Erster Welt-Nierenkrebs-Tag: Breites Behandlungsspektrum für deutsche Urologen

Das Präventionspotenzial liegt im individuellen Lebensstil 

Berlin, 21.06.2017. Nierenkrebs ist die dritthäufigste Tumorerkrankung, mit der Deutschlands Urologen in Praxen und Kliniken konfrontiert sind. Betroffene Patienten sind zumeist ältere Menschen und nach altersstandardisierten Daten des Robert Koch-Instituts (RKI) doppelt so viele Männer wie Frauen. Rund 16.500 Neuerkrankungen an Nierenkrebs erwartete das RKI für 2016. Früh erkannt, lassen sich Nierentumoren heute gut behandeln und die Prognose für die meisten Patienten ist günstig, teilen die Deutsche Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) und der Berufsverband der Deutschen Urologen e.V. (BDU) anlässlich des Welt-Nierenkrebs-Tages mit, der am morgigen 22. Juni 2017 erstmals stattfindet. Sie betonen jedoch zugleich die Bedeutung der Prävention von Nierentumoren – und damit besonders Fragen des individuellen Lebensstils.

„Die Ursachen für die Entstehung von Nierenkrebs, zu 90 Prozent handelt es sich dabei um Nierenzellkarzinome, sind noch nicht geklärt. Aber es gibt Risikofaktoren wie etwa Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Mangel an körperlicher Aktivität, die laut S3-Leitlinie zum Nierenkrebs als begünstigend erkannt sind. Diese Faktoren sind beeinflussbar, und hier sollte Prävention ansetzen“, sagt BDU-Präsident Dr. Axel Schroeder. Nicht modifizierbare Risikofaktoren seien terminale Niereninsuffizienz und eine erbliche Vorbelastung, die jedoch selten vorkomme. „Umso mehr Bedeutung erhält eine gesunde Lebensführung bei der Prävention von Nierenkrebs.“

Im frühen und im lokal fortgeschrittenen Stadium machen Nierentumoren keine Symptome. Sie werden bei Ultraschalluntersuchungen des Bauchraumes oft eher beiläufig entdeckt, woran stetig verbesserte bildgebende Verfahren ihren Anteil haben. Treten bereits Beschwerden wie etwa Schmerzen im seitlichen Rückenbereich oder blutiger Urin auf, ist der Krebs häufig schon weit fortgeschritten und hat oft bereits Metastasen gestreut. Obwohl das statistische Durchschnittsalter bei der Erstdiagnose von Nierentumoren relativ hoch ist – bei Männern sind es 68, bei Frauen 72 Jahre – befindet sich das Karzinom bei seiner Entdeckung in 75 Prozent aller Fälle noch in einem frühen Stadium mit entsprechend günstiger Prognose für den Krankheitsverlauf.

Sowohl Nierentumoren im frühen und lokal fortgeschrittenen Stadium als auch Nierenkrebs im metastasierte Stadium werden nach der ärztlichen S3-Leitlinie zur Diagnostik, Therapie und Nachsorge des Nierenzellkarzinoms behandelt, die 2015 federführend von der DGU und von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie (DGHO) erstellt und gerade aktualisiert worden ist. Das Spektrum der Behandlungsmöglichkeiten ist breit und spannt sich von aktiver Überwachung über verschiedene Operationsverfahren bis zu komplexen systemischen Therapien. „Im frühen oder lokal fortgeschrittenen Stadium sind Operationen, minimal-invasiv und nach Möglichkeit organerhaltend, immer noch alternativlos. Regelmäßige, risikoadaptierte Nachsorgeschemata gemäß der S3-Leitlinie, gilt es bei der Nachsorge operierter Patienten zu berücksichtigen, um Rezidive ggf. früh zu erkennen. Ablative Therapien wie etwa die Radiofrequenzablation, bei der durch Hitzeentwicklung eines hochfrequenten Stroms gezielt Gewebe zerstört wird, müssen sich weiter beweisen“, so DGU-Pressesprecher Prof. Dr. Christian Wülfing. Der urologische Chefarzt weiter: „Für die metastasierten Tumoren sind inzwischen zehn Medikamente zugelassen. Durch gezielte Krebstherapie, sogenannte ‚̣targeted therapy’, und kluge Kombination neuer Präparate werden die Überlebenszeiten der Patienten länger.“

Quelle: DGU

Ausführliche Informationen über Vorsorge, Risikofaktoren, Symptome, Diagnostik und die Behandlung von Nierenkrebs bieten wir Ihnen in unserer Praxis. Erkundigen Sie sich bei uns nach unserer Krebsvorsorgebroschüre.

Harninkontinenz: Urologen stellen neue Entwicklungen der Inkontinenz-Therapie vor

Berlin, 11.05.2017. Funktionsstörungen im Blasen- und Beckenbodenbereich sind weit verbreitet. Sie reichen von Blasenentleerungsstörungen über ungewollten Urinverlust bis hin zu Schmerzen in Becken und Rücken. Von den Patienten und Patientinnen als besonders unangenehm empfunden wird eine Harninkontinenz. Das Gefühl, die eigene Blase nicht mehr kontrollieren zu können, geht mit einem hohen Leidensdruck einher. Eine von drei Frauen hat in ihrem Leben das Risiko an einer Belastungsinkontinenz zu erkranken. Eine von neun Frauen erkrankt an einer sogenannten Senkung ihres inneren Genitales (Prolaps). Zu den häufigsten Auslösern einer Belastungs- oder Dranginkontinenz sowie einer Prolapserkrankung bei Frauen zählen degenerative Veränderungen, Entzündungen, Geburtsschädigungen, Übergewicht sowie eine zunehmende Lebenserwartung. Bei Männern spielt neben dem Alter meist eine Operation der Prostata die bedeutende Rolle bei der Entstehung einer Harninkontinenz.

Hilfe finden betroffene Männer und Frauen in Form moderner Behandlungsmaßnahmen, die zugleich schonend und effektiv sind. Wurde noch vor wenigen Jahren aufwändig operiert, bei Frauen etwa der Blasenhals im Zuge einer belastenden Schnittoperation verlagert, eine sogenannte Nadelsuspension vorgenommen oder eine Pubovaginalschlinge aus körpereigenem Gewebe gesetzt, reicht heute meist ein minimalinvasiver Eingriff aus. Die theoretischen Grundlagen dieser Therapie wurden bereits vor 25 Jahren in der sogenannten Integraltheorie nach Petros beschrieben – der Wiederherstellung der Blasenfunktion durch die Rekonstruktion des lockeren Halteapparates. Bewährt hat sich unter anderem der Einsatz suburethraler Bänder, etwa aus Polypropylen. Der Beckenboden ist dabei mit einem Trampolin vergleichbar: Nur wenn eine ausreichende Spannung vorhanden ist, kann er richtig funktionieren.

„Die synthetischen Bänder, die mit Hilfe eines kleinen Schnittes beziehungsweise Einstichs in den Beckenboden eingesetzt werden, ersetzen die erschlafften Halte- und Stützbänder des Beckenbodens und stellen so die verloren gegangene Elastizität und Spannkraft wieder her“, erklärt Dr. Alfons Gunnemann, der auf dem 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) in Dresden zu diesem Thema referieren und das Inkontinenz-Forum begleiten wird. „Nicht nur, dass der Eingriff für Patientinnen und Patienten deutlich schonender ist. Ein Vorteil ist auch die gute Haltbarkeit der Bänder. Richtig eingesetzt, können sie viele Jahre im Körper ihre stützende und straffende Funktion behalten. Außerdem sind sie gut verträglich.“ Allerdings ist zu beachten, dass mögliche postoperative Materialveränderungen, Gewebereaktionen, die eingesetzte Implantationstechnik sowie patienteneigene Risikofaktoren die Ergebnisse beeinflussen können.

Neben dem Einbringen suburethraler Bänder kann den Betroffenen auch ein künstlicher Blasenschließmuskel helfen. Dieser kommt hauptsächlich bei Männern zum Einsatz. Hierbei kann der Mann mit Hilfe einer in den Hodensack eingebrachten Pumpe eine um die Harnröhre gelegte Manschette öffnen und schließen und so den Harnabfluss kontrollieren. „Der künstliche Schließmuskel ist eine sehr effektive Maßnahme und macht jeden Inkontinenten wieder trocken. Er ist vor allem für Männer interessant, die am Tag mehr als 500 Milliliter Urin verlieren“, erklärt Dr. Alfons Gunnemann. „Allerdings muss aufgrund der Komplexität dieser Maßnahme auch mit Komplikationen gerechnet werden. Kommt der Patient mit der Handhabung aber gut zurecht, funktioniert das Zusammenspiel von Manschette und Pumpe, und akzeptiert der Körper den künstlichen Schließmuskel, kann dieser durchaus lebenslang im Einsatz bleiben. Regelmäßige Kontrollen sind allerdings Pflicht. Das gilt auch für die suburethralen Bänder.“

Und die Forschungen gehen weiter: Feinere, elektronisch kontrollierte Behandlungsmethoden werden ebenso erprobt wie die Verträglichkeit und Belastbarkeit neuer Materialien. „Harninkontinenz betrifft viele Patienten und Patientinnen und ist ein wichtiges Thema, dem Aufmerksamkeit geschenkt werden muss“, sagt DGU– und Kongresspräsident Prof. Dr. Tilman Kälble, „Denn die Betroffenen haben nur einen Wunsch: wieder ein unbeschwertes Leben zu führen. Dabei können wir Urologen ihnen helfen. Eines der Ziele des 69. Kongresses der DGU ist daher, den Blick für diesen bedeutenden Themenbereich zu schärfen. Raum für Diskussionen bieten unter anderem die Forumssitzungen, die von Donnerstag, den 21.09.2017 bis Samstag, den 23.09.2017 stattfinden.“

Doch nicht nur die Behandlung der Inkontinenz steht im Fokus. Thematisiert werden auch die Möglichkeiten, dem ungewollten Harnabgang vorzubeugen. Neben gezieltem Beckenbodentraining und der Vermeidung von Übergewicht spielen dabei Maßnahmen wie die Elektrostimulation und die Betrachtung des Hormonstatus eine tragende Rolle. „Der Beckenboden gehört zu den vernachlässigten Organen. Ihm sollte deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt werden“, appelliert Dr. Alfons Gunnemann. „In der Medizin gibt es zwar kein Allheilmittel, aber sehr gute Behandlungsmöglichkeiten. Um jedem Patienten und jeder Patientin die passende Therapie zu ermöglichen, kommt es daher auf einen fachübergreifenden Austausch und die Zusammenarbeit zwischen Urologen, Gynäkologen und Coloproktochirurgen an.“

Der 69. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie findet vom 20. – 23.09.2017 in Dresden unter dem Motto „Urologie. Für alle. Für jeden. Für uns.“ statt. Zu den inhaltlichen Schwerpunkten gehören neben der Inkontinenz bei Mann und Frau unter anderem auch die aktuellen Entwicklungen zu PSA-Screening und Active Surveillance beim Prostatakarzinom sowie Neuerungen bezüglich Diagnostik und Therapie aller urologischer Tumoren.

Quelle: DGU

Wir bilden uns für Sie weiter: Hygienebauftragter Arzt und genetische Beratung

Um Ihnen zeitgerechte, moderne und sinnvolle medizinische Leistungen anbieten zu können, bilden wir uns stetig weiter. So haben mein Praxisteam und – in diesem Falle ich – folgende Fortbildungen besucht:

  • Genetische Beratung

  • Hygienebeauftragter Arzt

Was bedeutet dies für Sie? Im folgenden Abschnitt finden Sie einige Informationen hierzu:

Eine genetische Beratung dient dazu, genetisch (mit) bedingte Erkrankungen oder Risiken für Erkrankungen zu erkennen und zu verstehen. Sie wird von speziell fortgebildeten Fachärzten durchgeführt.

 

Der Hygienebeauftragte Arzt unterstützt und berät bezüglich hygienerelevanter Fragestellungen (z. B. übergreifende Hygienemaßnahmen, Hygienepläne, Begehungen, Isolierungsmaßnahmen, hygienisch-mikrobiologische Kontrollen, Baumaßnahmen, interne Umsetzung von hygienerelevanten Gesetzen, Verordnungen und Richtlinien).

Der Hygienebeauftragte Arzt arbeitet eng mit der Hygienefachkraft zusammen und berät sie insbesondere bei medizinischen Fragestellungen. Er wird in der Regel bei Begehungen und Maßnahmen durch Aufsichtsbehörden (z.B. Gesundheitsamt) beratend hinzugezogen.

Nach der „Verordnung über die Hygiene und Infektionsprävention in medizinischen Einrichtungen“ (MedHygVO) sind unter anderem auch Einrichtungen für Ambulantes Operieren und Arztpraxen, in denen invasive Eingriffe vorgenommen werden, verpflichtet, einen hygienebeauftragten Arzt zu bestellen.

Zum Hygienebeauftragten Arzt kann nur bestellt werden, wer über eine mindestens zweijährige Berufserfahrung verfügt und spezielle Kenntnisse auf dem Gebiet der Hygiene und der medizinischen Mikrobiologie erworben hat.

Somit können Sie bei uns sicher sein, eine hygienisch vorbildlich geführte Praxis mit einem Eingriffsraum für ambulante Operationen vorzufinden.

 

Kinderwunsch – hier einige Informationen

30.01.2017. Was sind die Ursachen ungewollter Kinderlosigkeit? Welche Rolle spielt das Alter? Wann sollte man sich untersuchen lassen? Welche Behandlungsmethoden gibt es in Deutschland, und wer trägt die Kosten?

Informationen und Hilfe rund um das Thema Kinderwunsch bietet ein neues Zeitbild MEDICAL, das vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gefördert sowie von den Berufsverbänden der Urologen und der Frauenärzte unterstützt wird. Das Medienpaket enthält sowohl Materialien für Ärzte als auch ein Magazin für Patienten. Hier geht’s zum Patientenmagazin.

Quelle: DGU

Hodenhochstand nicht nur bei Babys!

Bei den allermeisten zum errechneten Termin geborenen Jungen wandern die Hoden gegen Ende der Schwangerschaft durch den Leistenkanal in den Hodensack. Bei etwa drei Prozent der reifgeborenen Jungen ist der Hoden nicht zuverlässig im Hodensack tastbar. Ärzte sprechen dann von einem Hodenhochstand, der bis zum Ende des ersten Lebensjahres abschließend behandelt werden sollte.

 

Doch auch ein bereits im Hodensack gelegener Hoden kann in der Folgezeit in den Leistenkanal aufsteigen und dort permanent liegen bleiben. Dieser sogenannte sekundäre Hodenhochstand kommt laut einer neuen Untersuchung weitaus häufiger vor als bisher angenommen.

Darauf wies die Regensburger Urologin PD Dr. Annette Schröder auf dem diesjährigen Kongress der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. in Leipzig hin. Schröder und Kollegen hatten in einer Untersuchung zwischen Mai 2015 und August 2016 festgestellt, dass von 175 Jungen, bei denen ein Hodenhochstand operiert wurde, fast 50 Prozent einen sekundären Hodenhochstand aufwiesen. Das heißt, dass der Hoden, obgleich er bereits ordnungsgemäß in den Hodensack abgesunken war, wieder aus diesem in Richtung Bauchraum zurückwandert. Risiken dafür sind unter anderem ein Pendelhoden, ein verspäteter Abstieg des Hodens in den Hodensack (primärer Hodenhochstand) sowie ein vorausgegangener Leistenbruch.

Wie der primäre Hodenhochstand geht auch der sekundäre Hodenhochstand, vor allem, wenn er beidseitig auftritt, mit einer eingeschränkten Zeugungsfähigkeit einher. Zudem trägt ein nicht richtig liegender Hoden ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung von Hodenkrebs in sich.

PD Dr. Schröder rät deshalb, die Hodenlage bis zur Pubertät regelmäßig etwa während der U-Untersuchungen beim Kinderarzt zu überprüfen. Besteht ein begründeter Verdacht auf einen Hodenhochstand, sollte ein Urologe hinzugezogen werden und die Fehllage so früh wie möglich korrigiert werden, um Spätfolgen zu vermeiden. Die grösste Sicherheit einer komplikationslosen Entwicklung besteht bei einer Korrektur der Hodenlage bis zum Abschluss des 12. Lebensmonats.

Quelle: DGU

Kommen Männer in die Wechseljahre?

Hypogonadismus des alternden Mannes

Kommen Männer in die Wechseljahre? Diese Frage wird immer wieder diskutiert. Die Antwort der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU) ist ein eindeutiges Nein. Bei dem Beschwerdebild, das fälschlicherweise oft als „Wechseljahre des Mannes“ bezeichnet wird, handelt es sich um ein Androgendefizit, auch Hypogonadismus genannt. „Meist ist bereits ab dem 45. Lebensjahr eine stetige Abnahme des wichtigsten Sexualhormons Testosteron von etwa einem Prozent im Jahr zu beobachten“, sagt Prof. Dr. Sabine Kliesch, Vorsitzende der PatientenAkademie der DGU. „Bei einem hohen Ausgangswert bereitet das keine Probleme. Doch es gibt Männer, die mit erheblichen Beschwerden zu kämpfen haben. Ihnen kann unter Umständen eine Testosteronersatztherapie helfen.“

Bei den 40- bis 79-Jährigen sind etwa zwei bis fünf Prozent der Männer vom altersbedingten Hypogonadismus betroffen. Besonders häufig zeigt sich der Hormonmangel in Zusammenhang mit Übergewicht und einem schlechten Gesundheitszustand. Aber auch Grunderkrankungen wie das metabolische Syndrom und Diabetes mellitus wirken sich negativ auf den Testosteronspiegel aus. Zu den Leitbeschwerden, mit denen Männer die urologische Praxis aufsuchen, zählen Erektionsstörungen und Libidoverlust. Weitere Folgen des Androgendefizits sind Schlafstörungen, Müdigkeit, Stimmungsschwankungen, Antriebslosigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten. „Die betroffenen Männer fühlen sich nicht mehr leistungsfähig. Sogar Depressionen können einen Hypogonadismus begleiten“, weiß Prof. Kliesch. Häufig zeigt sich zudem eine Abnahme der Muskelmasse bei gleichzeitiger Zunahme des gesundheitskritischen viszeralen Bauchfetts. Hinzu kommt, dass ein zu niedriger Testosteronspiegel andere Stoffwechselprozesse negativ beeinflusst. Langfristig leidet das Blutbild und der Knochenstoffwechsel, Übergewicht sowie eine Störung des Zuckerhaushalts werden begünstigt. „Es ist ein Kreislauf: Zum einen fördert ein zu niedriger Testosteronspiegel die Entstehung von Stoffwechselkrankheiten. Zum anderen verstärken bereits bestehende Stoffwechselerkrankungen den Testosteronmangel. Hypogonadismus stellt für die Gesundheit des Mannes daher ein gewisses Risiko dar“, erklärt Prof. Kliesch. Die Urologin und renommierte Andrologin empfiehlt Kollegen, bei Patienten mit Beschwerden genau hinzuschauen und bei einem klinischen Verdacht auf einen Hypogonadismus die Testosteronwerte zu untersuchen.

Die endokrinologische Diagnostik erfasst nicht nur die Bestimmung des Testosteronspiegels. Auch die Gonadotropine, das sexualhormonbindende Globulin (SHBG), Prolaktin sowie der PSA-Wert sind relevant. Kontraindikationen wie ein Prostatakarzinom müssen bei der Diagnostik ausgeschlossen werden. „Testosteronwerte zwischen 8 und 12 nmol/l sollten genauer kontrolliert werden“, sagt Prof. Kliesch. Bestimmungen des Blutbildes und der Blutfette schließen sich ebenso an wie die Messung der Knochendichte. Die genannten Parameter müssen auch im Verlauf einer Substitutionstherapie kontrolliert werden. Wichtig ist zudem, dass der Urologe im Zuge der Hormontherapie den Kontakt zu anderen Disziplinen etwa dem Hausarzt, dem Kardiologen und dem Diabetologen sucht, um dem Patienten eine bestmögliche Behandlung zukommen zu lassen. Die Reduzierung gesundheitlicher Risiken, die in einem ungesunden Lebensstil begründet liegen und die Behandlung von Begleiterkrankungen sind gegebenenfalls wichtiger als die reine Testosteronersatztherapie.

„Die Hormontherapie ist kein Allheilmittel. Allerdings kann die Gabe von Testosterongelen oder Depotspritzen die Gesundheit und das Wohlbefinden des Patienten deutlich unterstützen“, erklärt Prof. Kliesch. „In dem Moment, in dem ich den Stoffwechselhaushalt auf hormoneller Seite wieder in Ordnung bringe, lassen sich auch andere gesundheitskritische Werte wie ein zu hoher Blutzucker besser behandeln“, betont die Urologin und ergänzt: „Studien haben gezeigt, dass ein Diabetiker, der begleitend unter einem unbehandelten Hypogonadismus leidet, früher stirbt, als ein Diabetiker mit einem behandelten Testosteronmangel.“ Ganz aktuell weist eine US-amerikanische Studie zudem auf kardiovakuläre Vorteile einer Testosteronersatztherapie hin. Anders als bisher diskutiert, senkt demnach die Normalisierung der Testosteronwerte bei Männern ohne vorhergehende kardiovaskuläre Ereignisse das Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle und vermindert die Gesamtsterblichkeit.

Vor Beginn der Substitutionstherapie ist es von großer Wichtigkeit, den Patienten über den Nutzen der Hormone, aber auch über Nebenwirkungen wie mögliche Auswirkungen auf die Prostata oder die Fruchtbarkeit aufzuklären. „Diagnostik und Behandlung nach den Leitlinien der European Association of Urology (EAU) gewähren auch für den älteren Mann einen verantwortungsvollen Umgang mit der Hormonersatztherapie, die bei Patienten mit einem entsprechenden Beschwerdebild, bei nachgewiesenem Hypogonadismus, nach Aufklärung und Risikoabklärung sowie mit begleitenden Verlaufskontrollen zum Tragen kommen kann“, sagt Prof. Dr. Oliver Hakenberg, Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V., die die jüngste Medienkritik am Einsatz der Testosteronersatztherapie ausdrücklich zurückweist.

Quelle DGU

Nächtliche Toilettengänge – ein Volksleiden

Allnächtlich aufzuwachen, weil die Blase den Gang zur Toilette fordert, ist ein verbreitetes Leiden – und ein gefährliches zugleich: Zum einen werden die Folgen der regelmäßigen Unterbrechung des Nachtschlafes zum Wasserlassen, fachsprachlich Nykturie genannt, unterschätzt. Zum anderen sind die nächtlichen Toilettengänge häufig ein Alarmsignal, das auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinweist. „Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung, vorrangig des Mannes, abgetan, obwohl es der Abklärung der individuellen Ursachen bedarf“, sagt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie e.V. (DGU), die das Volksleiden auf dem 68. Urologenkongress thematisiert.
Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache von Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen resultieren. Anders als vielfach angenommen, sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen. Zuverlässige aktuelle Zahlen zur Häufigkeit gibt es nicht, nach älteren Studien leiden aber mehr als 60 Prozent aller Menschen von 70 und mehr Jahren an einer behandlungsbedürftigen Nykturie, die die Betroffenen zwei Mal oder öfter pro Nacht zum Wasserlassen treibt. Fortgeschrittenes Alter ist zwar ein wesentlicher Faktor für Nykturie, bewahrt aber jüngere Menschen nicht davor. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder fünfte bis sechste betroffen – hier öfter Frauen als Männer.

„Nykturie ist keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern Symptom anderer körperlicher Störungen. Unterschiedliche Ursachen kommen für den Drang zum nächtlichen Wasserlassen in Betracht, die zunächst im Bereich der Urinproduktion sowie im System der Speicherung und Ableitung des Harns zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Stephan Roth. Bei zahlreichen Nykturie-Patienten liegt eine nächtliche Polyurie vor. Sie scheiden nachts mehr als den sonst üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus, der für jüngere Menschen bis 20 Prozent, jenseits der 65 bis 33 Prozent liegen sollte. Bei anderen Patienten wird eine reduzierte Kapazität der Harnblase festgestellt, die zur häufigeren Entleerung kleinerer Mengen nötigt. Besonders bei älteren Menschen fallen oft mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu gehören die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, erhöhte Restharnvolumina, Veränderungen am Detrusormuskel, niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata.

„Bei einer Polyurie“, so der Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Wuppertal weiter, „ist es notwendig, die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urinproduktion abzuklären“. Infrage kommen, laut Roth, eine Herzinsuffizienz, für die ein Übermaß an auszuscheidendem Gewebewasser ein Indiz wäre; auch ein Diabetes, ein erhöhter systolischer Blutdruck oder Störungen der Nierenfunktion können sich, ebenso wie Medikamente, auf die Urinproduktion auswirken.

Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind eng verbunden mit der Nykturie, die sogar als ein Leitsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet. Die Folgen der Nykturie können schwerwiegend sein: Schlafstörungen führen oft zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Dänische Forscher ermittelten, dass Nykturie die Arbeitsproduktivität um bis 24 Prozent senken kann. Besonders ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten Mortalitätsrisiko ausgegangen.

„Angesichts des hohen Leidensdrucks, möglicher Komplikationen und der zum Teil schwerwiegenden ursächlichen Erkrankungen wird die Notwendigkeit zur gründlichen medizinischen Abklärung einer Nykturie deutlich“, resümiert DGU-Präsident Prof. Dr. Kurt Miller und lädt die Medienvertreter ein, sich auf dem 68. DGU-Kongress in Leipzig über das unterschätzte Volksleiden zu informieren.

Quelle: DGU

Prostatakarzinom: Sport verbessert Überlebenschancen

Sport kann nach der Diagnose von Prostatakrebs das Risiko halbieren, daran auch zu sterben. Andere körperliche Aktivitäten scheinen hingegen weniger zu nützen, wie das Team um Dr. Christine Friedenreich vom Krebsforschungszentrum in Calgary/Kanada in einer Kohortenstudie festgestellt hat.   In die Studie waren 830 Männern einbezogen, bei denen zwischen 1997 und 2000 ein Prostatakarzinom (PCa) im Stadium II bis IV diagnostiziert worden war. Ihr Durchschnittsalter lag zu der Zeit bei 68 Jahren. 2014 wurden davon 372 Männer nachuntersucht, 458 waren inzwischen gestorben, 170 davon am PCa. Alle waren zum Studienbeginn zu ihren körperlichen Aktivitäten befragt worden, die Überlebenden in Follow-ups über die Zeit bis zu drei Mal. Dieser Aktivität entsprechend waren sie in vier gleich große Gruppen eingeteilt worden.

Die Aktivsten brachten es auf mehr als 119 metabolische Einheiten (MET) pro Woche, das Quartil mit der wenigsten körperlichen Bewegung auf weniger als 42 MET pro Woche. Zur Orientierung: Joggen schlägt mit 12 MET pro Stunde zu Buche, gemütliches Radfahren mit 6 und Haushaltsarbeit mit 2 bis3 MET pro Stunde.

Die Forscher stellten fest, dass aus der Gruppe mit der geringsten Körperaktivität bis zum Ende der Studie bereits drei Viertel (158) nicht mehr lebten, während es im aktivsten Quartil mit nur rund ein Drittel (75) im Vergleich weniger als die Hälfte war. Wurden Alter, Tumorstadium und Zeit bis zur ersten Progression berücksichtigt, so war die Gesamtsterberate in der aktivsten Gruppe um 42 Prozent geringer als bei den körperlich Inaktivsten.

In Bezug auf die tumorspezifische Sterblichkeit konstatierten die Forscher für die Gruppe mit der größten Gesamtaktivität eine um 35 Prozent reduzierte Rate, in der Gruppe mit der höchsten beruflich bedingten Bewegung um 34 Prozent. Hier war das Ergebnis für die sportlichste Gruppe am deutlichsten: In ihr war das Risiko an PCa zu sterben rechnerisch um 56 Prozent verringert. Ob dies auch gilt, wenn erst nach der Krebsdiagnose mit dem Sport begonnen wird, konnte die Studie nicht beantworten.

Schon in früheren Studien waren bei sportlich aktiven Männern nach der Krebsdiagnose geringere Progressionsraten und tumorspezifische Sterberaten festgestellt worden – je nach Studie um ein bis zwei Drittel reduziert. Sport zu treiben lohnt sich in jedem Fall.

Quelle: DGU

Das 1×1 der männlichen Fruchtbarkeit

Wenn es mit dem Kinderwunsch nicht klappt, ist die Ursache der Unfruchtbarkeit eines Paares immer häufiger beim Mann zu finden: Eine geringe Anzahl von Spermien und die wenigen auch noch öfter von unterdurchschnittlicher Beweglichkeit und Qualität werden zunehmend für männliche Infertilität verantwortlich gemacht. Eine einzige Ursache für diese Entwicklung gibt es nicht, jedoch ein ganzes Ursachen-Allerlei. Seit einigen Jahren wird mit Studien versucht, Ursachen und Auslöser zu erkennen. So fanden dänische Forscher jetzt heraus, dass Übergewicht zu einer Veränderung des Erbgutes führt.

In ihrer Studie wiesen sie veränderte genetische Codes in Spermien von Übergewichtigen (BMI über 30) nach, die den Appetit steuern. Aber hatte das Übergewicht die DNA verändert, oder eine veränderte DNA das Übergewicht ausgelöst? Dies wurde an sechs adipösen Männern geklärt, die eine extreme Gewichtsreduktion durch einen Magenbypass erreichten. Vor und nach der OP wurde die DNA ihrer Spermien untersucht – und mehr als 5000 epigenetische Veränderungen festgestellt. Fazit: Übergewicht verändert das Erbgut. Derzeit werden in Kooperation mit einer Fertilitätsklinik auch die Embryonen von Vätern unterschiedlichen Körpergewichts epigenetisch untersucht.

Bereits frühere Studien hatten negative Einflüsse von Übergewicht auf die männliche Fertilität aufgezeigt: 2012 hatten Forscher in den Niederlanden festgestellt, dass Männer mit einem Hüftumfang von mehr als 102 Zentimetern eine deutliche schlechtere Spermienkonzentration und geringere Gesamtzahl beweglicher Spermien hatten. Abnehmen schafft Abhilfe.
Österreichische Studienautoren schrieben 2012, die Kombination von Alter, Gewicht, sexueller Aktivität und der Menge des Kaffeekonsums hätte wesentlichen Einfluss auf Motilität und Morphologie der Spermien. Entsprechend könne der Mann bis zu einem gewissen Grad selbst die Qualität seiner Samen steuern.

US-Forscher erkannten nach einer 2014 veröffentlichten Studie, dass Stress ebenfalls negativ auf Quantität und Qualität von Spermien wirkt – allerdings kaum berufliche, sondern überwiegend private Belastungen. Männer, die während der Studie arbeitslos waren, hatten eine besonders schlechte Spermienqualität.

Zwischen schlechtem Schlaf und Spermienqualität wurde 2012 in Dänemark ein Zusammenhang nachgewiesen. Bei Männern mit Schlafstörungen wurde im Ejakulat ein Rückgang der Spermienkonzentration von gut 30 Prozent gegenüber Normalschläfern festgestellt. Eine verminderte Spermienqualität verbesserte sich bei regelmäßigem Schlaf von sieben Stunden erheblich.
In Argentinien wurde darüber geforscht, wie sich WLAN-Strahlung – also das Handy in der Hosentasche oder das Notebook auf dem Schoß – auf die männliche Fertilität auswirkt. Spermienproben gesunder 25-Jähriger wurden der Strahlung ausgesetzt. 25 Prozent der Spermien waren danach bewegungslos, neun Prozent wiesen Schäden am Erbgut auf. Unbestrahlt waren es nur je 14 und drei Prozent. In der Ukraine wurden 100 Studien zu den Gefahren der Mobilfunkstrahlung analysiert: 93 kamen zu dem Ergebnis, dass WLAN- und Handystrahlung Zellschäden verursachen können.

Pkw-Sitzheizungen eilt der Ruf voraus, negative Effekte auf die Spermienqualität zu haben. Befragungen und Spermiogrammen ergaben in Österreich, dass 62 Prozent der häufigen Sitzheizungsnutzer einen unauffälligen Spermienzustand haben, bei seltenen Nutzern waren es 53 Prozent und bei Nichtnutzern nur 46 Prozent. Für den Umkehrschluss positiver Sitzheizungseffekte bedarf es jedoch weiterer Forschung.
Nachgewiesen ist der negative Einfluss von Drogen, Anabolika, übermäßigem Alkoholkonsum und der des Rauchens auf die Spermienqualität: Nikotinkonsum etwa reduziert das Befruchtungspotenzial der Spermien um die Hälfte.
Ein gesunder Lebensstil mit Normalgewicht, ausgewogener Ernährung und regelmäßigem, aber nicht übertriebenem Sport, der die Hormonproduktion ankurbelt, dagegen hält die Spermien fit.

Quelle: DGU

Die überaktive Blase

Für das Krankheitsbild der überaktiven Blase werden zahlreiche Begriffe verwendet. Häufig ist von einer Overactive Bladder (OAB) oder im deutschen verständlicher, der Reizblase, die Rede.Nach Definition der Internationalen Kontinenzgesellschaft (ICS) handelt es sich um einen gehäuften Harndrang (> 10maliges Wasserlassen in 24h) in Kombination mit einem sogenannten imperativen Harndrang. Hierunter versteht man, dass nach Eintreten des Harndranges unmittelbar die Toilette aufgesucht werden muss, da die Blasenentleerung sonst unkontrolliert erfolgt. Laut Definition liegt dem Beschwerdebild keine vom Arzt fassbare Ursache (idiopathisch) zugrunde. Mögliche fassbare Ursachen für eine derartige Symptomatik wären z.B. Blasensteine, eine Prostatavergrößerung oder möglicherweise auch Blasenkrebs. Daher sind die unten genannten Untersuchungen notwendig, um das Beschwerdebild entsprechend abgrenzen zu können und die Diagnose zu sichern.

Urinverluste können im Rahmen des Beschwerdebildes auftreten (Dranginkontinenz). Die Erkrankung kann jedoch auch ohne Urinverlust bestehen und sich lediglich in einem störend häufigen Harndrang äußern.

Von einer überaktive Blase sind ca. 16% aller erwachsenen Menschen betroffen. Der Anteil der betroffenen weiblichen Bevölkerung wird dabei mit 8-42% und der männlichen Bevölkerung mit 10-26% angegeben. Frauen sind im Allgemeinen 20 Jahre früher betroffen als Männer. Die Häufigkeit des Beschwerdebildes steigt dabei mit zunehmenden Alter.

Gesicherte unabhängige Risikofaktoren für die Entstehung einer Reizblase sind somit Alter und Übergewicht.

Erkrankungen die häufig begleitend auftreten sind Depressionen, Verstopfung und Erektionsstörungen.

Diagnostik

Da es sich bei der überaktiven Blase letztlich um eine Ausschlussdiagnose handelt, werden vor Einleitung einer Therapie vom Urologen in der Regel verschiedene Untersuchungen vorgenommen.

Wichtigster Punkt hierbei ist das eingehende Anamnesegespräch um das Beschwerdebild genau zu erfassen. An weitergehenden Untersuchungen schließen sich oft eine Urindiagnostik zum Ausschluss zum Beispiel eines Harnwegsinfektes und eine Ultraschalluntersuchung der Harnwege (Blase, Nieren, Restharnmessung) an. Bei Männern ist zudem eine Tastuntersuchung bzw. Ultraschalluntersuchung der Prostata zu empfehlen.

Um entzündliche Veränderungen der Blasenschleimhaut oder evtl. bestehende Blasentumoren sicher zu erkennen, ist zudem oft eine Blasenspiegelung (siehe dort) notwendig.

Optional kann zusätzlich eine sog. Urodynamik (siehe Kapitel Harninkontinenz) weiteren Aufschluss über die Blasenkapazität, Blasendrücke und das Zusammenspiel zwischen Blasen- und Schließmuskel geben.

Oft ist es hilfreich, wenn betroffene Patienten ein sog. Miktionstagebuch führen. Hierbei werden sämtliche Toilettenbesuche (Wasserlassen) über mindestens 48h sowohl tags, als auch nachts mit Angabe des Urinvolumens protokolliert.

Hieraus ist objektiver ersichtlich wie viele Toilettenbesuche tatsächlich erfolgten und wie ausgeprägt das Beschwerdebild ist. Im Verlauf der Behandlung lassen sich hierdurch auch Therapieerfolge objektivieren.

Therapie

Sollten ursächliche Erkrankungen (z.B. Nervenerkrankungen, Blasenstein, Prostatavergrößerung, Blasentumor) ausgeschlossen sein, bestehen vielfältige Behandlungsmöglichkeiten einer überaktiven Blase.

Je nach Entstehung der Symptomatik, vorheriger Therapie und Präferenz des Patienten können ein Verhaltenstraining, eine psychosomatische Behandlung, eine medikamentöse Therapie (Tabletten, Anwendung von Botulinumtoxin A), eine Elektrostimulationsbehandlung oder eine sakrale Neuromodulation zum Einsatz kommen.

Verhaltenstraining und psychosomatische Behandlung

In Studien konnte gezeigt werden, dass sich das Beschwerdebild einer überaktiven Blase durch ein Verhaltenstraining deutlich verbessert kann. Ziel hierbei ist v.a. den Toilettengang heraus zu zögern und eingewöhnte Mechanismen zu durchbrechen. Hier bedarf es zur effektiven Therapie aber einer professionellen Anleitung. Der Urologe vor Ort kann ggf. fachkundige Hilfe vermitteln.

In Einzelfällen können auch Somatisierungstörungen Ursache einer überaktiven Blase sein. In diesem Fall ist eine fachkundige psychosomatische Mitbeurteilung hilfreich.

Elektrostimulation und Biofeedback-Training

Diese Verfahren sind nicht schmerzhaft und vom Patienten im heimischen Umfeld selber anwendbar. Über Elektroden im Damm- und Vaginalbereich können Patientinnen und Patienten die Beckenbodenmuskulatur trainieren und eine verbesserte Kontrolle über die Beckenbodenmuskulatur erhalten.

Eine Einweisung in die Anwendung des Gerätes und eine Therapieüberwachung sollte professionell erfolgen. Entsprechende Therapeuten können vom Urologen vor Ort vermittelt werden.

Als noch effektiver hat sich diese Therapie in Kombination mit einer physiotherapeutischen Beckenbodengymnastik erwiesen.

Insgesamt ist diese Behandlungsoption nebenwirkungsarm, stellt jedoch für Patienten einen erheblichen Zeitaufwand dar, da das Training oftmals täglich (im häuslichen Umfeld) und über mehrere Monate erfolgen muss, um einen Therapieerfolg zu bemerken.

Medikamentöse Therapie

Die am häufigsten gewählte Therapieoption ist eine medikamentöse Therapie in Tablettenform. Das Wirkprinzip dieser sog. Anticholinergika ist dabei ähnlich. Es werden Rezeptoren im Bereich des Blasenmuskels blockiert. Dies führt dazu, dass sich der Blasenmuskel nicht mehr so kräftig zusammenziehen kann. Zusätzlich gibt es Hinweise, dass durch die Medikamente die Reize aus der Harnblase, welche den Harndrang verursachen, ebenfalls blockiert oder gehemmt werden.

Die Kombination senkt die Häufigkeit der Toilettenbesuche und unkontrollierte Urinverluste durch die Drangsymptomatik.

Der Therapieerfolg setzt meist erst nach einigen Tagen oder Wochen der Therapie ein. Sollte ein Präparat nicht den gewünschten Erfolg zeigen, kann ein anderer Wirkstoff probiert werden. Der Urologe vor Ort berät betroffene Patienten, welches Präparat im Rahmen von etwaigen Begleiterkrankungen zu empfehlen ist.

Häufige Nebenwirkungen dieser Wirkstoffgruppe können Mundtrockenheit oder Verstopfung sein. Insgesamt ist die Verträglichkeit jedoch zumeist gut und die Wirkung der Wirkstoffgruppe durch zahlreiche Studien belegt.

Botulinumtoxin A

Die Verwendung von Botulinumtoxin A im Rahmen der Therapie einer überaktiven Blase erfolgt, wenn die bereits angeführten Therapieoptionen keinen Erfolg hatten, oder für den Patienten unverträglich waren.

Die Anwendung erfolgt im Rahmen einer Blasenspiegelung (siehe dort) ambulant oder stationär mit einer lokalen Betäubung der Harnblase. Im Rahmen der Spiegelung wird mit einer feinen Nadel an verschiedenen Stellen der Harnblase Botulinumtoxin A injiziert. Der Eingriff dauert meist zwischen 10 und 20 Minuten und ist nicht oder nur wenig schmerzhaft.

Bei Botulinumtoxin A handelt es sich um ein Nervengift, welches die Signalübertragung in der Blasenmuskulatur hemmt. Hierdurch kann sich der Blasenmuskel nicht mehr, oder weniger stark zusammenziehen und die Häufigkeit der Blasenentleerungen sinkt.

Bis zum vollen Wirkeintritt vergehen ca. 2 Wochen. Die Wirkung hält zwischen 6 und 12 Monaten an. Hiernach ist eine erneute Durchführung der Injektion notwendig.

Die Vorteile der Therapie sind deutlich weniger Nebenwirkungen im Sinne einer Mundtrockenheit und in Studien eine etwas höhere Trockenheitsrate bei gleichzeitig bestehender Dranginkontinenz.

Als nachteilig erwies sich eine höhere Anzahl von Harnwegsinfekten im Vergleich zu den Anticholinergika und das Risiko eines Harnverhaltes. Hierzu kann es bei einem überschießenden Ansprechen der Botulinumtoxinwirkung kommen. Der Blasenmuskel ist nicht mehr in der Lage sich selbstständig zusammenzuziehen und der Patient kann nicht mehr kontrolliert Wasser lassen. Dieser Zustand wird vom Urologen dann als Harnverhalt bezeichnet.

Die Dauer dieser unerwünschten Wirkung ist durch die zeitlich begrenzte Wirkung von Botulinumtoxin A auf 6-12 Monate limitiert. In dieser Zeit kann es notwendig sein, dass sich die betroffenen Patienten täglich mehrfach selber katheterisieren.

Quelle DGU

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