ve und pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung zur Becken­bo­den­gym­nas­tik hilf­reich. Soll­te im lang­fris­ti­gen Ver­lauf eine für den Pati­en­ten stö­ren­de Inkon­ti­nenz bestehen, so sind auch hier ope­ra­ti­ve Ver­fah­ren ver­füg­bar. Je nach Schwe­re der Inkon­ti­nenz kom­men hier­bei eben­falls Band­ma­te­ria­li­en (z.B. Advance-Band, Argus-Schlinge) zum Ein­satz, wel­che die Harn­röh­re und den Schließ­mus­kel unterstützen.

Bei sehr aus­ge­präg­ten For­men der Inkon­ti­nenz kann schließ­lich die Implan­ta­ti­on eines künst­li­chen Bla­sen­schließ­mus­kels ange­bo­ten wer­den. Die­se OP-Ver­fah­ren wer­den in spe­zia­li­sier­ten Zen­tren ange­bo­ten und haben eine hohe Erfolgs­ra­te. Nach­tei­le bestehen für den Pati­en­ten in der jeweils bei jedem Toi­let­ten­be­such durch­zu­füh­ren­den manu­el­len Bedie­nung. Wei­ter­hin ber­gen Implan­ta­te ein Infek­ti­ons­ri­si­ko bei bak­te­ri­el­ler Besied­lung, was zu Fol­ge­ope­ra­tio­nen füh­ren kann.

Dran­gin­kon­ti­nenz

Die The­ra­pie einer Dran­gin­kon­ti­nenz ist in ers­ter Linie eine kon­ser­va­ti­ve, medi­ka­men­tö­se The­ra­pie. Zunächst soll­ten evtl. ursäch­li­che Begleit­erkran­kun­gen (z.B. Mul­ti­ple Skle­ro­se) erkannt und behan­delt wer­den. Hier­durch ist teil­wei­se schon eine Lin­de­rung der Beschwer­den mög­lich. Oft­mals wer­den jedoch kei­ne expli­zi­ten Ursa­chen gefun­den. Zur wei­te­ren The­ra­pie ste­hen ver­schie­den Medi­ka­men­te zur Ver­fü­gung, wel­che die Akti­vi­tät des Bla­sen­mus­kels redu­zie­ren und dadurch Drang- und Inkon­ti­nenz­epi­so­den ver­min­dern oder besei­ti­gen kön­nen. Die­se Medi­ka­men­te wer­den auch als Anti­cho­li­ner­gi­ka bezeich­net. Unter die­sen Anti­cho­li­ner­gi­ka gibt es eine Viel­zahl von ver­schie­de­nen Wirk­stof­fen, deren The­ra­pie­prin­zip jedoch ähn­lich ist. Wel­ches Prä­pa­rat für den ein­zel­nen Pati­en­ten opti­mal ist, ent­schei­det der Uro­lo­ge anhand mög­li­cher Begleit­erkran­kun­gen und des Alters des Pati­en­ten. Neben­wir­kun­gen kön­nen ein tro­cke­ner Mund oder Ver­stop­fung sein. Ein The­ra­pie­er­folg ist oft erst nach eini­gen Wochen der The­ra­pie zu beurteilen.

Soll­te mit die­sen Medi­ka­men­ten kein Erfolg zu erzie­len sein, ist die Ver­wen­dung von Botu­li­num­to­xin mög­lich. Der Wirk­stoff ist vie­len Men­schen durch die Medi­en im Rah­men von Schön­heits­ope­ra­tio­nen bekannt (Fal­ten­be­hand­lung). Im Rah­men einer hart­nä­cki­gen Dran­gin­kon­ti­nenz wird die­ses Medi­ka­ment direkt bei einer Harn­bla­sen­spie­ge­lung (sie­he dort) in den Bla­sen­mus­kel gespritzt. Die­se Pro­ze­dur kann mit loka­ler Betäu­bung durch­ge­führt wer­den und ist nicht schmerzhaft.

Der The­ra­pie­er­folg hält meist zwi­schen 6–12 Mona­ten an. Danach muss die Pro­ze­dur wie­der­holt wer­den. Eine uner­wünsch­te Wir­kung die­ser Behand­lung besteht in einer über­schie­ßen­den Wir­kung, wel­che es dem Pati­en­ten teils nicht erlaubt die Bla­se voll­stän­dig zu ent­leer­ten. Mit Nach­las­sen der Wir­kung ver­schwin­det die­ser uner­wünsch­te Effekt, aller­dings kann für den Zeit­raum ein vor­über­ge­hen­de selb­stän­di­ges kathe­te­ri­sie­ren durch den Pati­en­ten not­wen­dig werden.

Bei sehr aus­ge­präg­ten Form einen Dran­gin­kon­ti­nenz, ggf. in Kom­bi­na­ti­on mit einer schwer­wie­gen­den chro­ni­schen Ent­zün­dung der Bla­se (z.B.: Inters­ti­ti­el­le Cys­ti­tis) kann auch eine ope­ra­ti­ve Ent­fer­nung der Bla­se als letz­te Alter­na­ti­ve ver­blei­ben. Die Harn­ab­lei­tung erfolgt dann z.B. über einen kathe­te­ri­sier­ba­ren Nabel­pouch, ein Ileum­con­duit oder eine „Ersatzblase“-Neoblase.

Für Pati­en­ten die kei­ne medi­ka­men­tö­se oder ope­ra­ti­ve Behand­lung wün­schen besteht die Mög­lich­keit einer Bio­feed­back und Elek­tro­sti­mul­ti­ons­be­hand­lung. Behand­lungs­kos­ten wer­den durch die Kran­ken­kas­se über­nom­men. Eine pro­fes­sio­nel­le Anlei­tung in Hand­ha­bung und Bedie­nung ist not­wen­dig um einen The­ra­pie­er­folg zu erzie­len. Die The­ra­pie selbst wird dann vom Pati­en­ten selbst über einen län­ge­ren Zeit­raum (min­des­tens 3–6 Mona­te) selbst­stän­dig durch­ge­führt. Ein The­ra­pie­er­folg ist nicht sicher. Die Ver­triebs­fir­men bie­ten eine sol­che Anlei­tung durch geschul­te Mit­ar­bei­ter an. Der Uro­lo­ge kann den Pati­en­ten ent­spre­chend bera­ten und eine Behand­lung in die Wege leiten.

Quel­le: DGU

Volkskrankheit Harnsteine

Harn­stei­ne fal­len längst in die Kate­go­rie der Volks­krank­hei­ten: Welt­weit gehö­ren sie zu den häu­figs­ten Erkran­kun­gen, in vie­len Län­dern mit stark zuneh­men­der Ten­denz. In Deutsch­land hat sich die Zahl der jähr­li­chen Neu­erkran­kun­gen seit Mit­te der 1980er-Jah­re ver­drei­facht. „Wir gehen heu­te davon aus, dass etwa jeder Zehn­te ein­mal im Leben einen Harn­stein ent­wi­ckelt, von denen dann grob jeder Vier­te spä­ter erneut Stei­ne bekommt“, sagt Prof. Dr. Tho­mas Knoll, Chef­arzt der Sin­del­fin­ger Kli­nik für Uro­lo­gie und zugleich der Vor­sit­zen­de des Arbeits­krei­ses Harn­stei­ne der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen. Da Harn­stei­ne hier­zu­lan­de seit eini­gen Jah­ren hin­ter Pro­sta­ta­er­kran­kun­gen die zweit­häu­figs­te Dia­gno­se uro­lo­gi­scher Kli­ni­ken sind, hat­te die Deut­sche Gesell­schaft für Uro­lo­gie e.V. (DGU) ihn als Koor­di­na­tor für die Erstel­lung einer neu­en „Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thi­asis“ bestellt. Als Leit­li­nie der Qua­li­tät S2k hat die Arbeit einen umfas­sen­den Kon­sen­sus­pro­zess durch­lau­fen. Nach Wor­ten von DGU-Prä­si­dent Prof. Dr. Ste­phan Roth wird die Bedeu­tung von Stein­erkran­kun­gen und der neu­en Leit­li­nie beim 67. DGU-Kon­gress vom 23. bis 26. Sep­tem­ber 2015 in Ham­burg mit einem Forum unterstrichen.

Die neue Harn­stein-Leit­li­nie soll die Behand­lung von Kin­dern und Erwach­se­nen mit Uro­li­thi­asis in Kli­nik und Pra­xis unter­stüt­zen, aber auch Pati­en­ten über Nie­ren- und Harn­lei­ter­stei­ne infor­mie­ren. Bla­sen­stei­ne, bei denen eine ande­re Kau­sa­li­tät als bei Stei­nen des obe­ren Harn­trakts vor­liegt, sind in der Leit­li­nie nicht berück­sich­tigt. Die zuneh­men­de Häu­fig­keit von Harn­stein­er­kran­kun­gen wird in der Leit­li­nie sowohl auf ver­än­der­te Lebens­um­stän­de und Ernäh­rungs­ge­wohn­hei­ten zurück­ge­führt. Über­ge­wicht, Bewe­gungs­man­gel, Dia­be­tes sowie fort­ge­schrit­te­nes Lebens­al­ter und männ­li­ches Geschlecht sind laut Prof. Knoll bekann­te Risi­ko­fak­to­ren. Aber auch eine ver­bes­ser­te medi­zi­ni­sche Dia­gnos­tik hat dazu geführt, dass Harn­stei­ne häu­fi­ger als frü­her nach­ge­wie­sen werden.

Eben­so unter­schied­lich wie die che­mi­sche Zusam­men­set­zung von Harn­stei­nen ist, so man­nig­fal­tig kön­nen auch die aus­lö­sen­den Ursa­chen sein, die im Kör­per selbst und nicht durch äuße­re Ein­flüs­se ent­ste­hen. Sie wer­den durch unzu­rei­chen­de Flüs­sig­keits­auf­nah­me und damit unge­nü­gen­de Urin­ver­dün­nung ver­stärkt. Die Fol­gen der Harn­stein­bil­dung kön­nen nicht nur äußerst schmerz­haft, son­dern auch sehr schwer­wie­gend aus­fal­len: Manch Betrof­fe­ner wird klei­ne­re Stei­ne zwar auf natür­li­chem Wege wie­der los, bei grö­ße­ren Exem­pla­ren schafft aber nur eine der ver­schie­de­nen The­ra­pie­op­tio­nen Abhil­fe. Jedoch ist mit der Ent­fer­nung eines Harn­steins — egal ob natür­lich oder the­ra­peu­tisch — die Ursa­che nicht besei­tigt. In vie­len Fäl­len kommt es wie­der zu Stei­nen. Prof. Knoll zu den Fol­gen: „Zwi­schen häu­fi­ger Stein­bil­dung und der Nie­ren­funk­ti­ons­stö­rung besteht eine kla­re Kor­re­la­ti­on.“ So führt nach sei­ner Ein­schät­zung die wie­der­hol­te Bil­dung von Kal­zi­umstei­nen in gut jedem zehn­ten Fall zu einer Nie­ren­in­suf­fi­zi­enz. Auch zwi­schen Herz- und Herz­kreis­lauf­erkran­kun­gen wie Blut­hoch­druck oder der Ver­en­gung der Herz­kranz­ge­fä­ße gebe es einen engen Zusam­men­hang mit Stein­lei­den. Der Uro­lo­ge wei­ter: „Aller­dings wis­sen wir noch nicht genau, was von bei­den dabei Ursa­che und was Fol­ge ist.“

Die neue Uro­li­thi­asis-Leit­li­nie, die eine Ver­si­on von 2009 ersetzt, greift ins­be­son­de­re aktu­el­le Ent­wick­lun­gen in der bild­ge­ben­den Dia­gnos­tik und in der Inter­ven­ti­on auf. So wird die Not­wen­dig­keit dia­gnos­ti­scher Rönt­gen­un­ter­su­chun­gen wie etwa der Aus­schei­dungs­ur­ogra­fie auf­grund ihrer Strah­len­be­las­tung hin­ter­fragt, statt­des­sen Ultra­schall und Com­pu­ter­to­mo­gra­fie wei­ter gestärkt. Glei­ches gilt für ope­ra­ti­ve Ein­grif­fe, bei denen in immer mehr Fäl­len endo­sko­pi­sche Ver­fah­ren ers­te Wahl sind. Deut­li­cher her­aus­ge­ar­bei­tet wur­de in der neu­en Leit­li­nie zudem der the­ra­peu­ti­sche Umgang mit spe­zi­el­len Risi­ko­grup­pen wie Kin­dern und Schwan­ge­ren. Brei­te­ren Raum neh­men auch die The­men Stoff­wech­sel­dia­gnos­tik und Meta­phy­la­xe ein, für die gut nach­voll­zieh­ba­re Hand­lungs­vor­schrif­ten ent­wi­ckelt wur­den. Beson­ders die the­ra­peu­ti­sche Nach­sor­ge ist nach Wor­ten von Leit­li­ni­en-Koor­di­na­tor Prof. Dr. Tho­mas Knoll sehr wich­tig und wird häu­fig ver­nach­läs­sigt: „Wenn der Schmerz erst ein­mal weg ist, ver­ges­sen vie­le die Harn­stei­ne bald wie­der. Ohne Meta­phy­la­xe liegt das Rezi­div­ri­si­ko, abhän­gig von der Art der Stei­ne, jedoch über 50 Pro­zent. Eine risi­ko­ad­ap­tier­te Nach­sor­ge kann dies deut­lich senken.“

An der Leit­li­ni­en­ar­beit waren elf Arbeits­krei­se (AK) der Aka­de­mie der Deut­schen Uro­lo­gen, dar­un­ter der AK Kin­der­uro­lo­gie, 13 wei­te­re Fach­ge­sell­schaf­ten und Berufs­grup­pen sowie auch ein Pati­en­ten­ver­tre­ter betei­ligt. Die neue „S2k-Leit­li­nie zur Dia­gnos­tik, The­ra­pie und Meta­phy­la­xe der Uro­li­thi­asis“, deren Her­aus­ge­ber die DGU ist, wur­de kürz­lich auf der Inter­net­sei­te der Arbeits­ge­mein­schaft der Wis­sen­schaft­li­chen Medi­zi­ni­schen Fach­ge­sell­schaf­ten e.V. (AWMF) unter der Regis­ter­num­mer 043–025 veröffentlicht.

 

Quel­le: DGU